"Fack Ju Göhte 2": Das Interview mit Karoline Herfurth

Ihre Figur, die spleenige Lisi Schnabelstedt, durfte zwar nicht mit auf die Schulreise nach Thailand in "Fack Ju Göhte 2". Zum Interview mit OutNow.CH schaffte es Karoline Herfurth aber doch.

OutNow.CH: Wie war Thailand?
Karoline Herfurth: Ich war auf der Filmklassenfahrt nach Thailand nicht dabei, was ich sehr bedauert hatte. Als ich dann aber von der Magen-Darm-Grippe gehört habe, die sogar die thailändische Crew flachgelegt hat, dachte ich: Na gut, einen Vorteil hatte es dann doch. Zeki Müller muss also mit der 10b alleine klarkommen in Thailand, was zu sehr krassen Situationen führt. Lisi Schnabelstedt macht dann immer Druck aus Deutschland. Also alles sehr konfliktreich und lustig.

Ist vor der Klasse zu stehen ähnlich wie auf einer Bühne zu stehen?
Es ist sicher nicht verkehrt, wenn man ein bisschen schauspielern kann als Lehrer. Lehrer zu sein ist einfach eine immense Herausforderung. Ich habe einmal in meinem Leben meinem kleinen Bruder und seinem Freund Nachhilfe in Russisch gegeben. Das war die verheerendste Stunde, die die beiden jemals hatten. Ich bin richtig kläglich gescheitert - und das waren zwei Schüler. Den frustrierten, verwirrten Blick dieser beiden Jungs werde ich niemals vergessen. Da wurde mir klar: Ich und Lehrerdasein? Ich weiss jetzt nicht, ob das so viel Sinn macht.

Wann wurde klar, dass Fack Ju Göhte 2 gedreht wird, und konntest du Einfluss auf deine Rolle nehmen?
Bora Dagtekin, der Regisseur, ist ein sehr genialer Filmemacher. Wenn er in eine Richtung gehen möchte, bin ich total d'accord. Wir waren eigentlich übergangslos immer im Austausch mit den Ideen. Als die Hauptidee stand, gab es verschiedene Optionen. Da hat sich das immer mehr in Richtung Klassenfahrt entwickelt. So haben wir uns die Bälle zugeworfen. Hauptsächlich hat Bora aber entschieden, dass es gut ist, wenn wir eng an den Figuren dranbleiben. Wir sind halt alle Freunde seit dem ersten Teil. Wir treffen uns nicht nur zum Drehen wieder, sondern sehen uns sowieso immer und erzählen uns, was los ist.

Geht man die Figur bei einem zweiten Teil anders an, oder ist es wie nach Hause zu kommen?
Sowohl bei den Dreharbeiten als auch mit den Kollegen und dem Regisseur ist es wie nach Hause zu kommen. Auch die Figur der Lisi ist wie eine alte Freundin zu treffen, die man zwar zwei Jahre nicht gesprochen hat, aber es ist, als wär's gestern gewesen. Wir kamen wieder ins Schulgebäude rein und fragten uns gleich, ob es nun schon wieder zwei oder drei Jahre her war. Es gibt auch eine Fack-Ju-Göthe-WhatsApp-Gruppe, wo wir uns regelmässig austauschen.

Da musst du schon genauer werden.
Es ist furchtbar. Man wird den ganzen Tag verkackeiert. Katia Riemann hat den Ruf, dass sie immer keine Ahnung hat, was gerade los ist. Bora ist der technische Maniac, der alles kann und für unsere Handy-Fragen da ist. Ich hingegen antworte immer erst auf Fragen, die schon vor zwei oder drei Wochen gestellt wurden. Das ist mein Ding. Als ich letztens innerhalb einer Sekunde geantwortet habe, haben sich Elyas und Bora gleich einen Spass gemacht: "Hey, sie antwortet gleich! Ihr müsst ihr JETZT alle Fragen stellen, die ihr wissen wollt." Ich war da gerade am Joggen und musste zum Antworten ständig meinen Lauf unterbrechen. Diese WhatsApp-Gruppe ist halb grosser Spass, halb alltägliche Belastung.

Habt ihr euch auch während der Dreharbeiten verkackeiert?
Was Bora schreibt, ist einfach sehr lustig. Das fordert eine gewisse Disziplin beim Spielen, damit man nicht gleich loslacht. Elyas und ich kennen uns nun auch schon eine Weile, und sehen dann schon im Auge des anderen, dass da ein Pruster kommt. Wenn man dann versucht, sich nicht gegenseitig anzustecken, geht es sowieso schief. Dann müssen wir jeweils den Dreh abbrechen und uns erst wieder beruhigen. Es gibt auch anstrengende Tage, aber meist ist es sehr lustig.

Komödien gelten aber als schwieriger zu spielen.
Schauspielerisch ist es einfach eine andere Anforderung. Es gibt eine unterschiedliche Spieltemperatur. Wenn ich in einer Komödie traurig bin, bin ich anders traurig als im Drama. Von der Emotionalität finde ich Drama belastender. Natürlich muss ich die Dinge, die die Figur erleidet, genauso ernst nehmen im Spiel. Aber das passiert alles mit einem ganz anderen Timing. In einer Szene muss ich fünf verschiedenste Haltungen, Stimmungen, Emotionen zack-zack-zack hintereinander bringen. Dieser Emotionsparcours ist das Herausfordernde bei der Komödie. Ich kann ja nicht nur Grimassen schneiden. Damit es wirkt, musst du das jeweils ganz durch dich durchwachsen lassen.

Verspürst du Druck nach dem Erfolg des ersten Teils?
Wir alle wollen Zuschauererwartungen erfüllen. Der zweite Teil soll Spass machen und ans Herz gehen. Viele Figuren, welche die Zuschauer ins Herz geschlossen haben, sollte man wiedersehen können. Ich würde das nicht Druck nennen, aber dies war unsere Herausforderung.

Wird es einen dritten Teil geben?
Das weiss ich nicht. Mir hat noch keiner was gesagt.

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