"Me and Earl and the Dying Girl": Das Interview mit Olivia Cook, Thomas Mann und RJ Cyler

Das Teenie-Krebs-Drama "Me and Earl and the Dying Girl" ist smarter als der übliche Kram im Genre. OutNow.CH konnte mit den Darstellern über den Film und ihre Rollen sprechen.

Im fröhlichen Dreier-Grüppchen - man hat ihnen gerade eine Portion Pommes Frites serviert - begrüssten die Jungdarsteller Thomas Mann, Olivia Cooke und RJ Cyler uns in der Bibliothek eines Locarneser Luxushotels. Die Premiere auf der Piazza Grande von Me and Earl and the Dying Girl stand ihnen noch bevor, aber sie hatten das hügelige Gelände rund um den Lago Maggiore bereits mit E-Bikes erkundet. Die Britin Olivia Cooke (Ouija) spielt Norman Bates' Freundin in Bates Motel. Thomas Mann kennt man in erster Linie aus Project X, während RJ Cyler im Film seine erste grosse Rolle ergattern konnte.

Das Wichtigste zuerst: Für deutsche Ohren ist dein Name sehr speziell. Bist du als Thomas Mann schon in spezielle Situationen gekommen?
Thomas Mann (TM): Erst als ich einmal in Berlin drehte. Da war ich ungefähr 19. Davor hat mich nie jemand darauf hingewiesen. In den USA ist Thomas Mann nicht so bekannt. Ich wurde auch nicht nach ihm benannt. Meine Eltern fanden Thomas einfach einen schönen Vornamen.

Olivia, bisher kannte man dich aus dem Horror-Genre. Ist Me and Earl and The Dying Girl auch ein Ausbrechen aus dem Type-Casting?
Olivia Cooke (OC): Wenn man als Frau in einem Horrorfilm spielt, wird man schnell als Scream-Queen bezeichnet. Männer werden nie Scream-King genannt, aber Frauen taugen nur zum Schreien, Weinen und Ängstlichsein. Ich suchte deshalb nach etwas anderem, das mich von diesem Pfad abbringen würde und fand Me and Earl and the Dying Girl. Ich finde die Story lustig, ehrlich, originell und emotional. Das Drehbuch liess mich die ganze Bandbreite der Gefühle spüren. Die Dialoge sind genial, weil sie so real wirken. Ich hasse es, wenn 18-Jährige in Filmen mit der Lebensweisheit eines 65-Jährigen sprechen. Ich fand es als Teenager nie leicht, mich auszudrücken. Ich kenne auch keine 18-Jährigen, die weise sprechen. Dieser Coming-of-age-Film ist anders.

Erkennt ihr euch wieder im Dialog?
RJ Cyler (RJ): Nicht nur mich, sondern auch meine Freunde. Auf irgendeine Art und Weise erkenne ich jede der Figuren auch in meinen eigenen Leben wieder. Sogar die Lehrer.
OC: Der Dialog ist nah dran an den jungen Erwachsenen von heute. Es fühlte sich nicht an, als müsste ich jemanden spielen.

Wie ähnlich seid ihr euren Figuren im Film?
TM: Es gibt Qualitäten bei Greg, die mir bekannt vorkommen. Wir fühlen uns alle minderwertig. Man hat Angst, beurteilt zu werden. Das sind Dinge, die nach der High School nicht aufhören, man kommt einfach besser klar damit, je älter man wird.
OC: Ich bin teilweise wie Rachel. Ich hatte keine extrem offensichtlichen Unsicherheiten. Bis vielleicht auf den Druck der Zeitschriften und TV, die mir sagen wollten, dass mein Po zu gross, mein Bauch zu wenig flach und meine Brüste zu klein seien. Bis ich selber merkte, dass an mir alles prächtig funktioniert.

Hattet ihr persönlich schon Berührungspunkte mit dem Krebs?
RJ: Meine beiden Grossmütter hatten Krebs. Als sich Olivia den Kopf rasierte, musste ich am Set weinen, weil es mich an sie erinnerte.
TM: Nicht im Sinne eines guten Freundes, der starb. Oder als ich in einem Alter war, wo ich wirklich begriff, was passierte. Ich denke aber auch nicht an sowas, wenn ich spiele.
OC: Wenn das Skript und die Leute, mit denen ich spiele, nicht genügen, um die Emotionen aus mir herauszukitzeln, ist das ein Problem. Ich zehre nie aus Situationen, die mir in der Vergangenheit passiert sind, um im Moment wahrhaftig zu wirken. Dafür sind sie Spielszenen zu spezifisch. Ich lebe lieber den Charakter voll aus, den ich spiele.

Olivia, du hast dich entschieden, tatsächlich die Haare abzurasieren für den Film. Wie hat sich das angefühlt? Hast du dich in etwa so gefühlt wie Rachel im Film?
OC: Ich fühlte mich auch hässlich, und die Leute haben mich anders behandelt. Aber ich kann es nicht wirklich vergleichen, weil ich ja kerngesund war. Haare wachsen nach. Im Grossen und Ganzen war es kein Drama, sondern eine relativ oberflächliche Methode, sich in die Gedankenwelt einer Frau während der Chemotherapie hineinzuversetzen.

Der Film beschreibt zu Beginn die Cliquen und endet mit einer Prom Night wie viele Teenie-Filme. Dazwischen entwickelt sich aber etwas ganz Besonderes.
TM: Das Voice-over meiner Figur Greg wird etwas zu ernst genommen. Wenn er die Cliquen beschreibt, versucht er, dem Chaos um ihm herum Sinn zu geben. Er simplifiziert. Rachel ist nicht einfach das langweilige jüdische Mädchen, genausowenig die wie Sportler und die Kiffer nur eindimensional sind. Das ist eine dumme Herabsetzung, die mehr über Greg als die Menschen um ihn herum aussagt.
OC: Und die Prom Night war für mich als 16-Jährige auch unheimlich wichtig und zeigt so einfach, was im Leben eines Teenagers wichtig ist. Oder im Falle von Greg halt nicht.

Greg und Earl stellen im Film einige Filmklassiker mit der eigenen Kamera nach. Kanntet ihr all die Titel wie 8 1/2 oder Don't Look Now?
TM: Nicht alle. Der Regisseur, Alfonso Gomez-Rejon, hat uns aber immer mit DVDs versorgt. Es war ein grosser Teil unsere Hausaufgabe, diese Filme zu sehen. Es wäre für mich unehrlich gewesen, Filme zu parodieren, die ich nicht kannte. Alfonso war wie ein kreativer Vater in dieser Hinsicht. Das waren oft seine Ideen, oder Regisseure, denen er gerne Hommage erwies.

Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jesse Andrews. Buchverfilmungen für junge Erwachsene sind im Kino gerade der Renner. Folgt man hier einem Tend, den John Green (Das Schicksal ist ein mieser Verräter) gestartet hat?
TM: Nein, es gibt pro Jahr ja auch sechs Kriegsfilme und keiner spricht von einem Trend. Me and Earl and the Dying Girl ist ganz anders als The Fault In Our Stars, auch wenn beide Filme von Krebskranken handeln. Unser Film ist keine Liebesgeschichte. Liebe kommt vor, es ist aber keine Romanze.

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