"Trainwreck": Das Interview mit Amy Schumer und Kim Caramele

Amerika baut Amy Schumer gerade einen Comedy-Altar. Die Sketche aus ihrer Show "Inside Amy Schumer" geben regelmässig zu lachen und diskutieren. Nun erobert sie als Darstellerin und Autorin das Kino.

© Universal Pictures Switzerland

"Inside Amy Schumer", ihre Sendung beim US-Kabler Comedy Central, ist in der Schweiz noch nicht zu sehen. Ist die alte Welt trotzdem bereit für ihren derben Humor um Rasse, Geschlechterrollen und körperliche Unzulänglichkeiten? Ihre Stand-up-Routine ist desöfteren abartig lustig. Die Gag-Dichte im Vergleich zu den vorangegangen ist in Judd Apatows neuestem Film Trainwreck dank Schumers Drehbuch und ihrer Hauptrolle auch höher. Beim Filmfestival in Locarno startet die freche Blondine die Eroberung Europas. Vor dem Auftritt auf der Piazza Grande traf OutNow.CH sie in Ascona. Mit am Tisch ihre Schwester Kim Caramele, die Dating Queen (so der deutsche Titel) mitproduzierte.

Ihr habt auf Twitter ja bereits verkündet, dass ihr "Switzerland fucking liebt".

Amy Schumer (AS): Ich war schon mal vor Jahren hier. Ich habe in Interlaken Haschisch geraucht. Jetzt ist es cooler. Wir badeten im Lago Maggiore, gingen wandern, haben uns Kirchen angeschaut und gut gegessen. This place is dope!

Seid ihr beide als Schwestern genauso unterschiedlich wie die Geschwister in Trainwreck?
Kim Caramele (KC): Wir sind uns schon sehr ähnlich. Wir haben aber unterschiedliche Gewohnheiten, was Dating betrifft, und andere Männergeschichten hinter uns.
AS: Kim hat ihren High-School-Schatz geheiratet. Und ich werde sehr sehr einsam sterben. Die Dynamik zwischen Amy und ihrer Schwester im Film ist ganz anders. In der Filmfassung ist Kim viel mehr auf Suburbia geeicht und hat sich mit ihrer Familie von Amy entfernt. Die richtige Kim lebt fünf Blocks weiter weg von mir und spielt mit ihrem Mann Videogames.

© Universal Pictures Switzerland

Kim, Du hast ursprünglich als Psychologin gearbeitet. Warum hast du aufgehört?
KC: Ich war Kinderpsychologin und war es einfach müde, Kindern zu helfen. Amy hat mich gefragt, ob ich für ihre TV-Show arbeiten und schreiben wolle. Ich wollte es eigentlich nur ein paar Monate lang tun. Aber dann hat es mich gepackt. Ich liebe es, mit ihr zu arbeiten.
AS: Und du liebst Geld! Sie liebt es wirklich.
KC: Genau!

Analysierst du Amy manchmal?
AS: Sie hat mal einen IQ-Test mit mir gemacht.
KC: Wir haben Wein getrunken, und eins führte zum anderen.
AS: Los, du darfst es ihm erzählen.
KC: Nicht wirklich, weil es unter das Arztgeheimnis fällt.
AS: Aber ICH darf! In einigen Gebieten habe ich wie ein Genie angeschnitten - gehörte zu den Top-99%. Zum Beispiel beim Erinnerungsvermögen. Daran erinnere ich mich. Höhö! In anderen Kategorien war es so, als hätte ich noch nie mit einer Sprache zu tun gehabt. So als wäre ich Nell, die in den Wäldern aufwuchs. Das war ein Schock.
KC: Ja. Ich habe ihr die Resultate präsentiert, und sie hat einfach nichts gecheckt.
AS: Aber wie gesagt: Wir waren betrunken!

Wie arbeitet ihr zusammen?
Beide: Es ist grossartig.
KC: Wir drinken Smoothies, gehen spazieren, ...
AS: ... essen Scones. Wir sind dann schon sehr girlie und komplett "ab der Welt". Wir hängen im Pijama und schauen "Die Muppets" - wie gestern. Es darf mittlerweile auch mal Scotch zum Trinken sein. Es ist ein bisschen wie eine egoistische Ehe, wo man nur mit einer Person zusammen ist, die über dasselbe lacht und das gleiche gut findet.

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Hattest du beim Casting zu "Trainwreck" auch etwas zu sagen, Amy?
AS: Ich schrieb LeBron James ins Drehbuch. Er ist der einzige Basketball-Spieler, den ich kenne. Ich wollte auch Tilda Swinton im Film. Die Leute haben aber vor allem deshalb zugesagt, weil Judd Apatow involviert war. Tilda war für mich eigentlich unerreichbar. Ich beschrieb ihre Figur im Drehbuch als "Tilda Swinton bei der Gepäckausgabe am Flughafen". Judd wollte dann einfach mal checken, ob sie zur Verfügung stünde. Ich hab nicht wirklich daran geglaubt. Aber es kam dann doch so, wie es kam.

Wie war's, als du Bill Hader zum ersten Mal getroffen hast?
AS: Ich hab mit vielen Dudes gecastet, aber bei ihm hat es sofort Klick gemacht. Wir konnten lachen zusammen. Judd sagte, er könne gut verstehen, wie wir uns gegenseitig die Herzen brechen.

Wer ist die lustigste Person, die du kennst?
AS: Dave Attell, er spielt in Trainwreck den Penner vor meiner Wohnung.

Woher kommt deine Motivation zur Komödiantin?
AS: Ich mag Spass und ich geniesse das Leben. Ich habe viele Freunde. Ich bin kein melancholisch-trauriger Clown.
KC: Sie hat mich schon immer zum Lachen gebracht. So ist sie einfach.

Hattest Du jemals Bedenken, was Deine Eltern über Deine Auftritte sagen würden?
AS: Wir beide haben ganz andere Eltern als du. Die waren immer voll stolz. Es gab nicht einen Moment, wo sie meine Stand-up-Auftritte nicht unterstützt hätten.

© Universal Pictures Switzerland

Du wagst in "Inside Amy Schumer" oft noch ein bisschen mehr als in Trainwreck. Hast Du Dir Grenzen gesetzt des grösseren Publikums wegen?
AS: Nicht bewusst. Ich wollte einfach meine Geschichte erzählen und hielt nie etwas zurück, dass der Geschichte half, aber vielleicht zu gewagt gewesen wäre.

Ist Filme drehen schwerer als Fernsehen zu machen?
AS: Nein. Wir hatten mehr Zeit, mehr Budget...
KC: Wir hatten sogar einen Wohnwagen.

Hattest du während deiner Karriere immer schon Hollywood im Blickwinkel?
AS: Nein. Das war nie mein Traum. Ist es auch heute noch nicht. Ich möchte nicht in Hollywood leben. In L.A. wollen viele beim Stand-up entdeckt werden. Da sitzen bei jeder Show die Agenten und Schlipsträger im Publikum. In New York gibt es diese Filmindustrie nicht. Man kann da keinen zur Show locken, damit das zu irgendwas führt. Ich liebte Stand-up einfach und wollte es selber machen. Ich dachte zuerst nicht einmal, dass ich davon leben könnte, bis es dann schlussendlich genug Geld generierte. Judd Apatow hat mich ermutigt, ein Drehbuch zu schreiben. Hätte er gesagt, das wird nix, hätte ich wieder aufgehört.

Könntest du auch das Material anderer Leute verfilmen?
KS Wir haben gerade für Paul Feig (Regisseur von Spy Anm. d. Red.) ein Drehbuch erweitert. Ich mach auch "other people's shit".

Würdest du auch Regie führen?
AS: Ja. Ich habe schon bei Sketches in meiner Show Regie geführt. Aber ich würde es ungern tun, wenn ich selber vor der Kamera stünde.

Muss man Leute zum Lachen bringen, damit sie über gewissen Dinge nachdenken?
AS: Niemand möchte belehrt werden. Einen Witz zu erzählen ist manchmal effektiver. Politiker sind Politiker. Komikern glaubt man vielleicht eher, dass sie keine Lügner sind. Jemand verglich meine Show einmal mit einer Mutter, die ihren Kindern geraffelte Rüebli in den Brownie-Teig mischt. Die Analogie gefällt mir. Ich nehme gerne Stellung, aber ich bringe die Leute auch gerne zum Lachen.

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