"Jurassic World": Das Interview mit Regisseur Colin Trevorrow

Morgen kommt "Jurassic World" endlich in die Kinos! Die Dino-Fortsetzung ist heiss erwartet, die Kritiken noch unter Verschluss. Zur Einstimmung deshalb ein Interview mit Regisseur Colin Trevorrow.

Der Regisseur Colin Trevorrow muss sich gerade wie in einem Traum fühlen. Steven Spielberg entschied sich bei Jurassic World für ihn, weil er Fan sein und Regie in einer Person vereint. Das Ende seines kleinen und einzigen (!) Indie-Films Safety Not Guaranteed, habe ihn für die Blockbuster-Kategorie prädestiniert, meint Spielberg. OutNow.CH traf den bescheiden gebliebenen Amerikaner in Berlin zum Interview.

OutNow.CH: Wann genau bist du bei Jurassic World eingestiegen?
Colin Tervorrow: Man hat schon zwölf Jahre über das Projekt gesprochen, und es gab immer wieder Drehbücher, bis man bei der Idee war, die Steven Spielberg schlussendlich verfolgt hat: die des voll funktionstüchtigen und eröffneten Parks. Produzent Frank Marshall hat mich dazugebeten, und meine erste Reaktion war Angst. Angst, dass ich einfach einen Fanfilm machen würde, weil ich das Original so sehr liebe. Doch es gab neben dem Park auch weitere Themen, die mich interessierten: der Raptoren-Trainer, die AG, welche einen neuen Dino kreiert und der Überbau der Geschichte mit Exzess, Gier, unsere bemerkenswerte Eigenschaft, dieselben Fehler immer wieder zu machen und die Frage, wie wir mit der Tierwelt umspringen. So konnte es ein figurenbasierter Film werden, der aufregend und furchterregend sein würde.

Wie fühlt man sich, wenn einem Spielberg über die Schultern schaut?
Das hat sich zum Glück nicht so abgespielt. Er war sehr involviert und hilfsbereit während der Drehbuchphase. Als das Skript aber grünes Licht bekam, zog er sich zurück. Er drehte seinen Film Bridge of Spies und hat nur sporadisch Anregungen gegeben. Er zeigte den Respekt eines Berufskollegen.

Gab es Angstschweiss nach dem ersten Screening mit ihm?
Alle denken, ich sei eine sehr verunsicherte Person. [Er lacht.] Aber Spielberg liebte den Film. Am besten gefiel mir, dass er sagte, er habe den Film nach einer gewissen Zeit nicht mehr als Produzent geschaut, sondern einfach ein Movie genossen. Er hat sich vom Zauber, den wir mit dem Film erreichen wollten, also auch in den Bann ziehen lassen.

Du hast dich schon vor Guardians of the Galaxy für Chris Pratt entschieden? Was überzeugte dich von ihm?
Er ist eine Identifikationsfigur. Er hat etwas Entwaffnendes. Man möchte ihn als Freund haben. Das passiert nicht nur, wenn man ihn persönlich trifft, sondern auch auf der Leinwand. Wenn man schon länger ein Filmstar ist, kann diese Wärme abhanden kommen.

© Universal Pictures Switzerland

Bryce Howard wirkt hingegen unterkühlt.
Zumindest am Anfang. Aber das war bewusst so. Ich mag Figuren, die man zu Beginn nicht mag, bis man sich in sie verliebt, weil sie so werden, wie man sie gerne haben möchte. Das habe ich auch so in meinem ersten Film Safety Not Guaranteed so gehandhabt, oder mit dem älteren Teenager in Jurassic World, der ja auch eine Entwicklung durchmacht.

Einen weiteren Jurassic-Park-Film von dir wird es nicht geben?
Ja. Aber nicht weil ich es nicht möchte, sondern weil ich denke, dass diese Filme nur sehr schwer wiederholbar sind. Im Grunde geht's immer um dasselbe: Menschen, die auf Dinosaurier treffen und versuchen, nicht gefressen zu werden. Um das zu variieren, braucht es neue Kräfte, die ihre Jurassic-Park-Geschichte zu erzählen haben. Zweitens habe ich dieses Grossprojekt wie ein Geschenk verstanden. Zwischen meinem Erstlingswerk und Jurassic World hätten bis zu fünf weitere, andere Filme gepasst. Und ich spüre den Drang, diese noch zu drehen. Da wird es gute und schlechtere geben, aber ich möchte als Filmemacher zeigen, dass ich diesen Riesenschritt verdient habe. Es fühlt sich an, als wäre ich zwanzig Jahre in meine eigenen Zukunft gereist, um Jurassic World machen zu dürfen.

Jurassic World fühlt sich mit seinem internationalen Cast und dem gut besuchten Vergnügungspark sehr global an.
Das war mir wichtig. Ich lebte in unterschiedlichen Teilen der Welt. Meine Frau ist Französin, und meine Kinder wurden in Frankreich geboren. Ich sehe die USA deshalb aus beiden Perspektiven. Der Jurassic Park gehört der ganzen Welt, nicht den USA. Es ist ein globale Marke. Der Vergnügungspark ist auch nicht in Amerika, sondern in Costa Rica. In der realen Welt wäre das eine globale Feriendestination und würde Gäste und Angestellte aus aller Welt anziehen. Deshalb haben wir auch für kleinre Rollen international gecastet, und auch im Sounddesign hört man die Ankündigunen im Park auch mal auf Chinesisch oder Deutsch.

Der Avengers-Regisseur Joss Whedon hat sich via Twitter über die sexistische Darstellung à la Siebzigerjahre im Film mokiert, nachdem er einen kleinen Ausschnitt sah. (Tweet mittlerweile gelöscht. Anm. d. Red.) Wie hat sich das angefühlt?
Ich hoffe, ihm gefällt der Film. Ich hoffe, der fertige Film wandelt sich von der Tonalität, die Joss zu erkennen glaubte, in eine andere Richtung. Wenn man nur sieht, was das Marketing entschied zu zeigen - ohne den richtigen Kontext - fühlte sich das vielleicht wirklich wie Sexismus an - ich würde sogar sagen aus den Dreissigern und nicht den Siebzigern.

© Universal Pictures Switzerland

Man denkt bei den Szenen mit dem Hai, der vor Publikum verspeist wird, auch ans alte Rom und die Faszination an der Gewalt im Circus Maximus.
Ja. Es besteht Bedarf nach Gemetzel. Das haben auch unsere Focus Groups gezeigt. Ein nicht zu unterschätzender Teil des Publikums will sehen, wie Leute gefressen werden. Die sind enttäuscht, wenn man das nicht bietet. Das macht wohl auch den Erfolg der Filmreihe aus.

Jeff Goldblum taucht nur noch als Bild auf in Jurassic World. Wäre ein Rückkehr früherer Charaktere zu viel des Guten gewesen?
Ich wollte nicht, dass es unglaubwürdig wirkt. Musste der Typ wirklich genau an diesem Tag den Park besuchen? Irgendwann wird's albern. Mein Film sollte aber so neu wie möglich erscheinen. Aber natürlich gehören alle Charaktere aus den anderen Film zum Kanon, und vielleicht werden sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder auftauchen.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
Teilen
Auf Facebook teilen  Auf Twitter teilen 
Datum
Quelle
OutNow.CH
Themen