"Spy": Das Interview mit Melissa McCarthy

Charmant, bodenständig und oscarnominiert für "Bridesmaids": Nicht erst seit "Spy" hat sich Melissa McCarthy zum Kassenmagneten entwickelt. OutNow.CH traf die Komikerin zum Interview in Berlin.

Seit Bridesmaids, bei dem sie zum erstem Mal mit Spy-Regisseur Paul Feig zusammengearbeitet hat, zählt Melissa McCarthy zum Box Office Gold. So nennt Hollywood seine Mimen, die an der Kasse regelmässig für Kohle sorgen. Dabei wollte McCarthy ursprünglich mal Damenschneiderin werden. Mit zwanzig zog sie nach New York und wurde bald von einer Freundin zum Stand-up-Comedy-Abend geschleppt. Da wurde sie vom Virus gepackt. Neun lange Jahre hatte sie drei Jobs und ein oder zwei Theater-Engagements.

Gerade zwei Wochen vor ihrem dreissigsten Geburtstag, als sie schon mit dem Gedanken spielte, vielleicht doch Produzentin zu werden, bekam sie die Rolle der Sookie in Gilmore Girls. Beim Interview gestand sie, dass sie erst als diese Serie im Fernsehen lief, nicht mehr gesagt habe, sie versuche Schauspielerin zu werden, sondern sie sei Schauspielerin. Heute produziert sie zusammen mit ihrem Mann auch Filme (Tammy) und arbeitet nach The Heat nun bereits zum dritten Mal mit Paul Feig zusammen.

Ist die Rolle als weiblicher James Bond ein Traum, der für dich wahr wurde?
Ja, ich liebe das Agenten-Genre und mir war sehr nach all der Action.

Wie war's?
Schmerzhaft. Ich hatte blaue Flecken an Stellen, die ich gar nicht kannte. Trotzdem machte es Spass. Ohne Schweiss, kein Preis!

Wie viele Stunts hast du selber gemacht?
Mindestens alle, die mir erlaubt wurden. Und das funktionierte auch für die Figur. Obwohl Susan Cooper ausgebildet wurde, war sie schon lange nicht mehr im Einsatz. Deshalb musste es nicht perfekt sein. Das kam mir zugute.

Jason Statham gab dir keine Tipps?
Nein, er hätte mir sicher fünfzig geben können, aber er unterstützte mich nur verbal. Er ist sehr schnell und präzis, und es ist ein grosser Spass, solch einem Profi ganz nah zu sein.

Wie funktioniert Susan Cooper?
Sie ist als Figur sehr nahbar. Jeder hat sich schon mal unterschätzt gefühlt. Sie ist ein Charakter mit toller Ausbildung und Hirn, der aber das Selbstbewusstsein fehlt. Was ihr das Umfeld einflüstert, wird zu ihrer Identität. Inmitten dieses spassigen Action-Spionagefilms kann man sie auch dabei beobachten, wie sich selber zu definieren beginnt.

Seit Bridesmaids bist du so etwas wie eine Geheimwaffe?
Bridesmaids hat Türen für mich geöffnet. Ich spiele nun Rollen, die ich nicht für möglich hielt. Und ich kann kontrollieren, was ich spiele. Das ist so etwas wie der heilige Gral für Schauspieler. Jeder braucht einen Job, aber ich kann nun mitreden und sagen, wie ich die Figur porträtieren möchte.

Warum funktionierte Bridesmaids?
Es war ein wirklich witziger Film. Auch auf dem Set, bei den ernsteren Szenen, wenn sich Kristen Wiig und Maya Rudolph am Tisch über eigentlich nichts unterhalten. Da dachte ich mir, man sehe nie zwei Frauen Nonsense reden. Die wollen sonst immer perfekt und charmant sein. Alles soll makellos sein - und dann auch noch interessant? Das geht nicht! Bridesmaids erlaubte Frauen, zu sein, wie sie sind. Man erkannte sich wieder. In perfekt dargestellte Frauen kann ich mich nicht hineinversetzen.

Sind der Regisseur Paul Feig und Du ein Dreamteam?
Wir sehen die Welt ähnlich und wir fordern uns gegenseitig heraus bei der Rollengestaltung. Wenn wir bei Fragen wie "Ist Susan wirklich so?" "Würde sie sowas tun?" nicht beide überzeugt sind, suchen wir nach einer besseren Lösung. Es gibt keine Ego-Kämpfe.

Wie arbeitet ihr zusammen?
Paul unterstützt Improvisation. Er sagt immer: "Probiere es aus!" Und wenn's dann mal eine Zeile gibt, die schrecklich ist, bringt uns das noch mehr zum Lachen. Es gibt keinen Druck, perfekt zu sein. Wenn man mich ausprobieren lässt, wird auch meine Performance optimiert. Es ist eine wirklich gute Atmosphäre, wenn man machen gelassen wird.

Ändert sich Hollywood wirklich für Frauen?
Es ändert sich langsam. Am Ende des Tages geht es um die Kohle. Und die hat Bridesmaids geliefert. Ich sehe immer noch Filme, wo es schon anstrengend ist, den Frauenrollen zuzusehen. Es wird nicht alles auf zauberhafteweise sofort optimiert. Ich hoffe einfach, dass die Leute mehr Abwechslung wollen.

Hast du dich während deiner Schauspiel-Karriere auch mal unterschätzt gefüllt?
Des Öfteren. Ich bekam einmal das Feedback, ich sei kein richtiger Nachbar - ich könne das nicht spielen. Dabei bin ich doch sogar im richtigen Leben eine Nachbarin. Das ist immer ein bisschen crazy. Die Leute platzieren gerne in Schubladen.

Wie reagiert man da?
Bei dieser Nachbar-Sache liess ich die Casting-Verantwortlichen die Einschätzung wiederholen und fragte, warum sie nicht einfach ehrlich sind und sagen, ich habe schlecht gespielt.

In St. Vincent hast du dann ja eine Nachbarin gespielt.
Ja. Wenn ich noch wüsste, wer das war, könnte ich ihnen nun eine DVD schicken und sagen. Schaut her, da bin ich - als Nachbarin!

Wie nah wird Ghostbusters am Originalfilm sein?
Es wird ein Reboot. Das Original wird so verehrt, dass man die Finger davon lassen sollte. Es wurde in den Achtzigern gedreht. Man kann heute Filme nicht mehr so machen. Paul wird es etwas gruseliger machen, aber es wird kein Remake.

Bist du ein Fan von Ghost Busters?
Ja. Ich habe ihn soeben meinen Töchtern gezeigt, fünf und acht Jahre alt. Sie wollten wissen, ob ich einen Geist spiele, oder das grüne Schleim-Ding. Ich erklärte Ihnen, dass ich eine Geisterjägerin sein werde. Das fanden sie dann weniger spannend.

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