"Spy": Das Interview mit Regisseur Paul Feig

Endlich wieder eine lustige Geheimagenten-Parodie. In "Spy" geht "Susan Cooper Undercover". Ein turbulenter Europa-Trip zum Ablachen mit Wuchtbrumme Melissa McCarthy. Hinter der Kamera: Paul Feig.

Nicht mal die dämlich-deutschen Verleihtitel wie "Brautalarm" oder "Taffe Mädels" können seinen Komödien was anhaben. Paul Feig ist als Regisseur seit Bridesmaids ein Garant für gute Witze. Durch die Neunziger tingelte er noch als Darsteller vor der Kamera (u.a. Sabrina - The Teenage Witch), bis er mit Freaks and Geeks 1999 eine zwar kurzlebige, aber umso kultischer verehrte TV-Serie schrieb, produzierte und drehte. Mit Melissa McCarthy hat der Mann, der immer Anzug trägt, sein Muse gefunden und bringt nun mit Spy bereits den dritten Film mit ihr ins Kino. Mit Ghostbusters folgt schon bald der nächste. Natürlich hat OutNow.CH in Berlin auch mit ihm über den Geisterjäger-Reboot gesprochen.

Woher kam die Idee zu Spy?
Ich liebe das Genre der Bond- und Bourne-Filme. Aber einen Comedy-Regisseur lässt man normalerweise nicht an Agentenfilme ran. Deshalb schrieb ich meine eigene Story für die lustigen Frauen, die ich kenne. Eine Idee, die am Anfang nur mich belustigte, aber nun anscheinend doch Anklang fand.

Von Freaks and Geeks bis Susan Cooper in Spy sind die von dir erschaffenen Figuren oft Aussenseiter.
Ich habe mich oft als Aussenseiter gefühlt. Die meisten fühlen wohl so. Das sind Geschichten, die ich erstens erzählen kann und zweitens die Leute gerne hören. Wenn ich ein Drehbuch bekomme über einen Top-Anwalt, der sich als Master of the Universe fühlt, kann ich mich gar nicht in dessen Kopf hineinversetzen. Sowas interessiert mich auch nicht wirklich. Ich habe die Underdogs lieber, deren Geschichte sonst nicht unbedingt erzählt werden.

Wie passt Melissa McCarthy in diese Geschichten? Was verbindet euch?
Wir haben denselben Humor! Wir beide möchten, dass die Figuren dreidimensional und weder die Charaktere noch der Humor dümmlich sind. Melissa ist die Allerweltsfrau, die man automatisch anfeuert. Sie ist nicht bedrohlich. Sie könnte deine Freundin, Mutter oder Tante sein. Diese Qualität ist selten!

Wie kriegt man die Balance zwischen Realität und Parodie hin?
Bei der Parodie steht wenig auf dem Spiel. Man sieht zwar eine Menge Gags, aber man sitzt nicht bibbernd auf dem Stuhlrand. Ich denke jedoch, dass man mehr lacht, wenn man auch um eine Figur bangt. Ich wollte Action, aber nicht um des Chaos Willens, sondern mit Witz. Zudem sollten die Witze nicht einfach dumm sein. Wir wollten zum Beispiel Susan auf dem Motorroller umkippen lassen, haben uns dann aber gefragt, warum sie überhaupt auf den Roller steigt, wenn sie sowas nicht fahren kann. Dann erinnerten wir uns an die überdachten C1-Modelle, die es in den USA nicht gibt. Damit macht der Gag wiederum Sinn.

Wärst du bereit für ein Sequel zu Spy?
Normalerweise gehe ich Fortsetzungen aus dem Weg, aber ich würde diese Geschichte gerne weitererzählen. Ich liebe die Figuren und die Situation, in der sich Susan am Ende des Film befindet. Sie nochmals mit Rick Ford (alias Jason Statham) zu sehen, wäre grossartig. Ich wüsste sogar schon eine Handlung für Teil 2.

War es schwierig, das Hollywood-System von Bridesmaids zu überzeugen?
Judd Apatov hat mit Kristen Wiig gearbeitet und liess sie ein Drehbuch schreiben. Judds Engagement öffnete Türen, Kristen war im Fernsehen populär, und der Film war mit 32 Millionen Dollar für Hollywood-Verhältnisse nicht allzu teuer. So ging man das Risiko ein. Gleichzeitig wurde aber allen Frauen, die ich kenne, gesagt, dass man mit ihren Projekten zuerst warten wolle, wie sich Bridesmaids entwickle. Das implizierte, dass im Falle eines Flops keine Filme mit Frauen in der Hauptrolle gemacht werden würden. Ehrlicherweise muss man also sagen, dass der Umschwung mit dem finanziellen Erfolg von Bridesmaids kam. So funktioniert das Business halt.

Keine Angst, dass du zum Frauenversteher-Regisseur wirst?
Nein, ich hatte immer schon viele Freundinnen, die lustig waren. Ich mag Screwball-Komödien - wenn Rosalind Russell oder Katharine Hepburn mit Cary Grant interagieren. Schaue ich mir heute Filme an, sind die Männer lustig und die Frauen oft nur die gemeine Freundin. Das finde ich nicht fair. Als ich aber meine Sachen pitchte, hiess es oft, Frauen können nicht die Hauptrolle spielen. Ich hab das dann geglaubt, schliesslich waren sie Manager im Showbiz. Aber irgendwann stellte ich diese Haltung in Frage. Männlicher Humor besteht oft aus Beschimpfungen und sexuellen Anspielungen. Ich finde das nicht ganz so lustig wie witzige Frauen, obwohl die natürlich auch derb daherreden können. Es gibt schon so viele Männerhumor-Regisseure, dass ich lieber den lustigen Frauen Arbeit verschaffe.

Schon nervös wegen des Ghostbusters Reboots?
Ja. Zum ersten Mal übernehme ich eine Geschichte von jemandem anderen. Ich bin aber auch enthusiastisch. Ich habe hart für das Cast gearbeitet. Wir haben ein gutes Drehbuch, dem wir nun noch den Feinschliff verpassen.

Ist die Idee, alles mit Frauen zum machen, auch inspiriert vom Erfolg von Bridesmaids?
Sony und Ivan Reitman haben mich während der Produktion von Spy mehrmals kontaktiert mit einem Sequel-Drehbuch. Ich habe das mehrfach abgelehnt. Harold Ramis ist gestorben. Bill Murray hat sich verweigert. Aber Amy Pascal, damals noch Sony-Chefin, blieb hartnäckig. Da begann ich zu überlegen, wie ich das angehen könnte. Schliesslich ist es ja doch eine grossartige Franchise. Wenn ich es mit ausschliesslich Frauen rebooten würde, dann wüsste ich, wie's geht. Die Idee fand Unterstützung, obwohl niemand an sowas gedacht hatte. Es wurde als sehr originell empfunden, dabei lag es für mich auf der Hand.

Sind Frauen in Hollywood heute lustiger?
Jeder, der lustig ist, ist sehr lustig. Aber Frauen sind vielleicht deshalb richtig lustig, weil sie lange nicht wirklich lustig sein durften. Amy Schumer, Tina Fey, Amy Poehler, Kristen Wiig - sie alle sind irsinnig witzig. Es ist eine aufregende Zeit, und ich möchte am liebsten, dass sie alle viel Arbeit kriegen.

Machen sich Frauen lieber zum Affen?
Eitelkeit ist der Komödie Tod. Und die Frauen, mit denen ich gerne zusammenarbeite, sind nicht eitel. Sie haben Spass daran, wie sie sind, oder mit dem, was von Ihnen erwartet wird. Es ist auch ein Spiel mit Vorurteilen.

Das Remake von Intouchables hast du vor ein paar Jahren nicht weiterverfolgt mit der Begründung, es hätte keinen Sinn, einen perfekten Film nochmals zu machen. Ghost Busters finden aber auch nicht wenige perfekt.
Intouchables ist eine sehr spezifische Geschichte, die man auf eine Weise erzählen kann. Ghostbusters ist hingegen eine Idee, die man unterschiedlich weiterspinnen kann. Scherzkekse, die das Übersinnliche bekämpfen: Damit lässt sich viel machen - auch wenn das Original einen Nimbus trägt. Deshalb drehe ich auch einen Reboot und lasse das Original ruhen.

Gibt's Cameos?
Wir werden sehen, wer sich bereit erklärt. Wir haben Spass daran, das Original zu reminiszieren. Wir werden nicht so tun, als gäbe es das Original nicht.

Melissa McCarthy und Bill Murray haben in St. Vincent gut harmoniert. Wird sie in Ghostbusters seine Tochter spielen?
Jetzt mal halblang. Dieser Film existiert doch noch gar nicht. Alles wird versucht, um etwas aus mir rauszukitzeln. Nice try!

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