"Pitch Perfect 2": Das Interview mit Elizabeth Banks

Eine der lustigsten Frauen Hollywoods übernimmt auch hinter der Kamera immer mehr Verantwortung. Das Sing-Sequel "Pitch Perfect 2" ist das Regie-Debüt von Elizabeth Banks und ein garantierter Erfolg.

© Universal Pictures

Ob die Effie aus The Hunger Games, als Laura Bush bei Oliver Stone oder neben Seth Rogen in Zack and Miri make a Porno: Elizabeth Banks weiss in den unterschiedlichsten Rollen zu überzeugen. Mittlerweile agiert sie auch Produzentin - zusammen mit ihrem Ehemann - und führt bei Pitch Perfect 2 zum ersten Mal Regie. OutNow.CH traf die gut aufgelegte Blondine in Berlin.

OutNow.CH: Welche Reaktion erwartest du als Regisseurin?
Elizabeth Banks: Der Film ist noch nicht veröffentlicht! Ich bin immer noch ein Geheimnis. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich unterbeschäftigt war im Business. Ich als Person habe mehr zu bieten. Das motivierte bei der Entscheidung, Regie zu führen. Ich arbeite gerne und ich erzähle gerne Geschichten.

Wie wählst du Projekte aus?
Die Geschichte! Ist das etwas, das ich sehen möchte? Für wen mache ich diesen Film? Ich habe gerade eine feine Geschichte gelesen, aber weiss nicht, ob ich Zeit finde, sie zu erzählen. Das spielt auch eine Rolle. Man kann zeitlich nicht alles machen.

Warum Pitch Perfect 2 als erstes Regieprojekt?
Ich habe nur Komödien ins Auge gefasst. Alle meine Kurz- und Werbefilme waren komödiantisch. Ich war sehr involviert beim ersten Teil und ich mag die Geschichte dieser Frauen. Es ist ein Geschenk, mit so einer begabten Drehbuchautorin zu arbeiten. Und ich konnte den Film mit wunderbaren Darstellerinnen bestücken. Alles sollte abgefahrener werden, als man es für einen Sing-Mädchen-Film erwartet.

© Universal Pictures Switzerland

Gab es andere College-Filme als Vorbild?
Nicht wirklich. Ich habe meine Erfahrungen als Studentin einfliessen lassen: Kurz vor dem Abschluss. Der Übergang ins richtige Leben. Eine Zeit der Reflexion und der Freude, aber auch von innerer Unruhe. Das Thema des Film ist "Erwachsen werden".

Wie agierst du als Regisseurin?
Ich wollte Raum und Zeit für Spielfreude lassen. Ich selber liebe das als Schauspielerin. Vor langer Zeit war ich mal auf einem Filmset mit Tony Goldwin. Zu Besuch war die Produzentin. Sie hatte wenig Filmerfahrung und war im Wesentlichen eine Geldgeberin. Sie hat sich echauffiert, weil wir zwischen den Takes herumgeblödelt haben. Goldwin hat zurückgeschnauzt, dies sei der Teil des Prozesses. So mache man einen Film. Das ist mir geblieben. Ich bin am Set sehr Zen - auch wenn Dinge erreicht werden müssen. Ich möchte, dass meine Darsteller Spass haben.

Wie findest Du so den richtigen Rhythmus und den Ton für den Film?
Die Altersfreigabe hilft. Ich konnte den Film nicht R-rated werden lassen. Ansonsten haben wir einfach das gemacht, was uns zum Lachen bringt. John und Gail [die Kommentatoren innerhalb der Story Anm. d. Red] bilden den Rahmen und sind gleichzeitig die verrücktesten Figuren. Daneben gibt es bodenständigere Typen wie Anna Kendrick und Hailee Steinfeld, zu denen man sich als normaler Mensch hingezogen fühlt. Aber es gibt immer diese Suspense, dass es urplötzlich krass werden könnte. Z.B. der Anfang des Films. Kay Cannon [die Autorin Anm. d. Red.] hat das mit dem Riss in der Hose vorgeschlagen, und mir war klar, dass wir dann auch frontal drauf gehen müssen. Nackte Hintern hat man schon genug gesehen. Das wäre nicht mehr überraschend!

Verändert die Regie-Arbeit deine Sicht auf die Schauspielkunst?
Ich bin seither schon wieder vor der Kamera gestanden. Als Actrice möchte man einen klaren Anführer haben. Und ich versuche auch, zu verstehen zu geben, warum etwas genau so gemacht wird. Pitch Perfect 2 repräsentiert meine Persönlichkeit. Wer mich kennt und getroffen hat, merkt schnell: Dieser Film ist wie ich. Wenn ich aber mit anderen Regisseuren arbeite, arbeite ich für sie. Ich gebe mich ihrer Vision hin und frage nicht den Kamermann nach den Lichtverhältnissen.

Hat sich die Rolle der Frauen in Hollywood in den letzten Jahren verändert?
Es ändert sich sehr langsam. Wie bei einem Gletscher. Ich habe mich verändert, und ich habe einiges gelernt. Als junge Frau habe ich blauäugig allen geglaubt, dass ich alles erreichen kann. Heute weiss ich, man KANN alles erreichen, aber man(n) lässt einen nicht immer.

Sind deshalb die Komödien mit Frauen auf dem Vormarsch?
Ich bin mit Lucille Ball und Carol Burnett aufgewachsen. In den Neunzigern liebte ich Meg Ryan und Julia Roberts. Das sind jetzt keine Schenkelklopferinnen, aber sie machten auch schon Komödien. Heute lässt man Frauen real und nicht bloss romantisch auftreten. Natürlich sieht man selten acht Frauen auf einem Filmplakat - wie bei "Pitch Perfect" - aber es gab lustige Frauen vor uns, und es wird sie nach uns geben. Ich sträube mich, von einem Trend zu sprechen. Frauen übernehmen einfach mehr Kontrolle. Amy Schumer, Tina Fey und Lena Dunham schreiben ihre eigenen Drehbücher.

© Universal Pictures Switzerland

Kann Hailee Steinfeld sich bei diesen Kommödiantinnen einreihen?
Alle Mädchen im Film sind auf ihre Art lustig. Hailee wollte wie Rebel sein. Da musste ich ihr sagen, dass sie eben nicht so ist. Das funktioniert nur bei Rebel. Anna Kendrick ist lakonisch. Brittany Snow ist albern und optimistisch. Hailee ist extrem charmant, wie das glamouröse Movie-Stars halt sind. Sie ist die Süsse, und das sollte sie weiterverfolgen. Aber das kann sich ändern. Ich war mit 17 auch süsser als heute. Hailee ist eine richtige leading lady.

Ghostbusters 3 oder Spy wären vor fünf Jahren aber noch nicht möglich gewesen.
Bridesmaids hat den Weg bereitet - auch für "Pitch Perfect". Bereits The 40-Year-Old Virgin hat das Komödienfach verändert. Judd Apatow war der erste Regisseur, der es verstand, Improvisationen zu filmen. Davor wagte sowas nur Christopher Guest. Judd hingegen sagte: "Lass uns einfach richtig lustige Leute, richtig grosse Movies machen!". "Spassig" definiert auf Grund einer erschaffenen Figur. Ich habe das meiste bei Judd Apatow gestohlen im Bezug auf die Regie bei "Pitch Perfect 2".

Hast du als Schauspielerin eine Traumrolle?
Ich spiele nicht einfach eine Gattin oder eine Freundin. Ich möchte etwas zu sagen haben. Das ist mein Hauptgrund, warum ich das mache - neben der Freude, die Leute zum Lachen zu bringen. Aber eine konkreten Plan habe ich nicht. Wenn man Pläne macht, lacht Gott.

"Pitch Perfect 3": Gibt's schon Ideen?
Es ist nicht so, dass wir noch nicht darüber gesprochen hätten, aber wir sind ja nicht mal sicher, ob wir ein gutes Sequel gemacht haben. Zuerst müssen wir erreichen, dass die Zuschauer den Filmfiguren erneut wohlgesinnt sind. Ich möchte, dass das Publikum uns hilft, herauszufinden, was sie nochmals sehen möchten.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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