Enttäuschende Quoten für die Oscar-Show 2015

Laut Nielson Media hatte die von Neill Patrick Harris moderierte Show die schlechtesten Quoten seit sechs Jahren. Auch auf den Sozialen Medien lief es weniger rosig. Wir sagen euch warum.

Die Zuschauer fliegen davon: Bild aus dem Oscargewinner "Birdman"

"Nur" 36.6 Millionen US-Zuschauer schalteten am Sonntagabend ABC ein, um die Verleihung der Goldmännchen live mitzuerleben. So tief waren die Zahlen seit 2009 nicht mehr, wo 36.3 Millionen Zuschauer miterlebten, wie Slumdog Millionaire acht Oscars abräumte.

Doch nicht nur viele TV-Bildschirme blieben aus, sondern auch auf den Smartphones wurde weniger getippt. Wurden 2014 noch 11.2 Millionen Tweets abgesetzt, waren es dieses Jahr nur noch 5.9 Millionen. 2014 hatte jedoch auch das Selfie von Moderatorin Ellen DeGeneres, welches auf Twitter einschlug wie eine Bombe. Doch warum der Rückgang bei den Quoten?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen sorgte die Tatsache, dass nur weisse Schauspieler und keine Afroamerikaner nominiert waren, für grossen Ärger im Vorfeld. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die nominierten Filme einfach von zu wenig Zuschauern gesehen wurden. Mal abgesehen von American Sniper kam keiner der anderen Filme über 100 Millionen Dollar am US-Box-Office hinaus. Hinter dem Film von Clint Eastwood landete The Imitation Game mit 83.9 Millionen auf dem zweiten Platz. Was bringt es, eine Show zu sehen, bei der man für keinen der Nominierten die Daumen drücken kann? Im letzten Jahr hatten mit Gravity, American Hustle, The Wolf of Wall Street und Captain Phillips gleich vier Filme die 100-Millionen-Dollar-Grenze geknackt.

Die Nominierten 2015 und ihre US-Einspielergebnisse

American Sniper 320'009'625 $
The Imitation Game 83'883'539 $
The Grand Budapest Hotel 59'100'318 $
Selma 49'550'204 $
Birdman 37'780'892 $
The Theory of Everything 34'132'997 $
Boyhood 25'295'600 $
Whiplash 11'330'000 $

Auch die Nichtnominierung eines Blockbusters hatte sicherlich ihren Anteil an den tiefen Quoten. Publikumslieblinge wie Guardians of the Galaxy, The Lego Movie und Interstellar hatten nur Chancen auf "kleinere Preise". Thriller-Hit Gone Girl verbuchte zwar eine Nomination für Hauptdarstellerin Rosamund Pike, doch diesen Award hatte Julianne Moore schon auf sicher.

Die Academy bewegt sich damit immer weiter von der Masse weg. Dass ein Film von der Grösse eines Titanic in den nächsten paar Jahren ausgezeichnet wird, scheint unwahrscheinlich. Auch Comicverfilmungen werden es weiter sehr schwer haben. Es ist schon richtig, dass die Academy die besten Filme auszeichnen will. Aber dann sollten die Mitglieder doch auch wieder einmal den Horizont etwas öffnen und nicht einfach "Independent = Oscar" denken. Und wenn sie das doch tun, dann sollen sie sich bitte nicht über die tiefen Quoten beschweren.

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Kommentare Total: 2

VesperLynd89

Ich fand, dass Neil Patrick Harris einen guten Job gemacht hat, zwar nicht so gut wie Ellen, aber immerhin. Allerdings scheint an der "Filme wurden von zu wenig Zuschauern gesehen"-Theorie tatsächlich etwas dran zu sein. Ich habe SELMA im Rahmen der Berlinale gesehen und kann wirklich nicht nachvollziehen, warum man diesen tollen Film so konsequent ignoriert hat. Davon abgesehen gibt es weniger Regisseurinnen als Regisseure. Ich will jetzt hier keine Quoten-Debatte anfangen, aber DuVernay hätte eine Nominierung verdient gehabt. Ich hoffe, dass die Academy langsam mal aufwacht. Viele Probleme sind doch hausgemacht (nur alte weisse Männer in den Jurys, auf Perfektion getrimmtes Event...).

Ich habe zwei Tage vor den Oscar schon eine Streitschrift zur Show auf meinem kleinen Blog veröffentlicht (https://filmkompass.wordpress.com/2015/02/20/warum-die-oscars-mehr-pep… ) - geholfen hat's leider nicht.

brandon03

Wenn die Academy nur erfolgreiche Blockbusterfilme nominieren würde, hätten wir heute nur Superheldenfilme und 0815 Actionfilme in den Kategorien. Dann wäre es noch viel mehr eine billige Mainstream/Kommerzveranstaltung. Das kann's auch nicht sein.

Richtige Filmkunst muss geschätzt und gefördert werden. Egal wie viele Zuschauer die Werke gesehen haben oder nicht!

Für mich sind die sinkenden Quoten ein Anzeichen fehlender Diversität und zunehmender Anspruchslosigkeit des Kinopublikums. Zudem war die diesjährige Veranstaltung mit Neil Patrick Harris eher fad....gähn.

Dass so ein wichtiger Film wie "Selma" nur für zwei Oscars nominiert war, ist ein Schlag ins Gesicht für alle Afroamerikaner.

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