Goldener Bär für Jafar Panahis "Taxi" bei der 65. Berlinale

Die Jury der 65. Berlinale mit dem Vorsitzenden Darren Aronovsky übergab "Taxi" von Jafar Panahi den Goldenen Bären und setzt damit auch politische Zeichen. Panahi hat immer noch Berufsverbot im Iran.

Nach der Rose gab's auch noch einen Bären.

Tränen bei der Verleihung des Goldenen Bären. Die Nichte des iranischen Dissidenten Jafar Panahi wurde von ihren Gefühlen überwältigt, als sie bei der Abschlussveranstaltung der 65. Berlinale den Hauptpreis in Empfang nehmen durfte. Der Onkel von Hanna Saeidi steht immer noch unter Hausarrest und konnte nicht aus Teheran anreisen. Umso abenteuerlicher, wie der Gewinnerfilm Taxi heimlich gedreht und nach Berlin geschmuggelt wurde. Der Preis für den kurzweiligen und wichtigen Film ist natürlich auch als politisches Zeichen zu verstehen. Die Berlinale hat eine enge Beziehung zu Panahi. Man erinnere sich nur an den leeren Stuhl auf der Bühne, als er 2011 Teil der Jury war und damals schon das Land nicht verlassen durfte.

Keine Überraschung bei den Darstellerpreisen: Das von Charlotte Rampling und Tom Courtenay verkörperte Renterpaar, das nach 45 Years seine Ehe in Frage stellen muss, war von den Kritikern hochgelobt. Dass mit El Bóton de Nacár ein Dokumentarfilm den Bär für das Beste Drehbuch gewann, mag vielleicht für den einen oder anderen etwas verblüffen. Ja, auch diese Art von Filmen haben ein Skript. Mit dem indigenen Vulkan-Film Ixcanul wurde guatemaltekisches Kino mit dem Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet. Ein Spielfilm, "der neue Perspektiven eröffnet", was wenig verwundert, schliesslich war Guatemala bei der 65. Berlinale zum ersten Mal im Wettbewerb vertreten. Der grosse Preise der Jury ging an das chilenische Kammerspiel El Club.

Nachdem sich am Vorabend der Preisverleihung ein breites Favoritenfeld abgezeichnet hatte, kam die Jury um Regisseur Darren Aronofsky nicht darum herum, ein paar Silberne Bären gleich ex-aequo an mehrere Filmemacher zu verleihen. Sowohl beim deutschen Beitrag Victoria wie auch beim russischen Film Under Electric Clouds ist die Kameraarbeit vordergründig in Erscheinung getreten und deshalb folgerichtig mit einem Silbernen Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung geehrt worden. Zwei Silberne Bären für die beste Regie gingen nach Rumänien beziehungsweise Polen. Sowohl Malgorzata Szumowska als auch Radu Jude sind um die vierzig und haben mit ihren Filmen Body und Aferim einen schon länger laufenden Filmoutput weitergeführt, der bereits im Festival-Zirkus Anklang fand.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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