Das OutNow.CH-Bestatter-Recap: "Der Fremde im Sarg"

Langsam neigt sich die dritte Staffel dem grossen Finale entgegen. In der heutigen Folge muss Mike Müller als Luc Conrad ganz schön untendurch. OutNow.CH war wieder dabei.

Was hat er nur ausgefressen? © SRF/Sava Hlavacek

WARNUNG: DIESER TEXT ENTHÄLT SPOILER!

Nach der enttäuschenden letzten Folge war es - so viel sei vorweggenommen - heute wieder spannender am Tatort Aarau. Das beginnt schon beim Intro, in dem ein Sarg gleich zwei Leichen ausspuckt. Neben der regulären Leiche findet sich da diejenige des Kantonsarchäologen Hunziker, die hier offensichtlich auf elegante Weise entsorgt hätte werden sollen. Und da Originalsarg und -leiche aus der guten Küche des Bestatters Luc Conrad stammen, gerät dieser bald selbst in Verdacht, etwas mit der mysteriösen Geschichte zu tun zu haben.

Und es ist ja auch nicht so, dass Mike Müller alias Luc Conrad diesen Verdacht entkräften würde. Im Gegenteil, er duckst herum und verhält sich verdächtig, so dass selbst beim Zuschauer zwischendurch Zweifel an seiner Integrität aufkommen. Als er schliesslich von Bösewicht Lauener mit kompromittierenden Agenda-Einträgen weiter belastet wird, zieht sich die Schlinge langsam zu. Wobei ich mich ja schon frage, inwiefern ein elektronischer Agenda-Eintrag als Beweis tauglich ist - als ob man diesen nicht im Nachhinein eintragen könnte. Und vergessen wir nicht, der Typ, der ihn belastet, ist derjenige, von dem alle wissen, dass er ein ganz übler Schurke ist.

Wie auch immer, auf jeden Fall entgeht Luc Conrad - gewarnt von Dörig - nur knapp seiner Verhaftung und ist fortan "on the run". Währenddessen scheinen irgendwie alle langsam den Verstand zu verlieren: Semmelweiss, der nun plötzlich felsenfest davon überzeugt ist, dass Conrad an allem schuld ist, genauso wie Carlos Leal alias Pedro Lambert, dessen Mutation vom sexy Schlitzohr-Polizisten zum gebrochenen Mann weitergeht. Seine Gebrochenheit wirkt sich offenbar auch auf sein Deutsch aus, was sich auch in seiner Unkenntnis des Wortes "Eichhörnchen" äussert. Okay, zugegeben, ich weiss auch nicht, was "Eichhörnchen" auf Französisch heisst. Gehört wohl nicht gerade zum Basic-Wortschatz. Aber mir haben die Drehbuchautoren zuvor auch nicht ein perfektes Polizisten-Deutsch mit charmantem Welsch-Accent in den Mund gelegt.

Doch stopp - jetzt bin ich definitiv auf Nitpicking-Niveau abgesunken. Denn ich muss zugeben: Diese Folge hat mich im Gegensatz zur letzten doch schon recht gepackt. Trotz der sehr klischeehaften und dämlich gespielten Stalker-Sekretärin. Noch so eine Durchgeknallte! Verlieren denn hier alle den Verstand? Aber dennoch: Spannend war's allemal. Der Mordfall dieser Folge verschmilzt mit der Rahmenhandlung, denn die Familie des ermordeten Archäologen ist vor einem Jahr in Kenia ums Leben gekommen, wo Schurke Lauener eine Klinik betreibt (ist Kenia dermassen klein, dass dies schon als Beweis reicht? Aber egal). Die Leichen sind jedenfalls diejenigen, die kürzlich im Leichenhaus auf mysteriöse Art verschwunden sind. Und bestattet wurden sie damals von... jawohl, richtig geraten.

Da ist die Kacke also am Dampfen für den armen Bestatter. Das freut seinen Konkurrenten Merlinger. Dieser wird von einem bekannten Gesicht verkörpert: Max Rüdlinger, einem der verlässlichsten Nebendarsteller des Schweizer Kinos, bekannt beispielsweise aus Achtung, fertig, Charlie, Mein Name ist Eugen oder Breakout. Und Rüdlinger sorgt mit seinem linkischen Auftritt denn auch für ein wenig Schmunzeln in der ansonsten recht düsteren Folge. Für weitere Schmunzelszenen ist Conrads Zauberlehrling Fabio besorgt, beispielsweise als er im Leichenwagen plötzlich einen Synthesizer auspackt oder als er von seinem Chef im Bürostuhl in der Wohnung herumgefahren und in einen Sarg geschubst wird. Das ist dann reiner Slapstick. Doch es trägt seinen Teil zu einer insgesamt ausgewogenen und gelungenen Episode bei.

Fazit

Folge fünf ist die bislang spannendste dieser dritten Staffel. Der Mordfall ist noch nicht aufgelöst, und ein Schatten des Verdachts legt sich über Luc Conrad. Eine würdige Einstimmung auf das Staffelfinale in einer Woche!

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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