Das OutNow.CH-Bestatter-Recap: "Der erste Stein"

Nach dem Altersheim und dem Model-Contest ist nun ein Kloster Schauplatz des neuesten Verbrechens. Der Bestatter hat alle Hände voll zu tun - und OutNow.CH hat wieder mitgeschaut.

Voll stoned. © SRF/Sava Hlavacek

WARNUNG: DIESER TEXT ENTHÄLT SPOILER!

Wir erinnern uns: Folge 3 hat mit einem Cliffhanger aufgehört: Der von Lauener angeheuerte Killer hat hinter Semmelweiss' Tür gelauert, während dieser in seine Wohnung trat. Damit geht's im Vorspann auch gleich weiter. Stella Duchamps, die ja - wie wir wissen - eine Doppelagentin ist, vereitelt dessen Vorhaben. Nach einem Schusswechsel ergibt sich folgendes Resultat: Duchamps tot. Killer tot. Semmelweiss verletzt. Aber lebendig. Und nun umso grimmiger und umso erpichter darauf, die Wahrheit herauszufinden.

Schade ist es natürlich um Frau Duchamps alias Claudia Gallo, die wir ja erst in der letzten Folge richtig vorgestellt haben. Traurig ist nicht nur der Zuschauer, sondern auch ihr Lover und Chef Pedro Lambert alias Carlos Leal. Nachdem er zuvor immer den coolen Hund gegeben hat, wird er jetzt plötzlich zum gebrochenen Mann, der seinen Kummer im Alkohol ertränkt und bittere Rache schwört. Die Macher sind sich dabei auch nicht zu schade, eine superkitschige Zeitlupen-Szene ("Noooooooooo...!!!") einzusetzen. Hui, das waren nun aber ganz schön viele abgestandene Filmklischees, die da in kurzer Zeit abgespult wurden!

Aber hey, Herr Lambert, mal ehrlich, was war das denn auch für ein depperter Plan? Mal vorausgesetzt, alles wäre reibungslos abgelaufen, wie hätte die Operation ablaufen sollen? Killer verhaften? Und diesen nachher foltern, damit er gegen seinen Auftraggeber aussagt? Und für ein solch seltsames Vorhaben setzt Mr. Bundeskriminalpolizist seine unerfahrene Freundin (die er offenbar ja heftig geliebt hat) als Köder ein? Selbst schuld, Herr Leal, kann man da nur sagen.

Einen Emotionsausbruch hat in dieser Folge übrigens nicht nur Carlos Leal, sondern auch Mike Müller alias Luc Conrad. Der sonst so behäbige Bestatter explodiert förmlich und toibelet herum, wobei man sich während dieser Szene ein wenig an einige Parodien aus "Giacobbo/Müller" erinnert fühlt - der Fluch des Komödianten. Auf jeden Fall stösst Luc Conrad in dieser Folge an seine Kapazitätsgrenzen, als ein mysteriöser Autounfall beim Kloster Josefstein gleich vier Tote fordert. Die Fahrerin wurde von einem Stein getroffen - wiedermal deutet alles auf einen Mord hin.

Geworfen hat den Stein, wie man am Ende der Folge erfährt, der eifersüchtige Ehemann der Fahrerin, der die weisen Worte seines Beichtpaters - wer ohne Sünde sei, werfe den ersten Stein - ein wenig allzu wörtlich genommen hat. Bis die Auflösung kommt, müssen wir uns allerdings noch durch einige ziemlich dröge Kloster-Szenen mit mässigen Schauspielern durchkämpfen und den an einer kognitiven Störung leidenden Sohn des Opfers dabei begleiten, wie er seine Trauer verarbeitet. Unterlegt ist das Ganze passend zum Ambiente mit sakralen Gesängen. Diese verstärken die durch die zähe Handlung entstandene Schläfrigkeit umso mehr. Was für ein Unterschied zur Miss-Glitzerwelt der letzten Folge!

Was gab's sonst Nennenswertes in dieser Folge? Fabio ("das Kloster ist irgendwie mega") wird zum Kirchenmusiker und ist offensichtlich noch Jungfrau, was er sich allerdings schämt zuzugeben. Zudem erfährt man mehr über Anna Marias dunkle Familiengeschichte: Sie ist das Produkt einer Vergewaltigung und hat verständlicherweise bis heute mit diesem Umstand zu kämpfen. Dies verrät sie Luc Conrad im Vertrauen mit der Begründung, dass sie jetzt, wo sie kein Paar mehr seien, ja miteinander reden können. Wenigstens diese Aussage brachte mich dann doch ein wenig zum Schmunzeln. Es war leider das einzige Mal.

Fazit

Ein klarer Fall von Durchhänger! Leider ist Folge 4 die bisher langweiligste der dritten Staffel. Weder der Mordfall noch die Nebengeschichte sind wirklich spannend, die Charaktere sind lasch, und die Folge endet ohne jeglichen Cliffhanger. Oder war das am Ende Absicht, um die Monotonie des Klosterlebens zu illustrieren? In diesem Fall müsste man sagen: Ziel erreicht.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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