"Foxcatcher": Das Interview mit Channing Tatum

Frauenschwarm Channing Tatum hat die Komödien und die Actionfilme mal zur Seite geschoben und ein ernstes Drama gedreht. Wir sprachen mit ihm am Cannes-Filmfestival über seine Erlebnisse.

© Ascot Elite Entertainment Group

In Foxcatcher spielt Channing Tatum den Ringer Mark Schultz, welcher für die Olympischen Spiele 1988 beim Milliardär John du Pont trainiert. In dem beklemmenden Film von Regisseur Bennett Miller überzeugt der Schauspieler mal nicht nur mit seinen Muckis, sondern auch mit einer ganz feinen schauspielerischen Performance, die ihm, im Gegensatz zu seinen Schauspielerkollegen Steve Carell und Mark Ruffalo, keine Oscarnomination einbrachte.

Noch ganz ohne Oscarfrust sprachen wir mit Tatum im Mai 2014 am Cannes-Filmfestival anlässlich der Weltpremiere von Foxcatcher.

Wie hast du dich in die Rolle des Mark Schultz hineinversetzt?
Mark Ruffalo hat mir hierzu den besten Rat gegeben: Ich solle den Gang von Schultz genauestens studieren. Sein Gang wirkt sehr ablehnend. Dieser Mann will keine Freunde haben. Leute sollen Angst von ihm haben, was ihm beim Wrestling psychologisch von Nutzen war. Ich glaube aber, dass er innerlich nicht verletzt werden will und deswegen die Leute auf Distanz hält. Wie eine Art Pitbull. Was er jeweils nach Niederlagen getan hat, war, sich selber schlimmste Schmerzen zuzufügen - diese Schmerzen wollte er danach nie mehr haben, was ihn beim nächsten Kampf zusätzlich anspornte. Im Film darf ich deshalb mal meine Wut an einem Spiegel auslassen.

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Was glaubst du, warum er so ist?
Ich glaube, dass er allgemein eine sehr extreme Person ist, was durch das Wrestling noch verstärkt wird. Sein Bruder Dave (im Film gespielt von Mark Ruffalo, Anm. d. Redaktion) war zudem sehr hart mit ihm. Daves Frau (im Film gespielt von Sienna Miller, Anm. d. Redaktion) sagte, ihr Mann hätte beim Wrestling sicherstellen wollen, dass man nie mehr gegen ihn antreten möchte. Er würde es als Beleidigung betrachten, wenn man wieder mit ihm auf die Matte steigen würde. Ein bekannter Wrestler sagte mir mal, dass man Basketball und Baseball spielen kann, Wrestling jedoch nicht. Ich habe zehn Jahre lang Football gespielt und es war zwar auch manchmal etwas hart, aber am Ende hat es Spass gemacht. Beim Wrestling gibt es nichts Spassiges!

Dann war dieser düstere Film wohl auch kein Spass zum Drehen.
Ich war froh, als es vorbei war. Die ganze Crew war froh - sogar Regisseur Bennett Miller. Wenn du normalerweise einen Film abgedreht hast, schaust du zurück und sagst: "Wow, das hat Spass gemacht." Hier nicht. Die Personen, welche die Geschehnisse durchlebt haben, waren oft am Set. Niemand hat es da gewagt, zwischen den Takes Witze zu reissen. So blieben wir die ganze Zeit über mental in dieser deprimierenden Welt. Es tat gut, danach Jupiter Ascending und 22 Jump Street zu drehen (lacht).

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Wie hast du dich trainingsmässig vorbereitet?
Hauptsächlich mit Wrestling (lacht). Es ist ein extremer Sport mit viel Technik, eine Art gewalttätiges Schach. Ich habe in meinem Leben schon verschiedene Kampfarten ausprobiert, wie Boxen oder Jiu Jitsu, wo du durch Weglaufen vom Gegner etwas verschnaufen und deine nächste Attacke planen kannst. Dies gibt es beim Wrestling nicht. Du attackierst ständig. Nach der letzten Wrestling-Szene, die Mark Ruffalo und ich drehten, weinten wir und schworen es nie mehr zu machen.

Gab es auch Verletzungen?
Ja, alle sind verletzt. Emotional, physisch, spirituell (lacht). Nein, im Ernst. Mark Ruffalo und ich bekamen immer mehr diese Blumenkohlohren. Meine Knie werden zudem nie mehr so sein, wie sie einmal waren. Aber mehr als die üblichen Prellungen hatten die meisten Schauspieler nicht zu beklagen. Ich muss aber gestehen, dass ich bei einem Wurf einem Olympioniken, mit dem ich trainiert habe, die Hand gebrochen habe. "Gut gemacht, Chan, du hast einem Athleten die Karriere versaut!"

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Im Film kann man eine homosexuelle Spannung zwischen Mark Schultz und Jon Du Pont, Steve Carells Charakter, hineininterpretieren. Was denkst du, wie das war?
Der Gedanke, dass was zwischen den beiden war, kam mir bei Projektstart auch. Ich habe nachgefragt und nachgeforscht. Es hat natürlich mit dem Sport des Wrestlings zu tun, der für Aussenstehende schon etwas seltsam aussieht. Aber das ist ok, sogar Wrestler machen Witze darüber. Während eines Kampfes jedoch nicht. Das ist wohl das Letzte, das dir dabei in den Sinn kommt. Man versucht dann nur zu überleben. Was Du Pont und Schultz spezifisch betrifft, bin ich sicher, dass da nichts war. Du Pont war asexuell. Er war jedoch verrückt. Er hat sich zum Beispiel dabei gefilmt, wie er mit nicht vorhandenen Kreaturen sprach und mit dem Finger darauf zeigte, wo er sie sah. Das machte es für mich umso erstaunlicher, dass all die Wrestler für so lange Zeit bei ihm auf seinem Grundstück lebten.

Als nächstes spielst du Gambit, eine Figur aus dem X-Men-Universum. Freust du dich schon darauf?
Definitiv. Ich wollte die Figur schon lange mal spielen. Gambit ist mein absoluter Liebling bei den X-Men. Ich war nie ein grosser Fan von Comics. Aber was mir an Gambit gefällt, ist, dass er kein wirklicher Held ist, sondern ein Dieb, der trinkt, raucht und die Frauen liebt. Es wird also kein normaler Superheldenfilm (lacht).

Foxcatcher läuft ab dem 29. Februar 2015 in den Schweizer Kinos.

© Ascot Elite

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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