"The Imitation Game": Das Interview mit Benedict Cumberbatch

Wir hatten am Filmfestival Toronto die Gelegenheit, den Star mit der sexy Stimme zu treffen. Wir sprachen mit ihm über seine Rolle, die ihm in der Zwischenzeit eine Oscarnomination eingebracht hat.

In The Imitation Game spielt Benedict Cumberbatch wieder einmal (Sherlock lässt grüssen) einen hochintelligenten Charakter mit gewissen Mängeln im sozialen Umgang: den Mathematiker Alan Turing, dem es gelang, den Enigma-Code der Nazis zu knacken. Damit hat er einen entscheidenden Beitrag zum Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg geleistet. Turings persönliche Geschichte ist allerdings tragisch: Wegen seiner Homosexualität wurde er verfolgt und nahm sich deswegen 1954 das Leben. Erst lange nach seinem Tod wurde er für seine Verdienste offiziell geehrt.

Vergangenen Herbst durfte OutNow.CH in Toronto den britischen Schauspieler treffen. Seiner charakteristischen Bass-Stimme zu lauschen, war denn auch ein Vergnügen - da verziehen wir dem Star auch, dass er sich nach einer Viertelstunde schon wieder verabschiedete.

OutNow.CH: Hattest du von Alan Turing gehört, bevor du The Imitation Game gedreht hast?
Benedict Cumberbatch: Ja, vor einigen Jahren habe ich den TV-Film Breaking the Code gesehen, in dem Alan Turing von Derek Jacobi verkörpert wurde. Ich war dann neugierig, mehr über Turing zu erfahren. Dabei erstaunte mich, wie wenig ich zuvor über diesen Mann gewusst hatte. Klar, die Historiker kannten ihn, aber die breite Öffentlichkeit nicht. Dabei hat er Schätzungen zufolge mit seiner Arbeit ungefähr 14 Millionen Leben gerettet! Ausserdem ist er der Vater der heutigen Computertechnologie. Er ist eine sehr wichtige Person.

© Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Zum Enigma-Code gibt ja auch bereits einen Kinofilm, Enigma von Michael Apted. Kennst du ihn?
Ja, den Film kenne ich natürlich, aber ich habe ihn nicht gesehen.

Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet? Hast du Mathematik gebüffelt?
Nein, das habe ich nicht. Es gibt ja keine dokumentierten Archivaufnahmen von Alan Turing, daher musste ich mich mit den herkömmlichen Methoden begnügen, mit denen man sich auf eine Rolle vorbereitet: Biographien lesen, Aussagen von Personen studieren, die ihn kannten, und so weiter.

Und was hast du dabei für deine Rolle gebrauchen können?
Natürlich erfährt man dabei viel. Aber ich konnte nur einen kleinen Teil davon für meine Rolle übernehmen.

Zum Beispiel?
Natürlich gibt es viele Eigenheiten Turings wie beispielsweise sein Hinken, das wir in den Film eingebracht haben. Andere Eigenheiten wie beispielsweise Alan Turings Stottern konnten wir aber nur beschränkt in den Film einfliessen lassen, weil er sonst viel zu lange geworden wäre. Das war nicht einfach für mich, denn gerade Turings Stottern finde ich einen sehr wichtigen Teil, der seine Persönlichkeit ausgemacht hat: die Panik, nicht zu wissen, wie er sich ausdrücken sollte, nicht verstanden zu werden.

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Hast du spezielle Anweisungen vom Regisseur Morten Tyldum erhalten, oder war das vor allem deine persönliche Interpretation?
Wir haben vor dem Dreh viel miteinander gesprochen, so dass wir ein authentisches Bild von Turing und der damaligen Zeit hervorbringen konnten. Ich lasse seine Inputs und die der Autoren einfliessen, versuche ihr Werk auf eine Art zu "kopieren", so wie sie das beschrieben haben, und dies mit meiner eigenen Interpretation zu kombinieren. Ich verdanke Morten Tyldum viel. Und es ist ein wirklich grossartiges, intelligentes Drehbuch von Graham Moore über einen unglaublichen Menschen. Es interessiert mich natürlich, wie Moore nun sein zweites Drehbuch hinkriegt. (lacht)

Man sagt, dass du ein Perfektionist bist: dass du nie zufrieden bist und noch einen weiteren Take drehen möchtest. Stimmt das?
Ich mache meinen Job gerne. Und ich hatte viele Entscheidungen zu treffen zum Verhalten meiner Figur. Es war wie gesagt ein sehr reichhaltiges Drehbuch und Alan Turing ist ein sehr komplexer Charakter. Ich denke daher, es lag nicht unbedingt an mir oder daran, dass ich unbedingt noch besser sein wollte. Denn Perfektion kann man ja sowieso nie erreichen.

The Imitation Game läuft ab dem 22. Januar 2015 in den Schweizer Kinos.

© Ascot Elite

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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