Das OutNow.CH-Bestatter-Recap: "Schöner Schein"

Nach den rüstigen Senioren von letzter Woche darf nun die Jugend ran. Die neueste Bestatter-Folge spielt nämlich im Umfeld eines Model-Wettbewerbs. OutNow.CH hat auch heute wieder mitgeschaut.

Lächle, solange du noch kannst! © SRF/Sava Hlavacek

WARNUNG: DIESER TEXT ENTHÄLT SPOILER!

Es ist wohl nicht das wichtigste, aber doch ein aufschlussreiches Detail: In Folge 3 der dritten Bestatter-Staffel kriegen wir unter anderem ein Brust-Implantat zu sehen. Dieses rote Glibber-Ding stecken sich Frauen wirklich freiwillig in den Körper?

Aber gut. Wer schön sein will, muss leiden. Die Folge heisst ja schliesslich auch "Schöner Schein". Und da versteht es sich von selbst, dass eine solche Folge nicht ohne den Gastauftritt einer Ex-Miss-Schweiz vonstattengehen kann. So spielt Mela... äääh sorry, nein, für einmal NICHT Melanie Winiger, sondern Neo-Komikerin Stéphanie Berger eine Art Model-Coach. Leider ersäuft ihre Figur in der leicht überfrachteten Story, ist sie doch für die Handlung völlig irrelevant. Die erinnerungswürdigen Szenen muss sie ihren jungen Kolleginnen überlassen - im Guten wie im Schlechten.

Diese jungen Kolleginnen heissen im realen Leben Dagna Litzenberger und Sonja Berta. Vor allem Erstere macht trotz ihrer haarsträubenden Rolle (mehr dazu weiter unten) nicht nur optisch, sondern auch schauspielerisch einen guten Eindruck. Und wenn wir schon bei den attraktiven Frauen sind: Es gibt gute Nachrichten für all diejenigen, die darauf gebrannt haben, mehr über die geheimnisvolle Lauener-Assistentin zu erfahren: In dieser Folge steigt sie zu einer wichtigen Nebenfigur auf. Daher ist es an der Zeit, sie hier auch mal zu benamsen: Stella Duchamps heisst die Figur, Claudia Gallo die Schauspielerin.

Und sie trifft auf einen alten Bekannten: Frauenschwarm Carlos Leal kehrt zurück - und dies gleich im Adamskostüm! Zwar sieht man ihn nur schräg von hinten (sein bestes Stück wäre im Gegensatz zu Frau Gallos Brüsten dann wohl doch etwas zu viel für die SRF-Primetime gewesen), doch dürften die Herzen seiner weiblichen Fans dennoch etwas höher schlagen. Angesichts der vielen schönen jungen Frauen in dieser Folge ist das ja auch nur ausgleichende Gerechtigkeit.

Auf jeden Fall zeigt sich, dass Leal alias Pedro Lambert ein Verhältnis mit Stella Duchamps pflegt und diese offenbar als eine Art Doppelagentin eingespannt hat. Im Auftrag von Lauener muss sie einen Mord am Pathologen Semmelweiss in Auftrag geben - was wiederum ein Köder des durchtriebenen Cops Lambert ist, der noch immer Beweise gegen den Bösewicht sammelt.

Der Mordauftrag geschieht nicht mehr wie in den guten alten Zeiten via Fresszettel, sondern via iPad. Wobei man sich ja schon fragt, wie schlau dies ist angesichts möglicher Beweise. Das iPad nachher zu vertilgen wie früher den Fresszettel (ob die Fresszettel wohl deshalb so hiessen?), dürfte wohl zu beträchtlichen Verdauungsschwierigkeiten führen. Wie auch immer - der Killer ist auf Semmelweiss angesetzt, der zum Privatdetektiv mutiert ist und wie in amerikanischen Krimis die Wände seiner Wohnung mit Bildern und Schriftstücken volltapeziert hat, um alle Zusammenhänge zu erfassen. Und offensichtlich ist er auf der richtigen Spur, weshalb der Killer schon hinter seiner Wohnungstür lauert - mit diesem veritablen Cliffhanger endet dann auch die Folge.

Doch zuvor muss natürlich noch der Mordfall gelöst werden. Die Chefin der Model-Agentur ist in einem Parkhaus überfahren worden. Und zwar von einem Schönheits-Chirurgen, was man schon ziemlich früh erfährt. Warum er das getan hat, erfährt man dann erst gegen Schluss, wenn er selbst - vergiftet von seinem Nebenbuhler - auf der Bahre liegt.

Nun, wie fasst man sein Motiv am besten zusammen? Ich muss etwas ausholen. Also, die Model-Kandidatin Andrea, ihres Zeichens Ehefrau des Chirurgen, war früher mal ein Mann. Ihr Chirurg hat sie dann umoperiert, was bei der Neo-Frau zu einer Identitätskrise geführt hat. Um diese zu überwinden, hat sie sich dann für den Model-Wettbewerb angemeldet. Kommen alle noch mit? Gut. Also, der Chirurg hat dann Schiss gehabt, dass sein geniales Werk auffliegt. Wieso eigentlich? In Zeiten, in denen eine Conchita Wurst den Eurovision Song Contest gewinnt, ist das doch keine Schande mehr - im Gegenteil. Anyway: Er hat dann also die Model-Chefin umgebracht, die hinter das Geheimnis gekommen ist. Doch Andrea hält dem Druck nicht mehr stand und verrät im Finale der Folge, nachdem sie (natürlich!!) zur Siegerin des Contests gekürt worden ist, der Öffentlichkeit ihr dunkles Geheimnis.

Dies ist denn auch die Szene, bei der ich losprusten musste. Dieser Twist ist nun dermassen hanebüchen, dass man gar nicht anders kann. Möglicherweise haben die Drehbuch-Autoren hier ein wenig in Richtung Pedro Almodóvar geschielt. In dessen The skin I live in versuchte sich Antonio Banderas ebenfalls an der perfekten Geschlechtsumwandlung. Nun, es gibt sicherlich schlechtere Vorbilder als den spanischen Paradiesvogel, doch hätte man sich vielleicht nicht unbedingt an einem seiner zweifellos schwächeren Werke orientieren sollen.

Vergessen wir daher den Plot. Gehen wir eben noch kurz auf die Hauptdarsteller ein, die in dieser Folge fast ein wenig untergehen. Während sich Fabio ("Mode hat irgendwie was Transzendentales") in eine Miss-Kandidatin verguckt und selbst beinahe zum Model wird, holt ihn Luc Conrad ("Fertig mit däm Mode-Brunz") auf den Boden der Realität zurück, begleitet von völlig übertrieben und aufdringlich einsetzender Spannungsmusik. Daneben wird das Sprüchli "Hopp Schwiz Kanada, Unterhose abelah" bei einem älteren Herrn in die Tat umgesetzt, und Anna-Maria Giovanoli wird vom mysteriösen Mario aufgesucht. Ob dieser nun ihr Lover oder ihr Bruder ist, bleibt vorerst noch im Dunkeln.

Fazit

Die dritte Bestatter-Folge ist ein unterhaltsamer No-Brainer mit hanebüchenem Plot und einigen frischen jungen Gesichtern. Und die 'Moral von der Geschicht'? Da lasse ich nochmals das Bestatterduo zu Wort kommen:

Fabio: Warum ist es so schwierig, sich selber zu sein?
Luc: Wenn wir das wüssten, hätten wir Weltfrieden!

Schreibt euch das hinter die Ohren, liebe Dschihadisten, Diktatoren und Dummschwätzer: Seid einfach euch selbst, dann kommt das gut mit dem friedvollen Zusammenleben! Peace!

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. facebook
  5. Twitter
  6. Instagram
  7. Letterboxd
Teilen
Auf Facebook teilen  Auf Twitter teilen 
Datum
Quelle
OutNow.CH
Themen
Mehr
Offizielle Website
"Der Bestatter" auf OutNow.CH