Das Cannes-Tagebuch von OutNow.CH - Tag 1: Nur die Sonne war Zeuge

Die OutNow-Korrespondenten haben ihr Hauptquartier wie auch ihre Badges bezogen und wären nun eigentlich bereit für einen Filmmarathon. Doch zur Einstimmung gab's erstmal einen Kurzstreckenlauf.

Wir sind in Cannes! Abgereist bei tristem Schweizer Regenwetter, geniessen wir mittlerweile Sonne und Strand an der französischen Mittelmeerküste, während wir an unseren Cocktails nippen und der Wind uns sanft durchs Haar streift.

Ääääääh, Moment. Sonne, Strand? Sollten wir nicht im Kino sein? Nun ja. Bei der Programmgestaltung der ersten beiden Festivaltage war die Organisation sehr gnädig mit den Zuschauern: Neben dem Eröffnungsfilm Grace of Monaco (den gewisse Auserwählte bereits im Voraus gesehen haben) stand pro Tag nur gerade je ein Wettbewerbsfilm auf dem Programm. Ob's daran liegt, dass der Wettbewerb dieses Jahr mit nur 18 Filmen überschaubar ist? Offensichtlich hatte die Cannes-Organisation dieses Jahr gewisse Mühe, ihr Programm zusammenzukriegen. Dass als Abschlussfilm nicht etwa eine Weltpremiere ansteht, sondern Eine Handvoll Dollar (der dieses Jahr seinen 50. Geburtstag feiert), ist ein Indiz für diese Theorie.

Da auch in den Nebensektionen noch nichts Aufregendes ansteht, gibt's für uns statt einer Handvoll Dollar eine Handvoll Sonne - und hoffentlich eine Handvoll Ferienbräune. Das machen wir auch für all die Nicht-Filmfreaks in unserer Bekanntschaft, die uns nach der Rückkehr jeweils fragen "Und?! Wie war das Wetter?". Da ist es dann jeweils ein wenig peinlich, wenn man sagen muss: "Och, ganz gut, habe ich gehört, selbst kann's ich's leider nicht beurteilen, weil ich die ganze Zeit im Kino sass". Diese Zeilen entstehen nun also unter prekären Lichtverhältnissen und mit Sand im Getriebe, Verzeihung, in der Tastatur.

Ansonsten gibt's nicht viel Neues am ersten Festivaltag: Unsere Badges haben die gleichen Farben wie letztes Jahr (1xblau, 1xgelb), die Gesichter der Cannes-Bediensteten sind grösstenteils die gleichen, und auch der schreiende "Libération"-Verkäufer, der uns noch jedes Jahr das Anstehen akustisch versüsst hat, ist wieder vor Ort. Alles beim Alten also für die Festival-Routiniers. Ab morgen geht's dann so richtig los. Dann auch wirklich im Kino. Und zwar gleich viermal. Wir sind bereit.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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