"Searching for Sugar Man": Das Interview mit Regisseur Bendjelloul

Wir trafen den Macher des wunderbaren Dokumentarfilmes über den Musiker Rodriguez und sprachen mit ihm über Probleme eines "First timers", die Streitereien mit Clarence Avant und über Nachfolgewerke.

OutNow.CH (ON): Wie bist du auf die Story von Rodriguez gestossen?

Malik Bendjelloul (MB): Ich war in Südafrika auf der Suche nach einer spannenden Geschichte. Sie wurde mir dann vom grossen Rodriguez-Fan Sugar erzählt, der den Künstler vor ein paar Jahren selber gefunden hat und deshalb auch eine grosse Rolle im Film hat.


ON: Die Story lag also pfannenfertig parat. Gab es trotzdem ein paar Probleme bis zum fertigen Film?

MB: Ich habe vier Jahre ohne unterstützende Gelder an dem Projekt gearbeitet. Ich hab den Film sozusagen an meinem Küchentisch zusammengeschnitten. Das grösste Problem war, Geldgeber für Searching for Sugar Man zu begeistern, denn viele glaubten, dass es sich um einen Scherz handle. So eine Geschichte könne ja gar nicht wahr sein. Ich dachte, dass es die beste Story ist, die ich je gehört hatte und dass sie erzählt werden musste. Es könnte aber auch daran gelegen haben, dass es mein erster grosser Film ist. Es ist ja auch fast lächerlich, einem "First timer", der nicht viel vorzuweisen hat, einfach so Geld zu geben. (lacht)


ON: Du hattest auch ein wenig Probleme mit Motown-Mann Clarence Avant, der die Veröffentlichung des Filmes stoppen wollte.

MB: Am Anfang wollte er liebend gern das Interview machen, denn auch er ist ein grosser Fans von Rodriguez' Musik. Aufgrund der heiklen Fragen war er dann aber nicht mehr so freundlich zu mir. Ich habe aber kürzlich von ihm einen Anruf bekommen, und da war er wieder sehr nett. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich Chancen auf einen Oscar habe.


ON: Nach all den Mühen schlug dein Film ein wie eine Bombe - er holte unter anderem in Sundance zwei Preise. Wie sehr warst du überrascht ab diesem Erfolg?

MB: Sehr überrascht. Man rechnet nicht mit so was, während man an einem solchen Projekt arbeitet. Ich wusste für mich, dass es eine Wahnsinnsstory ist. Ich wäre jedoch mehr überrascht gewesen, wenn die Geschichte niemand interessiert hätte.


ON: Der Film hatte seine Premiere im Januar, und seither bist du fast das ganze Jahr um die Welt gereist. Kommt man dazu, das zu geniessen, oder ist das Stress pur?

MB: Es ist ein fast komplett anderes Leben, da du während dieser Zeit nicht arbeitest, also nicht kreativ bist. Das Gute am Arbeiten ist, dass man sich komplett darin verlieren kann. Wenn du das nicht machst, beginnst du in einem ungesunden Masse über dich selbst nachzudenken. Klar versuche ich, den Erfolg zu geniessen und in dem Moment zu leben, aber ich freue mich, wenn es vorüber ist und ich wieder an etwas arbeiten kann.


ON: So eine Geschichte zu finden, ist ein richtiger Glücksfall für einen Dokumentarfilmregisseur. Hoffst du für ein Nachfolgewerk einfach, nochmals Glück zu haben?

MB: Es wäre schön, wenn so kommen würde. Im Falle von Searching for Sugar Man bin ich ja einfach herumgereist. So hatte das Ganze etwas Abenteuerliches und nicht den Drang von "ich muss jetzt unbedingt einen Film machen". Ich bekomme momentan auch Anfragen von Hollywoodstudios für grosse Produktionen. Das ist auch sehr verlockend, aber da hat man kaum noch Kontrolle. Ich erinnere mich da an das Beispiel von Florian Henckel von Donnersmarck, der diesen wunderbaren Film Das Leben der Anderen gemacht hat und dann nach Hollywood ging und dort The Tourist drehte - und der war ja furchtbar. Ich will deshalb weiterhin die Kontrolle über meine Projekte haben, deshalb auch eher was inszenieren, das ich selber geschrieben habe.

Searching for Sugar Man läuft ab sofort in den Schweizer Kinos.

© Cineworx
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