"Savages": Das Interview mit Oliver Stone

Wir trafen den Regisseur von Filmklassikern wie "Platoon" anlässlich des Zürcher Filmfestivals und redeten mit ihm über seinen neusten Streifen, John Travolta und den momentanen Zustand der USA.

OutNow.CH: Was hat sie an Savages interessiert?

Oliver Stone: Der Krieg gegen die Drogen ist eine einzige Farce. Die USA hat hier Scheisse gebaut. Wir wollten das Problem lösen und versuchten dabei krampfhaft, der Welt unsere Werte aufzudrücken und glaubten den Leuten sagen zu müssen, wie sie ihr Leben führen sollen. Ich bin Teil dieser verrückten Generation. George Bush war mein Klassenkamerad und all diese Leute, die heute das Sagen haben, waren mit mir an einer Schule und alle diese Leute haben seit dem Vietnamkrieg fünf Kriege gestartet unter anderem den Krieg gegen den Terror und jenen gegen die Drogen. Wir leben in einer George-Orwell-Welt.


ON: Glauben Sie, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird?

OS: Nein, nicht wirklich. Ich hoffe, dass Barack Obama die Wahlen gewinnt. Er ist wirklich schlau, aber da gibt es dieses riesiges System, das schwierig zu ändern ist.


ON: Was wäre Ihre Lösung? Würde die Legalisierung von Drogen etwas bewirken?

OS: Dafür ist es zu spät. Keine Regierung der Welt würde den Kopf für sowas riskieren - dasselbe gilt für die Terrorbekämpfung. Das ist wie früher beim nuklearen Wettrüsten. Man konnte nicht weg und das einzige was einem übrig blieb, war zu hoffen, dass es vorübergeht. Ich bin kein Optimist. Aber zurück zur Frage: Savages hab ich aus dem Motiv "Fun" gemacht und weil ich das Buch toll fand.


ON: War es eine spezielle Herausforderung, diesen Film zu machen?

OS: Jeder Film ist eine Herausforderung. Doch dieser hier war nicht so eine grosse, da ich ihn nicht mit der Absicht machte, die Welt zu verändern. Ich mag bei Savages vor allem die Figuren, die nicht das sind, was sie vorgeben zu sein. Salma Hayek spielt ein rücksichtsloses Miststück und auch eine liebevolle Mutter, Benicio Del Toro ist ein Monster, das aber vor seiner Chefin zusammenzuckt und Aaron Johnson ist zu Beginn dieser Bono-Typ, der mit seinem Geld die Welt besser machen will, aber am Ende zum Monster wird (lacht).


ON: Wie war es, mit John Travolta zusammenzuarbeiten?

OS: Er war meine erste Wahl für den Part des Dennis. Travolta ist sehr charmant, aber er hat auch diese schmierigen Eidechsenaugen. Am Anfang des Filmes nimmt man die Figur als nicht sehr ernst wahr, aber wenn der Zuschauer dann erkennt, welche Rolle er genau spielt, ist er dann immer noch glaubhaft.


ON: Gab es schon früher Pläne betreffend einer Stone/Travolta-Kollaboration?

OS: Er war zwar immer schon dieser grosse Filmstar, doch bisher hat noch keine der Figuren in meinen bisherigen Film zu ihm gepasst. Savages war mein erstes Angebot an ihn.


ON: Wie war es, mit den jungen Darstellern zu arbeiten?

OS: Aaron Johnson war wie ein kleines Hündchen. Der Junge war bei den Dreharbeiten gerade mal 22 Jahre alt. Blake Lively war 23. Ich kannte keiner dieser Menschen, bevor ich mit der Besetzung anfing. Bei den drei Veteranen (Hayek/Del Toro/Travolta) ist es einfacher, zu bekommen, was man will. Die Jungen muss man da eher mal führen.


ON: Vom wilden Look her erinnert Savages ein wenig an Natural Born Killers. War dies beabsichtigt?

OS: Für mich sind das zwei verschiedene Filme. Ich selbst unterteile Savages in drei Akte. Der erste hat diesen sonnigen, französischen Look, der Mittelteil, der in Mexiko spielt, war ähnlich, aber eindeutig düsterer und der abschliessende Teil inszenierte ich wie einen Western - eine Art Hommage an die Filme von Sergio Leone. Deshalb kann man den Film auch eher schwierig einem Genre zuweisen. Ich wusste selber nicht, was für eine Art Film ich drehe. Man erforscht dies während dem Dreh und erschafft somit etwas Neues. Aber wenn du willst, kannst du Savages einen "orange noir" nennen. (lacht)

Savages läuft ab heute in den Schweizer Kinos. Hier nochmals die Trailer in der Originalfassung und in der deutschen Version.

© Universal Pictures
© Universal Pictures

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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