Solothurn: jung, wild und sexy?

Zum 47. Mal steht ab heute im beschaulichen Solothurn während einer Woche das Schweizer Filmschaffen auf dem Programm. Erstmals steht das Festival dabei unter weiblicher Leitung.

Während an anderen Filmfestivals Glamour, Stars und Sternchen auf dem Programm stehen, konzentriert man sich an der Aare ganz auf das Schweizer Filmschaffen. Anfang Jahr nach Solothurn zu pilgern, hat sich in der Schweizer Filmszene längst zur Gewohnheit entwickelt. Dass dem Festival dabei eher ein biederes und behäbiges Image anheftet, ist man dabei gerne bereit, zu verschmerzen.

Doch nun steht den Filmtagen eine Blutauffrischung bevor: Erstmals hat nämlich eine Frau den Posten der Festivaldirektorin übernommen: die 34-jährige Seraina Rohrer tritt dieses Jahr die Nachfolge von Ivo Kummer an. Und die neue Chefin ist nicht nur jung und hübsch, sondern hat auch schon erste Akzente gesetzt: So hat sie unter anderem die neue Sektion "Fokus" ins Leben gerufen, in der Filme - auch ausländische - zu einem ganz bestimmten Themenkreis gezeigt werden. Dieses Jahr sollen unter dem Motto "Jenseits des Kinos" inhaltliche wie auch formale Grenzen gesprengt werden.

Für die Traditionalisten gibt's aber auch weiterhin die ganze Palette des zeitgenössischen helvetischen Filmschaffens zu inspizieren - seien es Filme, die im vergangenen Jahr für Furore gesorgt haben, seien es Premieren von Filmen, die das möglicherweise dieses Jahr noch tun werden. Und damit ein wenig Festivalatmosphäre aufkommt, gibt's auch dieses Jahr wieder zwei Wettbewerbe: den "Prix de Soleure", dessen Gewinner von einer Jury auserkoren wird, sowie den "Prix du Public", bei dem die Zuschauer ihr Wörtchen mitreden können.

Ob unter der neuen Festivaldirektorin die Solothurner Filmtage nun ihr Image in Richtung "jung, wild, sexy" anpassen müssen, oder ob alles in vertrautem Rahmen abläuft, wird sich weisen. Zumindest was die Organisation betrifft, scheint der Anlass jedoch noch immer nicht auf der Höhe der Zeit zu sein - wie auch der OutNow-Korrespondent mal wieder schmerzhaft hat feststellen müssen. So ist es nämlich anscheinend nicht möglich, als Akkreditierter mit einer zahlenden Begleitung eine Abendvorstellung zu besuchen und die Tickets so zu buchen, dass man nebeneinander sitzen kann. Sexy ist definitiv anders.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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