Buried: Das Interview mit Rodrigo Cortés

Wir trafen den Regisseur des Klaustrophobie-Thriller und erfuhren so allerhand.

In Buried wird Ryan Reynolds in einen Sarg gesteckt und dieser wird dann vergraben. Der Film wird nur aus der Perspektive des Opfers erzählt und sonst gibt es keine andere Schauplätze. Wir sprachen mit dem spanischen Filmemacher Rodrigo Cortés über enge Räume, stressige Dreharbeiten und über Torture Porn.

OutNow.CH (ON): Hast du Angst vor kleinen Räumen?

Rodrigo Cortés (RC): Nein, dies ist nicht der Fall. Ich war aber selbst in dem Sarg für 20 Minuten, um ihn zu testen. Es war ein tolles Erlebnis, denn es war ruhig und der Geruch des Sarges war angenehm. Der Vorteil, den ich hatte, war aber, dass ich ihn verlassen konnte, wann ich wollte. Die Situation, wie sie im Film ist, ist ja bekanntlich anders.


ON: Mal abgesehen von Ryan Reynolds sieht man keine anderen Personen im Film, sondern man hört nur ihre Stimmen. Haben diese Schauspieler ihre Arbeit von zuhause aus gemacht?

RC: Es gab eine andere Schauspielerin am Set, die alle Stimmen gemacht hat. Sie war jedoch in einem anderen Raum, damit wir sie nicht hörten. Ryan hatte dann ein kleines Gerät im Ohr, und so konnten sie miteinander sprechen. Jedoch nahmen wir nur ihn auf. Ich konnte aber beide über meine Kopfhörer hören. Erst nachträglich machten wir das ADR (Audio Dialogue Recording) mit den Darstellern, unter anderem Samantha Mathis und Stephen Tobolowsky.


ON: War Ryan Reynolds deine erste Wahl für die Hauptrolle?

RC: Es kam für mich nur er in Frage. Ich habe ihn vor ein paar Jahren in The Nines gesehen, und er hat mir dort ausserordentlich gut gefallen. Sein einzigartiges Gefühl für Timing ist etwas, was ich seit Cary Grant nicht mehr gesehen habe, und deshalb wollte ich ihn im Film haben.


ON: Warst du etwas enttäuscht, dass Buried in Amerika nur in wenigen Kinos zu sehen war?

RC: Das war ich keinesfalls. Wir verkauften den Film in 50 verschiedene Länder, und dies war mir vor allem wichtig. Ich war froh, wie sich der Film seit Sundance entwickelt hat. Der Film ist wie eine Art Schneeball, der grösser und grösser wurde und dessen Reise immer noch nicht fertig ist.


ON: Wenn du in einem Sarg wärst wie Ryan, wen würdest du zuerst anrufen?

RC: Ich würde Ryan anrufen, denn er hat schon Erfahrung darin. (lacht) Er könnte mir dann sagen, welche Sachen funktioniert haben und welche nicht. Dann würde ich nach Hause anrufen und sagen, dass ich später zum Essen komme. (lacht)


ON: Wie lange brauchtet ihr, um den ganzen Film zu drehen?

RC: Wir benötigten 17 Tage, wegen Ryans Terminplan und seiner Gesundheit. Es war ein Albtraum, so viel in solch kurzer Zeit zu drehen, und ich hoffe, ich muss so etwas nie wieder machen. Aber es hat der Stimmung des Filmes entsprochen und ihm auch geholfen.


ON: Buried ist mehr psychologischer Horror als ein Torture Porn wie Saw oder Hostel. Was hältst du von diesen Filmen?

RC: Ich mag sie nicht. Ich finde den Horror, welcher im Kopf entsteht, viel interessanter und besser. Ich bin da eher der Hitchcock-Typ.


ON: Buried ist eher ein kleiner Film. Möchtest du eines Tages einen grossen Film wie Avatar oder Inception machen?

RC: Als ich Buried drehte, hatte ich immer das Gefühl, ich inszeniere Inception. Es geht darum alles zu haben, was man braucht. Ich hatte einen Film über einen Mann im Sarg, viel braucht man dazu nicht. Es kommt immer auf die Grösse der Story an. Wenn ich aber eine grosse Story hätte, bräuchte ich auch mehr Geld.


Buried startet am Donnerstag, 4. November in vielen Schweizer Kinos.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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