Zurich Film Festival 2008: Opening Night am 25. September 2008

Das Zurich Film Festival öffnet die Kino-Türen. Glamourabend mit Schweizer TV-Promis und echten Filmstars zum Anfassen

Wenn Zürich den roten Teppich auspackt, scheint was los zu sein in der Zwinglistadt. Klar, heute hat jeder zweitklassige Klub einen roten Mini-Fussabtreter vor der Türe, damit sich die Gäste auch schön als VIP vorkommen, doch der Belag, der sich am Donnerstag beim Kino Corso vor den wichtigen Füssen ausbreitet, übertrifft das typisch schweizerisch-bescheidene doch um einige Meter. Dies ist aber auch gut so, denn schliesslich werden in ein paar Minuten wichtige Gäste zu einem noch wichtigeren Termin erwartet. Es ist der Abend der Terroristen. Die RAF fährt ein.


Dass das Zurich Film Festival (jawohl, ohne Pünktchen, im Zeitalter der Globalisierung muss auch ein noch junges Schweizer Festival auf den internationalen Markt schielen) schon in seinem vierten Durchgang zur etablierten Grösse in der Schweizer Festivallandschaft geworden ist, verdankt es vor allem dem Gründerteam um Nadine Schildknecht, Antoine Munot jr. und Karl Spörri. Diese drei haben es geschafft, grosse Namen nach Zürich zu locken und hinterlassen dabei nicht nur beim Publikum einen guten Eindruck. So wird ?der Stapi? Elmar Ledergerber noch verkünden, den Förderbeitrag für das ZFF auf einen sechsstelligen Betrag auszudehnen. Sowieso hat Ledergerber Freude, dass Zürich, ?die wichtigste und grösste Filmstadt der Schweiz?, so viel Aufmerksamkeit von der internationalen Filmbranche erhaschen kann. Was Marco Solari vom Filmfestival Locarno wohl dazu sagen wird?

Als die beiden über den roten Teppich laufen, sind die Verantwortlichen wohl aber vor allem mal froh, dass der kurze Regenguss um halb sieben nur die versammelte Fotografenschar getroffen hat und nicht noch die Frisur eines Starlets. Diese kommen erst später, als die inzwischen getrockneten Profi-Paparazzis sich schon vor der Abschränkung in Position gebracht haben, um jeden noch so unbekannten Menschen zu fotografieren. Man muss sich ja warmschiessen für das, was folgt. Während sich wohl viele Wirtschaftsführer unter den unbekannten Gästen verstecken (nein, nicht wegen der Finanzkrise ? die Banker kommen alle schön brav zu ihrem Föteli ?, sondern weil sie schlicht niemand erkennt), glühen die Kamerascheinwerfer und Blitzlichter bei Giaccobo, Schlatter und den Gebrüdern Rapold ein erstes Mal auf. Bei der kleinen Grand Dame des Schweizer Films, Stephanie Glaser, dann erst recht. Die quirlige und putzmuntere 88-jährige (!!) konstatiert super-sympathisch, sie sei doch gar nicht so wichtig, um fotografiert zu werden. Doch, ist sie.

Während sich viele schöne Begleiterinnen an die starke Schulter ihres Partners lehnen, um optimal fürs mediale Erinnerungsföteli zu posieren, kennt das der braungebrannte (na, was denn sonst) Roger Schawinski schon aus dem ff. Es folgen TV-Promis und Ex-Missen, bei denen man oft das Gefühl hat, sie seinen doch schon letztes Jahr hier gewesen. Das spielt aber keine grosse Rolle, denn die kleine Schweiz bringt halt nur eine beschränkte Anzahl Stars hervor und ein Hingucker sind Cecile Bähler, Tanja Gutmann und Jubaira Bachmann noch immer gewesen. Auch Collien Fernandes, die durch den Abend führt, ist ein begehrtes Ziel der Fotografen, doch auch bei ihr fällt auf, dass diese TV-Sternchen durch die Röhre irgendwie immer viel grösser aussehen, als sie in Wirklichkeit sind. Derweil lässt Neo-Bondbösewicht Anatole Taubman die Frauenherzen ein wenig höher schlagen.

Auch gesehen: Strelanie (Melanie Winiger und Stress), Baschi und Kathy (Wieso gibt?s bei denen noch keine Ein-Namen-Abkürzung?), Stefan Gubser, Eva Camenzind, Röbi Koller, Samir, DJ Antoine undundund. Dann kommen endlich die richtigen Stars des Abends: Die Baader-Meinhof-Komplex-Crew. Zwar ohne Meinhof-Darstellerin Martina Gedeck, aber mit der ebenfalls hinreissenden Nadja Uhl im Gepäck. Die Helfer haben alle Hände voll zu tun, Produzent Bernd Eichinger, Regisseur Uli Edel, Autor Stefan Aust und die zwei Darsteller Moritz Bleibtreu und eben Nadja Uhl von einem Fleck roten Teppich zum nächsten zu bewegen, damit auch jeder Fotograf sein persönliches Bildli hat. Moritz Bleibtreu scheints Spass zu machen. Er feixt mit den Fotografen, witzelt mit seinen Filmkumpanen und läuft mal hier, mal da zu einer TV-Kamera, um artig Fragen zu beantworten. Nur auf die von ihm gesuchten Schweizer Models wartet er vergebens. Die sind schon im Saal und warten, bis der Film endlich anfängt. Dies tut er auch, aber mit 2 Stunden Verspätung. Ob da die After-Party-Häppchen im Globus nebenan für die Wartezeit entschädigt haben?

Zuvor schlendert auch noch Easy Rider und Jury-Präsident Peter Fonda über den Teppich und sinniert, dass Peace doch eine ganz gute Sache ist. Recht hat er! Vor dem Film folgen die obligaten Reden der Veranstalter, die das Lob gleich weiter an die vielen Mitarbeiter weiterreichen. Uli Edel bestätigt, dass Bernd Eichinger ihm tatsächlich mit ?Uli, du musst diesen Film machen, das ist unsere Generation? die Regie für den Baader-Meinhof-Komplex angeboten hat und er logischerweise nicht Nein sagen konnte. Schliesslich kennen sie sich ja schon seit dem Studium in den frühen 70-ern. Dann stürmen Baader und seine Terror-Compañeros von der Roten Armee Fraktion die Leinwand, und wir Presse-Menschen müssen den Saal räumen. So bleibt das einzig rote, was wir noch zu Gesicht bekommen, der aufgerollte Teppich vor dem Kino, der schon wartet, bis er Rambo höchstpersönlich seine Ehre erweisen kann.

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OutNow.CH