The Chronicles of Narnia: Prince Caspian: Interview mit Mark Johnson

Als einer der renommiertesten Produzenten der Branche kehrt Mark Johnson nach The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch & the Wardrobe zurück in die Welt von Narnia. Der erste Teil war mit einem Einspiel von 745 Millionen Dollar zu einem weltweiten Box-Office-Hit avanciert und hatte zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Johnson kennt das Oscar®-Podium aus persönlicher Anschauung - er erhielt eine Auszeichnung für den 'Besten Film' für Barry Levinsons bewegendes Drama Rain Man. Bevor Mark Johnson seine Karriere im Filmgeschäft begann, legte er sein theaterwissenschaftliches Vordiplom an der Universität von Virginia ab und beendete sein Studium mit einem Master-Abschluss in Filmwissenschaft an der Universität von Iowa.

OutNow.CH (ON): Zum ersten Mal sehen wir zwei Italiener in den Rollen der Bösen, hatten sie bei dieser Vision von Italien an Berlusconi gedacht?

Mark Johnson (MJ): Also erstens ist mein Lieblingsfilm aller Zeiten The Conformist. Aber interessant war mit Sergio und Pierfrancesco zu reden und zu erfahren, dass sie bereits zwei drei Filme zusammen gedreht haben, wo Sergio Pierfrancesco abstechen musste, wir das aber nicht einmal wussten. Ich weiss nicht ob ihr bereits mit Andrew Adamson geredet habt, aber er wollte, dass die Telmarer mediterran aussehen. Nicht unbedingt italienisch, spanisch oder portugiesisch, aber die Idee von Piraten, oder von einem Piratenhintergrund wie er uns von C.S. Lewis gegeben wird, wollte er beibehalten. Ausserdem wollte er, dass sie sich von der britischen Besetzung unterscheiden, vielleicht weil er gelangweilt war vom bleichen, teigigen Look der Briten und er aus Neuseeland kommt wo es ähnlich ist mit der Sonne. Er liebte die Idee dieser unterschiedlichen Kulturen also schauten wir uns nach spanischen und italienischen Schauspielern um. Auch als wir nach Prinz Caspian suchten wollten wir eigentlich einen Schauspieler aus Spanien, Italien oder Mexiko bevor wir uns nach einem langen Prozess auf Ben Barnes einigten, was eher ein Zufall war. Ausserdem ist der dritte Bösewicht ein Mexikaner.

ON: Wie steht es um diesen Film, wie stellen sie sich die Vermarktung vor? Denn er ist doch eher aussergewöhnlich, manche Charaktere sind alt, manche kehren zurück, andere gibt es nicht mehr.....

© Disney Enterprises

MJ: Es ist anders. Als C.S.Lewis die Bücher schrieb waren sie alle verbunden, aber in gewissen Fällen nur sehr wage. Anders als bei Harry Potter kommen und gehen die Charaktere. Zum Beispiel die vier Pevensie-Kids. Sie sind in The Lion, the Witch & the Wardrobe und wiederum in Prinz Caspian, aber dann verschwinden die älteren beiden und die zwei jüngeren gehen im dritten Teil mit Prinz Caspian auf Reisen im Voyage of the Dawn Treader. Danach verschwinden die zwei jüngeren Kids auch und ein neuer Charakter, der sich als deren Cousin entpuppt taucht auf. Der einzige Charakter, der sich in allen sieben Büchern wiederholt ist Aslaan der Löwe. Für mich ist The Lion, the Witch & the Wardrobe ein eher lyrischer Film, Prinz Caspian ein Aktionfilm und das nächste wird eher ein Abenteuerfilm sein, der auf einem Schiff spielt. Die Kinder werden von Insel zu Insel reisen und verschiedene Abenteuer mit den hiesigen Bewohnern erleben.

ON: Wieviele weitere Filme wird es geben?

MJ: Ich würde gerne sieben sagen, aber manche Bücher sind schwerer zu verwirklichen als andere. Es hängt auch vom Erfolg ab, finanziell und rezensionstechnisch.... Ich würde gerne einen Weg finden alle zu machen, aber man wird sehen was geschieht.

ON: Aber zuerst machen sie diejenigen mit den Pevensies?

MJ: Genau, wir haben mit The Lion, the Witch & the Wardrobe angefangen, da es das bekannteste der sieben Bücher ist. Danach mussten wir mit Prinz Caspian weitermachen, da sonst Neubesetzungen nötig gewesen wären, da die Schauspieler in der Zwischenzeit zu alt gewesen wären. Mein Lieblingsbuch ist immer noch der Neffe des Zauberers, aber ich weiss nicht wann wir dazu kommen werden, es könnte das 5. Buch sein.

ON: Es ist also eine Genesis?

MJ: Ja

ON: Narnia ist nicht nur eine erfolgreiche Vermarktung, sondern auch eine Marke. Was bedeutet es für einen Produzenten wie sie, eine Marke aufzubauen?

MJ: Wisst ihr, ich habe so etwas noch nie gemacht. Ich habe Familienfilme wie My Dog Skip oder The Rookie produziert und ich mag Familienfilme. Ich mag die Herausforderung daran, denn ich denke dass ein junges Publikum kritisch ist und wir ihm nicht genug Bedeutung beimessen. Aber um ehrlich zu sein habe ich The Lion, the Witch & the Wardrobe nur gemacht, weil ich Harry Potter und Lord of the Rings gesehen habe und sehen wollte, wie man solche Sachen macht, erst einen Film, dann einen zweiten und dritten. Auch wie man die gedrehten Szenen aus Neuseeland und die Videoeffekte, die hier gemacht wurden, zusammenfügt, so dass eine Einheit entsteht. Und ich muss Andrew Adamson wirklich danken, denn ich habe mich in Narnia verliebt. Als The Lion, the Witch & the Wardrobe rauskam hiess es man würde abwarten und dann war es ein solcher Erfolg, dass die Studios plötzlich fragten, wo der zweite Teil ist, obwohl sie vorher nie etwas erwähnt hatten. Andrew rief mich dann eines Nachts an und fragte, ob ich wirklich einen weiteren Film machen wolle, denn wir waren beide erschöpft, aber trotzdem war für ihn die Idee, dass ein anderer Regie führen und seine Kinder dirigieren sollte undenkbar.
In seinem Fall muss man allerdings sagen, er hat jetzt seit 11, 12 Jahren Regie geführt und Filme geschrieben wie Shrek, Shrek 2 oder eben Narnia 1 und ich denke er wird sich eine Auszeit nehmen und vielleicht auch Erwachsenenfilme drehen. Es wäre clever von ihm einem Film wie Eternal Sunshine of the spotless mind zu drehen.
Aber für mich ist Narnia sehr wichtig, ich bin dem Film gegenüber sehr beschützerisch und es gibt Themen darin, die ich generell gesehen als sehr wichtig erachte. Es ist schwer zu sagen, ob ich alle sieben machen werde, aber momentan ist es eine Welt für die ich viel Zuneigung empfinde und es ist das Einzige, was ich mache.

ON: Würden sie weitermachen und die Pevensies beispielsweise für ein Spin-Off brauchen?

MJ: Daran habe ich nicht gedacht, aber ich denke dass es schwer sein würde aufgrund des Respekts der Zuschauer den Büchern gegenüber. Ein Film, der nicht auf Lewis Material basiert aber seine Charaktere beinhaltet würde nicht akzeptiert werden.

ON: Aber beispielsweise mit James Bond wurde dies auch getan?

© Disney Enterprises

MJ: Ja das stimmt, aber ich glaube momentan werden alle Spin-Offs Narnia Bücher sein. Wir haben mit allen Darstellern gesprochen und die Pevensies fühlen sich wirklich wie eine Familie. Sie gehen aufeinander ein. Als wir The Lion, the Witch & the Wardrobe drehten wurde Georgie sehr früh mal von einem Reporter nach ihrer Familie gefragt und sie antwortete man sei sich sehr nahe. Die Tatsache, dass ihre richtigen Brüder und Schwestern auf der anderen Seite der Welt waren, veranlasste sie dazu, zu sagen dass sie sich ihrer Filmfamilie näher fühlte als ihrer richtigen. Ihre Mutter war damals sehr aufgewühlt deswegen. Aus vielen Gründen war es Realität, andererseits wollte sie nicht, dass ihre Schwestern das lesen, aber soweit ich weiss sind sie wirklich zu einer Familie geworden.

ON: Wie gefällt ihnen diese Aussage? Waren sie stolz darauf?

MJ: Einerseits sagt man, oh das ist super für den Film, aber als Elternteil denkt man, na da bin ich mir nicht so sicher. Und es ist eine grosse Verantwortung. Man kommt nach Neuseeland was auf der anderen Seite der Welt für sie ist und klar wollen sie da sein, aber es ist ein grosser Einfluss. Ich habe letzte Nacht gerade wieder mit Georgies Mutter gesprochen und sie sagte mir, dass sich alles als positiv herausgestellt hat, weil ihre mittlere Tochter nun ein viel engeres Verhältnis zu ihrem Vater hat als vor dem Film.

ON: Aber es hat einen Einfluss auf die Familie?

MJ: Klar, und wenn man Filme über starke Familien dreht, könnte dies auch Druck auf die richtige Familie ausüben.

ON: Ist das nicht ein Grund wieso ein Film erfolgreich ist, weil das, was wir sehen Teil dessen ist, was wir nicht sehen, aber alles so super funktioniert?

MJ: Ja ich denke das ist wahr. Jemand hat mich mal gefragt, was das Härteste an meinem Beruf ist und es ist nicht das Koordinieren der Stunts oder die kleinen Details. Man muss sich um die Schauspieler kümmern und darauf achten, dass sie sich und der Story treu bleiben, denn sonst... Wisst ihr es gibt viele Fantasiefilme die toll gemacht sind, aber nicht das Herz haben um erfolgreich zu sein. Man muss wissen, dass die Charaktere miteinander auskommen.

ON: Manchmal, wenn das Marketing vorbei ist, tritt die Haltbarkeitsdauer hervor und Narnia hat wie man sieht eine lange. Es ist kein Film, der schnell wieder vergessen würde. Also wie funktioniert das mit Filmen die Herz haben und gleichzeitig Geld einbringen?

© Disney Enterprises

MJ: Alles was man machen kann ist, es so gut wie möglich zu machen und einen Film zu machen, der einem gefällt. Denn wenn man einen Film nur macht, weil man denkt, dass er Kohle scheffeln wird... Es gibt viele Filme, die ich gemacht habe und die ein kommerzieller Erfolg wurden, aus was Gründen auch immer, es ist also schwer zu erklären, aber bei The Lion, the Witch & the Wardrobe fühlte ich mich zuversichtlich, weil es für mich so stark funktioniert hat. Allerdings wusste ich nicht, dass es so ein weltweiter Erfolg sein würde.

ON: Welche Rolle werden andere Medien spielen? Computerspiele usw.?

MJ: Es ist schwer zu sagen, weil ich es nicht wirklich weiss. Als ich diesen Film produziert habe, habe ich mich lustig gemacht, dass die Produktion selbst nur ein Teil meiner Arbeit ist, der Rest besteht darin, all die Abteilungen zu koordinieren, die wegen der Vermarktung anfragen. Besonders beim ersten Film hatten wir alles Mögliche, sogar die kleinen Spielsachen in den Happy Meals waren Narnia-Figuren. Wisst ihr, das alles muss man erstmal absegnen, ich musste mir also immer wieder in Erinnerung rufen, dass ich eigentlich Filme produziere.

ON: Trägt die Tatsache, dass sie ein unabhängiger Produzent sind dazu bei, dass sie am Boden bleiben?

MJ: Ich hoffe es. Als Zuschauer mag ich die grossen, spektakulären Hollywoodfilme genauso wie die kleinen, ein wenige eigenen Independentfilme. Und ich hoffe ich bringe diese Sensibilität auch nach Narnia, so dass stets etwas Neues und Unerwartetes da ist.

ON: Der nächste Film wird unter einem neuen Regisseur gedreht. Wird dies aufregend sein und haben sie ihn sogar selbst ausgesucht?

MJ: Als Andrew sagte er würde den nächsten Teil nicht mehr drehen fragte ich logischerweise, ja wer wird es dann machen? Nun, wer sind die offensichtlichsten Leute? Ich war immer ein grosser Fan von Michael Apted, zwar habe ich nie mit ihm gearbeitet, aber ich denke er ist besonders geeignet für Voyage of the Dawn Treader, weil er so ein Schauspielerregisseur ist und dieser Film sehr auf die Performance aufbaut. Ich bin sehr begeistert von dem, was er bis jetzt gemacht hat und wie er an das Skript heran geht. Es wird etwas ganz anderes als das, was Andrew gemacht hat.

ON: Wann werden sie anfangen zu drehen und wann wird der Film in die Kinos kommen?

MJ: Wir möchten gerne Ende Jahr mit dem Dreh beginnen. Der Release ist von Disney für Mai 2010 angekündigt, wir werden sehen was passiert, denn einerseits sieht es so aus als wäre es noch eine Ewigkeit bis dahin, andererseits ist es bloss um die Ecke. Diese Filme sind schwierig und sie brauchen so lange um sie zusammenzufügen. Bei diesem hier brauchten wir fast ein Jahr für die Post-Produktion, einige Effekte wurden erst eine Woche vor dem US-Kinostart hinzugefügt.

ON: Wann haben sie denn mal frei in dieser ganzen Prozedur?

© Walt Disney Studios Motion Pictures

MJ: Nun, habe ich nicht, denn als wir Prinz Caspian beendeten, war ich bereits Dawn Treader am vorbereiten, also frage ich mich, wann die Zeit für Ferien da ist, aber irgendwie ist sie das nie.

ON: Könnten sie sich Narnia als 3D Film vorstellen?

MJ: Ich habe in letzter Zeit ein paar 3D Filme gesehen und für mich scheint es eher wie eine Spielerei, man setzt es nicht bewusst ein. Ich denke für einige der Geschichten wäre es eine gute Sache. Wir müssten irgendwie einen Weg finden es anzugehen, damit das Element in die Geschichte integriert wird. Walden Media bringt diesen Sommer einen Film namens Journey to the Center of the Earth heraus, der in 3D ist und ich bin gespannt wie er wird...

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