Tell: Interview mit Mike Müller

Mit Tell kommt nach Breakout Mike Eschmanns dritter grosser Spielfilm in die Kinos, der die Geschichte unseres Nationalhelden Tell frei interpretiert und dabei auch andere "historische" Gestalten, wie Sissi und Heidi in einer Parodie vereint. Einer der Schwerarbeiter der Schweizer Filmszene - nämlich Mike Müller - hat die Rolle des Nationalhelden Tell übernommen und gewährte OutNow.CH im Rahmen der Schweizer Premiere ein lockeres und unkompliziertes Interview.

OutNow.CH (ON): In Tell ist Wilhelm Tell ein Österreicher, ist es nicht schade, einer der wenigen Nationalhelden der Schweiz gleich so zu "Demontieren"?

Mike Müller (MM): Es ist natürlich auch dramaturgisch, dass Tell ein Österreicher ist, ich finde es persönlich ganz lustig, und wir gehen natürlich auch sehr frei mit dem Mythos um. Wir vermischen die klassische Tell-Geschichte auch mit anderen Mythen wie Heidi, Sissi und so weiter, und ich finde es eigentlich ganz richtig so. Tell ist kein satirischer und auch kein politischer Film, auch wenn uns das inzwischen untergeschoben wird. Aus meiner Sicht wäre eine satirische Tellverfilmung auch gar nicht gut - hätte ich auch gar nicht gemacht - und ich glaube, soviel Selbstironie sollte sein, dass wir über den Mythos auch frei verfügen können.

ON: Was für ein Verhältnis hast du persönlich zu Österreich?

© Studio / Produzent

CT: Ich kenne Österreich eigentlich nicht so gut. Ich kenne nur die Hauptstadt Wien wo ich auch schon gearbeitet habe und finde Wien auch eine sehr schöne Stadt. Aber das heisst anscheinend nicht viel, denn laut den anderen Österreichern ist "Wien eher speziell". Das Verhältnis zwischen Österreich und der Schweiz hat sich in den letzten fünfzehn Jahren sehr verändert. In der Schweiz will man es nicht wirklich wahrhaben, doch mit Österreich ist es enorm aufwärts gegangen ist, seit sie in der EU sind und das Land hat auch eine enorme Entwicklung durchgemacht. Ich bin persönlicher kein EU-Befürworter, aber man macht auch nicht grundlos inzwischen keine Österreicher Witze mehr wie früher.

ON: In diesem Fall existiert die Rivalität zwischen Österreich und der Schweiz nicht mehr so wie früher und wir nerven uns heute nur noch, dass ihre Ski-Fahrer immer alle Medaillen abräumen?

CT: Natürlich gibt es diese Rivalität von früher immer noch - das ist ja auch richtig - an diesen Klischees ist immer Wahres dran, nur in der Realität stimmen sie nicht ganz. Das war auch so bei den Dreharbeiten Axel [Stein, der die Rolle von Val-Tah spielt] und ich haben uns immer geneckt wegen Schweiz und Deutschland, aber das ganze geht natürlich nur, wenn man die Länder auch mag. Daher finde ich necken durchaus angebracht und auch nichts Schlimmes.

ON: In "Tell" treten viele bekannte, deutsche Gesichter auf. Wie war das Verhältnis zu diesen "Stars"?

CT: Wir waren natürlich primär einfach eine Gruppe Schauspieler. Aber Udo Kier [Gessler in Tell und auch Blade Darsteller] war natürlich ein spezieller Fall, da er einer der wenigen Deutschen ist, der auch in Hollywood dreht und auch lebt. Daher haben wir natürlich auch am Anfang etwas Angst gehabt, aber das hat sich dann als völlig unberechtigt erwiesen. Er war völlig zugänglich und wir sind zusammen zum Essen ausgegangen und auch ins Museum, es war sehr amüsant.

Im Presseheft ging Mike noch näher auf die Beziehung mit den Stars ein:
"Wir haben alle im selben Hotel gewohnt und daher auch viel Freizeit miteinander verbracht. Im Studio haben Axel Stein und ich die Garderobenordnung ständig verändert - was die Produktionsleitung zum Teil recht nervös gemacht hat, denn alle hatten Angst vor Udo Kier. Am Schluss hatte er eine Garderobe ganz allein für sich - da kam er mit seinem Namensschild ganz entsetzt zu uns herüber und sagte: ,Also Jungs, ihr könnt mich doch nicht allein lassen!? Prompt hat er sich bei Axel und mir eingenistet."


ON: Tell spielt im Jahre 1291, hast du dich speziell auf die Rolle vorbereitet, und waren die Dreharbeiten, da es ein Kostümfilm ist, härter als bei anderen Filmen? (Das Fell-Kostüm von Axel Stein wog über 30 Kilo)

© Studio / Produzent

CT: Der grosse Unterschied zu anderen Produktionen ist primär, dass Tell eine Hauptrolle ist und ich dadurch eine ganz andere Verantwortung trug. Zusätzlich dauerten die Dreharbeiten etwa zwei Monate. Da jedoch schon ein Jahr zuvor fest stand, dass ich Tell spielen werde, konnte ich mich auch gut auf die Rolle vorbereiten, Ich habe mir allerdings nicht spezifisch Tell-Filme angeschaut, sondern mich primär damit beschäftigt, was ist Held ist oder ein Antiheld ist. Das Mittelalter hat bei den Dreharbeiten gar nicht so eine grosse Rolle gespielt, da die Sprache ja modern war und nur die Kostüme mittelalterlich. Schwierig war für mich eher: Wie ist die Situation, wie kriegen wir sie hin und was bedeutet das für die Figur. Ganz einfache Fragen. Natürlich haben auch die Aussendrehs einiges erschwert, da sie unberechenbar waren und es zwischendurch auch sehr kalt war. So haben wir auch in gewissen Szenen jämmerlich gefroren, aber das habe ich in anderen Drehs auch erlebt. Aussendrehs haben immer ein gewisses Risiko. Beim Kostüm war mir vor allem die Bequemlichkeit wichtig, da ich es über 2 Monate tragen musste. Bequem war es dann auch, bis auf die Schuhe.

Aus dem Presseheft war noch zu entnehmen:
"Die schwerste Bürde, die ich zu tragen habe, ist meine Armbrust! Als ich in den Alpen auf 3000 Meter Höhe über die Felsen turnen musste - in historisch dünnwandigen Schuhen, kam ich völlig aus der Puste. Bei der dünnen Luft wurde mir regelrecht schwindlig. Die mythologische Bürde der Tell- Figur wasche ich mir dagegen unter der morgendlichen Dusche ab."


ON: Bei Tell wirken viele Schauspieler aus der Komödiensparte mit. War es daher auch ein riesen Gaudi am Set oder auch eher eine ernste Sache.

CT: Es ist natürlich immer so, wenn eine Anzahl Komiker zusammen sind, dann flirrt die Luft und man erzählt sich viel Seich. Aber das ist auch bei anderen Schauspieler so. Es gibt auch viele Wartezeiten, die man sich um die Ohren schlagen musste und daher war es recht nützlich, wenn man sich diese mit Unsinn verkürzen kann - ist sicher besser, als wenn man sich nur anödet. Auf den Film bezogen war es natürlich gut, dass wir alle das Heu auf der gleichen Bühne hatten, da wir gewisse Szenen auch proben und vorbereiten mussten. Da hilft es natürlich immer, wenn ein gutes Arbeitsklima herrscht.

ON: Konntet ihr eigene Ideen in den Film einbringen?

© Studio / Produzent

CT: Gewisse Ideen konnten wir natürlich schon einbringen, doch textmässig waren wir ans Drehbuch gebunden, da wir die Szenen asynchron gedreht haben. Da kann man sich riesige Probleme einhandeln, wenn man plötzlich das Buch ändern würde. Man wäre plötzlich an Orten, die nicht zum Material passen würden, welches wir bereits gedreht haben, also ist das Drehbuch schon recht fix. Abgesehen davon, kann man sich natürlich schon einbringen. Comedy besteht nicht nur aus Text, sondern auch aus gewissen Situationen, und da kommen wir zum Zug. Natürlich entscheidet letztendlich der Regisseur angebracht ist. Aber diese Zusammenarbeit verlief sehr gut, und neben dem guten Buch war auch für das Projekt ausschlaggebend, dass Mike Eschman Regie führte.

ON: Du stehst viel auf den Theaterbühnen. Was ist lässiger, Film oder Bühne?

CT: Ich kann es nicht wirklich sagen. Wenn ich das eine nicht hätte, würde ich es vermissen. Ich musste mich zum Glück nicht für eines der beiden entscheiden und kann so auf de Bühne stehen und auch Filme drehen. Das werde ich in Zukunft auch so machen.

ON: Gibt's eine Filmrolle, die du abgelehnt und es im Nachhinein bereut hast?

CT: (sofort) Ja

ON: Welche war das?

CT: Das sage ich nicht (lacht), Fehlentscheide gibt es immer.

ON: Was sind deine nächsten Projekte?

CT: Im Moment spiele ich ja im Casino Theater Winterthur noch bis 7. Oktober mit Viktor Giacobbo. Darauf kommt ein Kammerspielabend, den ich mit Barbara Weber geschrieben habe, aber selber nicht mitspiele. Die nächste grosse Kiste ist der Start der Latenightshow, die ich mit Viktor Giacobbo zusammen mache. Die wird Wöchentlich am Sonntagabend ausgestrahlt, und dort bin ich jetzt in der Vorbereitung.

ON: Kommen wir noch zu den PopUps. Ich gebe ein Stichwort und du sagst mir was dir gerade in den Sinn kommt.

ON: Schweizer Film

CT: Schwarze Schafe

ON: Text

CT: Text

ON: Tell

CT: Bin ich wahnsinnig gespannt, wie er im Kino ankommt. Nicht bei der Premiere, sondern beim Publikum.

ON: Mein Name ist Eugen-Fortsetzung

© Studio / Produzent

CT: Habe ich bisher noch nichts Vernommen.

ON: Viktor Giacobbo

CT: Bühne und zukünftiger Moderationspartner.

ON: Mein Lieblingsfilm

CT: (nach langem evaluieren) Fargo und Big Lebowski

ON: Fussball-Europameister 2008

CT: Schweiz

ON: Udo Kier

CT: Aussergewöhnlich lustiger, liebenswürdiger und spannender Kolleg, wo ich auch stolz drauf bin

ON: Schweiz

CT: Heimat, in die ich immer wieder gerne zurückkomme.

ON: OutNow.CH

CT: Neben cineman.ch meine zweithäufigst besuchte Filmesite (lacht)

Mike Müller machte selbst nach einem langen Interviewmarathon noch immer einen sehr entspannten Eindruck und ein sympathischer Gesprächspartner. Es hätte sicher noch viel zu Erzählen gegeben. Doch die Zeit war beschränkt und nach einem kurzen Fotoshooting war die Zeit mit ihm auch schon zu Ende. OutNow.CH wünscht ihm jedenfalls sicher viel Erfolgt bei seinen nächsten Projekten.

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