Grindhouse - Planet Terror: Interview mit Robert Rodriguez

Rose McGowan und Robert Rodriguez kamen anlässlich des ihres aktuellen Kinofilms Planet Terror an 60. Ausgabe des Filmfestivals von Locarno. Der Film stand auf dem Programm der Piazza-Grande Filme und die beiden Stars gehörten zu den bekanntesten Leuten in während des Festivals in der Schweizer Sonnenstube. OutNow.CH konnte an einem Round-Table-Interview zusammen mit zwei welschen Movie-Websites in der Fünf-Sterne-Villa-Parkanlage die beiden interviewen.

OutNow.CH (ON): Wie intensiv haben du und Quentin Tarantino zusammen an den Grindhouse-Filmen gearbeitet?

Robert Rodriguez (RR): Die Idee zu einem Double-Feature hatte ich acht Monate bevor ich die Idee zu Sin City hatte. Ich hatte das schon eine Weile in meinem Kopf, dass ich mal zwei Kurzfilme machen möchte, so 60min pro Film, alles sehr knapp schneiden und alles Unbrauchbare gleich von Beginn weg rausschneiden, so dass wirklich nur noch das Wesentliche übrig bleibt. Dazumal wollte ich aber noch bei beiden Filmen Regie führen. Doch dann hab ich erst mal Sin City gemacht. Da hatte ich drei Kurzgeschichten drin, ich dachte mir, dass ich nun dieses Ding damit bereits gemacht habe. Aber irgendwie wollte ich halt trotzdem ein Double-Feature machen. Als ich dann mal bei Quentin zuhause war, hing da bei ihm so ein Poster von einem alten Double-Feature und ich erzählte ihm von meiner Idee ein Double-Feature zu machen, aber er solle einen machen und ich den anderen. Er sagte sofort: "Wir müssen es 'Grindhouse' nennen, ich liebe Double-Features. Grindhouse wie die Kinos der 70er, mit all den zerkratzten Filmen." Das hat mich dann auch gleich in den Bann gezogen, denn ich drehe immer digital und wollte den Leuten schon immer zeigen, dass man Digitales auch scheisse aussehen lassen kann (lacht). Ich erinnerte mich daran, dass ich vor zehn Jahren mal ein Skript zu schreiben begann, Planet Terror, dass ich immer geliebt habe, aber ich hatte nur die ersten 30 Seiten davon geschrieben. Ich wusste, dass Zombie-Filme im grossen Stil wieder aufkommen würden, da wollte ich also so schnell wie möglich ein solches Skript schreiben, bevor alle anderen Zombie-Filme herauskommen. Aber ich konnte es nicht beenden. Das war im Jahre 1997. Ich fand weder einen Grund warum sie Zombies sind, noch hatte ich ein gutes Ende für den Film. Da habe ich das Projekt abgebrochen und tatsächlich kamen ein paar Jahre später die ersten Zombie-Filme gross raus. Also dachte ich mir, dass ich trotzdem mal noch mit einem Zombie-Film herauskommen kann. Also haben Quentin Tarantino und ich an dem Projekt gearbeitet und er hat mir seine Story erzählt. Ich habe ihm gesagt er solle seinen Teil Death Proof nennen, was einiges über den Film aussagen würde. Dann kam er mit der Idee der Fake-Trailer. Ich hatte da eine Geschichte, die ich 1993 einmal für Danny Trejo geschrieben hatte, genannt Machete und so sagte ich "Das ist meiner!" Dann haben wir gegenseitig unsere Skripte gelesen und dann kam er auch mal an mein Set für ein paar Aufnahmen, weil er ein paar Kameraübungen für seinen Film machen wollte. Im Gegenzug liess er mich seine letzte Szene schneiden, die er im Rodriguez-Stil gedreht hat, wo die Frauen Kurt Russell verhauen. Er hat nur ein paar Shots gedreht, ganz schnell, weil die Sonne am untergehen war. Er sagte: "Ich gebe das Rodriguez zum schneiden, denn das ist genau sein Ding." Also habe ich Death Proof für ihn fertig gemacht. Zudem habe ich noch etwas Musik für ihn gemacht. Abgesehen davon hat jeder seinen eigenen Film gemacht, damit waren wir mehr als genug beschäftigt. Eines Nachts kam Quentin an mein Set, es war so gegen 2Uhr morgens. Er wollte wissen was ich so mache. Als er sich die Schauspieler angesehen hat, fragte er mich: "Ist das Bruce Willis?" Dieser stand verkleidet da. Ich sagte: "Ja, ich hab ihn angestellt, er ist der böse Bube in meinem Film, hab ich dir das nicht gesagt?" Er meinte: "Nein, hast du nicht! Ich habe Bruce seit Pulp Fiction nicht mehr gesehen!" Dann haben die beiden fast die ganze Nacht durch geredet. Er wusste also nicht mal wer in meinem Film mitgespielt hat, denn wir haben wirklich so unabhängig voneinander gearbeitet. Obwohl wir in derselben Stadt waren, wussten wir nicht immer was der Andere tat. Irgendwann kam auch der Zeitpunkt, da wollten wir gar nicht mehr wissen was der andere tut, sondern uns vom Endprodukt überraschen lassen.

© Studio / Produzent

ON: Woher hattest du die sadistische Idee mit dem Maschinengewehr-Bein von Cherry?

RR: Das war eine der Ideen aus meinem alten Skript mit den 30 Seiten. Da war sie noch keine Tänzerin, die besseren Ideen hatte ich also erst später. Ich hatte erst nur ein Mädchen, das in einem Diner auf den Jungen trifft, er nimmt sie mit, sie haben einen Unfall und sie verliert ihr Bein. Ich wollte dass sie am Leben bleibt. Aber ich dachte: Ein schönes Mädchen mit nur einem Bein, was wird sie tun? Vielleicht könnte er ihr mit einem Stock Abhilfe schaffen, damit sie wenigstens wieder laufen kann. Die Idee mit dem Maschinengewehr kam viel später, nachdem ich Rose McGowan getroffen habe und nachdem ich mit dem Schreiben des Skripts neu angefangen habe. Hauptsächlich brauchte ich noch etwas für die Poster und die Trailer, damit diese einmalig werden würden und dem Film eine Ikone geben würden. Denn diese Filme aus den 70ern hatten immer ein starkes Bild und gute Trailer um den Film zu verkaufen. Ich war im Stau und dachte darüber nach. Ich dachte an den Trailer von Machete mit all seinen Trailermomenten. Man sieht ihn seinen Mantel öffnen und all seine Messer, die Mädchen, die Sprünge und all diese "Verkaufsmomente", in denen die Leute das Bedürfnis kriegen den Film zu sehen, aber ich wusste noch immer nicht wie mein Trailer zu Planet Terror aussehen würde. Die Leute haben schon viele Zombies und harte Kerle gesehen, das war nicht genug. Ich musste mich also auf Cherrys Bein konzentrieren und das Stück Holz, das es ersetzte zeigen, doch das löste nicht die richtigen Gefühle bei mir aus. Und dann hatte ich plötzlich das Bild von ihr vor Augen wie sie gleichzeitig mit drei Waffen schoss, zwei in ihren Händen und da hatte ich die Idee mit dem Maschinengewehr-Bein als dritte Waffe. Da dachte ich mir, das hat noch nie jemand so gesehen. Zudem sollte sie einen Grantenwerfer haben und fliegen können... all diese Ideen kamen dann sehr schnell. Dann wusste ich auch plötzlich wie ich das Skript beenden würde. Ich dachte mir es muss primär um sie gehen, dass sie sehr schwach ist und eine Tänzerin, die nicht weiss wer sie sein wird und dass sie lernen muss, dass sie die Menschheit retten wird und alle zum Erfolg leiten muss.

ON: Wie habt ihr entschieden, welcher von den beiden Filmen als erstes gezeigt wird?

RR: Wir haben eigentlich von Anfang an gedacht, dass meins zuerst gezeigt werden wird, schon aus rein alphabetischen Gründen. Die Filme sind so grundverschieden, dass es wahrscheinlich besser ist, wenn man mit etwas schnellem startet, dann ist das Publikum eher bereit noch mehr zu sehen. Also haben wir meinen Film als erstes genommen, was eigentlich von Beginn weg der Plan war. Wir haben nie gross darüber gesprochen.

ON: Es gibt grosse Diskussionen über die Trennung der beiden Filme in Europa. Was denkst du darüber?

RR: Gewisse Leute bezweifelten den Erfolg, da schon in den Staaten nicht der gewünschte Erfolg eingetreten ist. Es gibt in den Staaten soviele Filme die einfach viel zu lang sind. Ein Film dauert alleine gegen drei Stunden. Wenn dann die Leute den Trailer sehen, in welchem man hört: "Zwei volle Spielfilme." Möglicherweise dachten die dann dass das Ganze sechs Stunden dauern würde. Bevor wir die Filme gedreht haben, gingen wir zu den internationalen Vertrieben. Von denen hat kaum jemand die amerikanische Tradition der 70er, zwei Film zusammen zu zeigen, was dazumal in den Grossstädten üblich war. Sie wollten also die beiden Filme getrennt haben. Okay, wenn ihr für denselben Film zweimal bezahlen wollt, dann geht das so in Ordnung! (lacht) So wussten wir bereits im Vorhinein dass alle nicht englisch sprechenden Länder unsere Filme nicht zusammen wollen. Der Vorteil war, dass wir alles gute Zeugs behalten konnten, welches wir in den Staaten rausschneiden mussten.

ON: All die Zombie-Filme werden immer wie realistischer; es gibt ganz verschiedene Anwendungen von einem Virus, wie in deinem Film oder in 28 Days Later ... Denkst du dass diese Entwicklung offensichtlich war oder dass die heutige Zeit mehr wissenschaftliche Erklärungen bedarf?

© Studio / Produzent

RR: Ich glaube es gab da einen Film von Romero mit dem Titel The Crazies und auch noch ein paar weitere italienische Zombie-Filme, die dieses Thema behandelt haben. Ich erinnere mich an diesen italienischen Film City of the Dead der ziemlich ähnlich wie Planet Terror ist. Der Regisseur dieses Films hat immer von Infizierten gesprochen und nicht von Zombies. (lacht) Das war also schon immer ein Sub-Genre von Zombie-Filmen: Es gab also eine neue Erklärung für Zombies, es waren nicht nur tote Leute die ins Leben zurückkehren. Eigentlich sind dies gar keine Zombie-Filme mehr, aber man nennt sie halt noch so. In unseren Filmen haben wir sie "The Sickos" genannt, denn sie sind alle infiziert und an etwas erkrankt was sie aus dem Irak-Krieg zurückgebracht haben.

ON: Aus welchen Gründen verweist du immer wieder auf alte Filme?

RR: Diese Filme haben mich inspiriert als ich aufgewachsen bin und machten mich zu dem was ich heute bin. All die Filme die ich in den 70ern und frühen 80ern gesehen habe: Fantasie, Horror und Sciencefiction. Ich liebe es Fantasy-Filme zu machen. Viele Leute fragen sich, weshalb ich so komische Sachen mache: Sin City für Erwachsene und Spy Kids für Kinder. Aber es sind alles Fantasien, aus einer irrealen Welt, keiner der Filme ist ein klassisches Drama. Ich lebe in meiner eigenen Traumwelt und möchte diese den anderen Leuten zeigen. Wenn ich also auf andere Filme verweise, dann ist dies eine Hommage an all die Sachen die ich wirklich gut mochte als Kind. Ich glaube, dass es in diesen alten Filmen viele tolle Ideen gab, welche den Leuten die Möglichkeit gab, ein Film aus einem anderen Licht zu betrachten.

ON: Nun werde ich dir noch ein paar Pop-Up Fragen stellen: Ich gebe dir einen Hinweis und du gibst mir den ersten Gedanken der dir dazu einfällt.

RR: Ok.

ON: Salma Hayek

RR: Die beste mexikanische Schauspielerin aller Zeiten

ON: Machete

RR: Das ist Danny Trejo! Wenn er mich anruft sehe ich auf meinem iphone das Poster von Machete mit seinem Kopf. Dann denke ich: "Wow, Danny ruft mich an!" Danny und Machete ist ein und dasselbe. Sogar in Spy Kids ist er Machete.

© Studio / Produzent

ON: Tarantino

RR: Loyal

ON: Schweiz

RR: Ich bin das erste mal hier... bis jetzt wunderbar!

ON: Wirst du den Film auf der Piazza schauen?

RR: Ja klar, das ist der Grund dass ich hier bin. Als mir das Festival vorgestellt wurde und ich das Poster gesehen habe mit all den kleinen Köpfen drauf, dachte ich mir: "Das ist ja riesig, das muss ich sehen!" Ich bin sehr gespannt.

ON: Besten Dank für deine Zeit!

RR: Gern geschehen.

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