300: Interview mit Zack Snyder

Zack Snyder könnte eher einer der Jungs vor als hinter der Kamera sein, in den vielen TV-Spots, die er bereits gedreht hat. Er ist euphorisch. Er ist fit. Er lacht viel. Er müsste eigentlich nur noch die Cola auf Eis in seiner Hand in die Kamera strecken und fertig wäre ein Spot in der Art, wie er sie für Audi, Budweiser oder Nike gedreht hat. Auf der grossen Leinwand blitzte sein Talent zum ersten Mal auf bei Dawn of the Dead im Jahre 2004. Das clevere und rasante Remake der Klassikers von George A. Romero war einer der lukrativsten Zombie-Film aller Zeiten. In 300 zeigt Snyder nun, dass er auch die CGI im Griff hat. Sein Enthusiasmus für das Projekt ist dabei so gross, dass man den Film einfach mögen muss, auch wenn man für sich dachte, dass er zwar cool aussieht aber storytechnisch lahmt. So ging es zumindest OutNow.CH nach dem Interview in Berlin.

ON: Bist du ein Fan der Originalcomics zu 300?

ZS: Ich bin ein riesiger Frank Miller Fan seit die Einzelausgaben der Geschichte zum ersten Mal publiziert wurden. Ich kannte jedes einzelne Bild aus den Comics auswendig, als wir den Film drehten.

ON: Aber ganz so einfach war es nicht, dich Frank Miller als Regisseur vorzuschlagen.

© Studio / Produzent

ZS: Es dauerte ein bisschen. Die Produzenten versuchten, an die Rechte zukommen, und wollten den Film mit mir machen, weil ich so angefressen war vom Thema. Frank war bereit, die Rechte zu veräussern, aber er wollte mich zuerst kennenlernen. Wir trafen uns also im Four Seasons in Los Angeles. Damals hatte ich noch nicht einen Kinofilm gedreht.

ON: Das war noch vor Dawn of the Dead?

ZS: Ja, aber wir verstanden uns gut, und danach war es ok für ihn.

ON: Inwiefern half der Erfolg von Sin City bei der Entstehung dieses Films?

ZS: Sin City machte Frank Millers Ästhetik zu etwas kommerziell verwertbarem. Die meisten Entscheidungsträger verstanden vorher noch nicht ganz, was wir vorhatten und hielten uns für verrückt. In diesem Sinne war der Film hilfreich.

ON: War der Comic die einzige Vorlage auf die du visuell Bezug genommen hast?

ZS: Die Bilder orientierten sich meist an Frank Miller und wurden dann durch einige Filter verändert. Ohne jetzt allzu sehr im Produktionsjargon zu versinken, gibt es da eine ganze Menge von Leuten, die involviert sind, bis der Film auf der Leinwand ist. Bis da Menschen in Aktion zu sehen sind, dauert es sehr lange.

ON: Gewollt ist es sicher nicht, aber verstehst du, wenn gewisse Leute 300 in Verbindung mit dem Krieg im Irak setzen.

ZS: Ich verstehe das. Es ist nicht gänzlich verrückt, sonst würde ich nicht so gerne darüber sprechen. Es ist einiges spannender über Politik zu reden, als nur darüber wie fit die Schauspieler waren und wie schwierig das Bluescreen-Verfahren. Sowas geht einem schnell mal auf den Wecker. Ich bin aber ein Genrefilmer und der Film übertreibt masslos. Den Film für bare Münze zu nehmen ist ungeheuerlich.

ON: Schliesslich basiert er auf einem Comic.

© Studio / Produzent

ZS: Ja. Und wenn man sich nicht für Comics interessiert, sollte man ihn als Oper betrachten. Es ist eine Oper der Schlacht bei den Thermopylen und nicht die Version des History Channels. Auch eine Oper ist historisch gesehen immer ein bisschen bizarr. Zum Beispiel singen die Charaktere. Aber genau diese Voraussetzungen liebe ich. Ich wurde wegen der Kostüme kritisiert, weil die Perser und Spartaner sowas nicht getragen haben sollen. Das weiss ich natürlich auch, aber wenn man sich die altgriechische Ästhetik genauer anschaut, erscheint es sinnvoll, dass Frank Miller seine Helden fast nackt gezeichnet hat. Wenn dir ein Spartaner den Schlachthergang erzählt, würde er auch einen grossen Teil dazudichten. Egal wie schwer seine Rüstung wäre, er würde sagen, dass sie alle nackt auf dem Schlachtfeld hockten und fantastisch aussahen. Und Xerxes sei drei Meter gross gewesen und seine Mannen ähnelten Dämonen.

ON: Du hast Änderungen vorgenommen. Dilios ist der Erzähler und Königin Gorgo bekommt grösseren Handlungsspielraum.

ZS: Dilios ist schon im Buch der Erzähler, aber er erzählt die Geschichte des Films nicht. Ich brauchte ihn aber als Erzähler, weil ich Franks Prosa sehr mag. Anders bring ich die sonst nicht rein. Die Story rund um die Queen kam rein, weil die Leute nach zwei Schlachten vielleicht vergessen, wofür eigentlich gekämpft wird. Es wird zu schnell abstrakt. Ein zweiter Grund war, dass Xerxes als Bösewicht nicht wirklich funktioniert. Man hasst ihn nicht. Wir erschuffen deshalb einen zweiten, Theron.

ON: Wie weit bist du mit Watchmen? Auf welche Optik und Tonalität können wir uns da gefasst machen?

ZS: Tonal wird der Film mit der Vorlage übereinstimmen, wenn's nach mir geht. Ich habe dem Studio gesagt, dass der Film eher ein Dr. Strangelove wird, als The Fantastic Four. Ich hoffe mal, die haben das gecheckt. Was das Visuelle betrifft, werde ich einiges, das ich bei 300 gelernt habe, wieder verwenden, da ich auch eine "The Black Freighter"-Sequenz plane.

ON: Ist das Script fertig?

ZS: Wir arbeiten noch dran, aber es ist fast vollbracht. Es umfasst etwa 150 Seiten. Ziemlich lang also und das immer noch ohne "The Black Freighter".

ON: Wann ist Drehbeginn?

ZS: Es wird wohl Juli. Es ist ein fantastisches Projekt, eine der seltenen Gelegenheiten etwas Supercooles zu machen. Und dieser Film wird dann auch richtig subversiv sein.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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