Letters from Iwo Jima: Interview mit Ken Watanabe

An der Berlinale wurde Letters From Iwo Jima ausser Konkurrenz gezeigt. Schade, denn der Film erwies sich als einer der Besten des ganzen Festivals. Nach der Premiere konnte sich OutNow.CH mit den drei Hauptprotagonisten unterhalten. Während Ken Watanabe bereits einige Hollywood-Erfahrung mitbringt und 2004 sogar für den Oscar nominiert war, sind Tsuyoshi Ihara und Kazunari Ninomiya für die westliche Filmwelt unbeschriebene Blätter. In unserem Interview sorgte vor allem Ninomiya für das eine oder andere verdutze Gesicht.


OutNow.CH (ON): Ken, kannst du uns sagen, wie der Film in deinem Heimatland angekommen ist?

Ken Watanabe (KW): Vor diesem Film wussten nur wenige von dieser Tragödie. Unser Volk will die Vergangenheit vergessen und in die Zukunft blicken. Doch es ist auch eine Neugier da: Die Menschen wollen lernen und verstehen, was vor über 60 Jahren passiert ist.

© Studio / Produzent

ON: Wie wichtig ist der Film für dich persönlich? Du warst ja sehr berührt, als du zum ersten Mal die Insel betratest.

KW: Vor dem Dreh konnte ich die Insel nicht besuchen. Aber als der Film fast im Kasten war, fühlte ich mich genug vorbereitet, dorthin zu reisen. Als ich sie zum ersten Mal aus dem Flugzeug sah, konnte ich nicht mehr aufhören zu weinen. Auf diesem Flecken Erde ist die Zeit stehen geblieben. Es gibt immer noch unerforschte Höhlen dort. Durch den Film kann ich jetzt die Erfahrungen der Krieger besser nachvollziehen.

ON: Wann erfuhrst du von den Briefen, die auf der Insel gefunden wurden?

KW: Ich erfuhr davon, als ich für den Film mit meinen Recherchen begann.

ON: Was meinst du, wie würde ein Film über diesen Anlass aussehen, wenn er von japanischen Filmemachern gedreht worden wäre?

KW: Japanische Filmemacher würden den Film wahrscheinlich sentimentaler gestalten. Ein Freund von mir produzierte letztes Jahr den Kriegsfilm Yamato. Als er Letters From Iwo Jima gesehen hatte, meinte er: "Ich konnte nicht weinen!" Der Film war ihm einfach zu wenig aufwühlend.

ON: Wie kamst du in Kontakt mit Clint Eastwood?

KW: Ich habe vor einigen Jahren vom Projekt Flags of our fathers gehört. Ich sagte zu meinem Agenten, ich würde gerne als General oder Soldat bei "Flags" mitspielen. Das klappte dann leider nicht. Später hörte ich, dass Steven einen zweiten Film aus der Sicht der Japaner machen wollte, mit einem japanischen Regisseur. Aber nach dem Dreh von "Flags" entschied sich Clint, auch "Letters" selber zu drehen. Dann bekam ich einen Anruf von ihm.

ON: Wie gingst du bei den Recherchen über General Kuribayashi vor?

© Studio / Produzent

KW: Ich hätte am liebsten mit den Überlebenden der Schlacht geredet, um ihre Gefühle nachvollziehen zu können. Aber leider konnte ich keine finden. Darum befrage ich Leute von nahen Inseln, die diese Zeit noch mitbekommen haben. Ich las ausserdem die Original-Briefe, Bücher und Reporte des US-Militärs nach dem Krieg. Auch wenn diese natürlich eine etwas andere Sichtweise haben. Die Reporte beschrieben den General als einen sehr starken, bestimmten Mann. Dann las ich seine Biographie, und dort stand, dass er ein liebenswerter, warmherziger und anständiger Mann war. Ich machte einige Anmerkungen im Script und schickte die an Clint und Iris. Als ich mit den Recherchen anfing, fühlte ich einen starken Druck. Schliesslich handelte es sich um wichtige Geschichte, und ich musste meine Figur so akkurat wie möglich spielen. Ich habe mir gedacht: "Wenn ich das versaue, kann ich nie mehr nach Japan zurück!" (Er lacht)

ON: Unterscheidet sich Clint Eastwood von anderen Regisseuren?

KW: Jeder Regisseur hat natürlich seine eigenen Ansichten und seinen eigenen Stil. Aber Clint ist wirklich speziell. Es gab keine Proben, und als die Kamera lief, wollte er die Szene immer in einem Take im Kasten haben. Manchmal vergass ich eine Linie oder eine Bewegung, und wollte die Szene nochmals machen. Aber er meinte nur: "Nein, die Szene war gut!"

ON: Aber wie konnte das klappen? Clint spricht die Sprache ja überhaupt nicht.

KW: Während des Drehs war ich immer an seiner Seite. Ich checkte die Dialoge und übersetzte notfalls. Ich sah mir die gedrehte Szene an und meinte bei unakzeptierbaren Fehlern: "Clint, bitte dreh' die Szene doch nochmals." Nach dem Dreh war ich auch bei der Post-Produktion dabei.

ON: Als Mutprobe?

KW: Nein. Mein drei Jahre älterer Bruder hat Horrorfilme gesammelt, seit ich denken kann. Total krass! Von daher, war ich eigentlich ziemlich abgehärtet.

Teilen
Auf Facebook teilen  Auf Twitter teilen 
Datum
Autor
Quelle
OutNow.CH
Thema