Das Berlinale-Tagebuch 2007

Die täglichen Beobachtungen eines Berlin-Kenners. OutNow.CH-Delegationsmitglied uas besucht die Berlinale zum ersten Mal und erstattet Bericht vom Potsdamer Platz und Berlinale-Nebenschauplätzen.

Donnerstag, 8. Februar - Die guten Hirten

Ausgezogen, um Geschichte zu schreiben: Die OutNow.CH Crew rm, uas und ebe begeben sich in die Hauptstadt Deutschlands und in deren Unweiten der Berlinale.

Kurz vor dem Start der 57. Berlinale würde die (An-)Spannung Pulsmesser an die Leistungsgrenze bringen. Die Augen fordern endlich Cinemascope und Kamera-Ästhetik, die Finger brennen auf schnelle Verarbeitung von besseren oder schlechteren Filmen, der Bauch wartet auf zu hastig gegessene Mahlzeiten. Eines der grössten Filmfestivals Europas steht an, für uns drei Outnower, wie auch für zig weitere Journalisten sowie Tausende von Zuschauern.

Den Überblick über das Programm zu erhalten - und vor allem ihn danach auch noch zu behalten - erfordert intensive Leseschichten und ein bald schon übermenschliches Organisationstalent. Was spielt wo mit wem, und überhaupt, worum geht es denn da in solchen Filmen wie The Walker oder I'm a Cyborg, but that's ok (für uns bereits der inoffizielle Gewinner der Kategorie "bester Filmname")? 373 Filme gibt es insgesamt in 10 Tagen zu sehen, und dass in über 50 Kinos, in einer Stadt, die auch sonst für cineastische Masslosigkeit steht. Aus dieser Bandbreite an Werken pickt man nun einige heraus und hält sie in einer Agenda fest, die mit dem ersten Interviewtermin sowieso schon über den Haufen geworfen wird. Und schlussendlich wird sich auch an diesem Festival die Regel bestätigen: Je länger es läuft, umso mehr wird improvisiert.

Zehn Tage Berlinale werfen ihren Schatten voraus. Es wird stressig und gemächlich, unterhaltsam und langweilig, ernst und witzig, Tag und Nacht, Deutsch und Englisch. Intensität wird sich in alle unsere Eindrücke einnisten. Mit unserem Tagebuch lassen wir Euch daheim daran teilhaben.

Freitag, 9. Februar - Die gute Lady Chat(terlay) im farblosen Deutschland

Nach Lady Charlotte Roches Moderationswirbel war es vollbracht: Die Berlinale war eröffnet und die Kinofauteuils durften durchgesessen werden. Der erste volle Tag gehörte Steven Soderberghs The Good German, einem Film, der das schwarzweisse Kino wiederauferstehen lässt.

Berlin, Alexanderplatz: In der Nähe, sprich: Einem Appartement im 21. Stock eines Plattenbaus remasterten die Outnow-Reporter rm, uas und ebe ihre Einsatzpläne, suchten nach Ersatzdatum für das Ersatzdatum einer Filmvorführung, oder verweigerten erst ganz ihre Rezensionspflicht aufgrund dubios klingenden Pressetexte. Was aber zusammenkam war ein umfangreiches Paket viel versprechender Filme, vom Kriegsdrama Letters From Iwo Jima bis zum Kampflesbenklamauk Itty Bitty Titty Committee (welcher bereits: I'm a cyborg, but that's ok als inoffiziellen Gewinner der Kategorie "Bester Filmname" abgelöst hat).

Währenddessen, nicht weit von uns entfernt, schritten Stars und Sternchen der diesjährigen Ausgabe über den roten Teppich. Manche der 2000 geladenen Gäste wurden bei ihrem Spaziergang ins Innere des Tempels von neugierigen Fernsehleuten aufgehalten und mit richtig unbequemen Fragen wie "Ist der deutsche Film stärker geworden?" konfrontiert, was Mario Adorf augenscheinlich zum Grübeln verleitete. Als Star muss man aber auch einstecken können.

Mit an der Gala dabei waren natürlich alles native Berliner wie Soul-Sängerin Joy Denalane, Charlotte Roche und Jan Delay, wobei Jan Delay eigentlich aus der Berliner Neighbourhood namens Hamburg stammt, und überdies Jeff Goldblum grimmigst dreinschauen liess. Charlotte Roche hingegen (die bekanntlich seit ihrem Arte Rauswurf mehr Schauspielerin als VJ ist) war als Moderatorin des Abends eher Verzückung den Verwunderung. Ihr Nierengurt-Taillenleder Marke "Wolfcall - Indianershop" mochte da zwar von zweifelhaften Geschmack zeugen (diese Meinung wieder spiegelte sich jedenfalls in den Minen der geladenen, meist schwarz gekleideten Gäste), aber Roches mädchenhaftes Auftreten kompensierte alles bis in den warmen Plusbereich. Mal krabbelte sie unter den Tisch, mal brachte sie Bürgermeister Wowereit Kultur näher, immer mit dieser verschobenen Intelligenz, die sie so unverwechselbar macht. Und als sie Paul Schrader sie die Eröffnungsworte ins Ohr tuschelte, war es passiert - um unsere Herzen und um die Berlinale, die endlich anfangen konnte.

Für uns HHFFs (Hardcore-Hobby-Film-Freaks) begann die Arbeit dann so richtig am Freitagmorgen mit Zeitungslesen und Strichcode-Sudoku. Den Edith Piaf Eröffnungsfilm La vie en rose lobte man genauso wie die Person, die ihn auswählte, nämlich Festivalchef Dieter Kosslick. Das klang früher auch schon anders...aber auch die Presse verzeiht - oder ist einfach nicht nachtragend.

Nun denn, mit Filmen wie The Good German, The Last Mimzy oder dem schlüpfrigen Agentinnenmachwerk Itty Bitty Titty Committee (Nicht ohne Grund eine Nocturne-Vorstellung) wurde uns ein Vorgeschmack geboten, was sonst noch für Highlights kommen mögen. Vor allem The Good German mochte mit grossartigen Darbietungen von George Clooney und Cate Blanchett sowie seiner Reminiszenz an das Kino in schwarzweiss zu überzeugen. Aber auch die schweizerisch-französische Koproduktion Pas Douce wusste zu gefallen. So durfte man nach Mitternacht nach getaner Arbeit, müde und erfreut zur Homebase zurückkehren, dem Appartement im 21. Stock eines Plattenbaus, sprich: In der Nähe des Alexanderplatzes, Berlin. Rainer Werner Fassbinder hätte seine Freude an uns.

Samstag, 10. Februar - "Anschelin Tscholi", Falschgeld und Cyborg-Hintergespinnste

Die Berlinale ist schön, weil sie nur dann ruht, wenn man im Kinosessel sitzt. Trotzdem liessen wir den De Niro Film The Good Shepherd vorerst unbesichtigt, und schauten uns dafür ein paar kleinere Produktionen an, die vor Vielfalt Hosensäume platzen lassen würden.

Leichter Sonnenschein anstatt des Dauergastes namens Nebel liess heutige viele Festivalbesucher ungläubig die Augen blinzeln. An einen romantischen Winterspaziergang durch den Tiergarten war aber nicht zu denken: Filme konnten, mussten, wollten geschaut und fachmännisch kritisiert werden. Wo aber - das wird sich die ganze OutNow.CH-Community schon lange fragen - entstehen diese süffisanten Texte, die man so genüsslich verschlingt?

Verarbeitet wird der Stoff, aus dem die Träume sind, in den Schreibzimmern des Berlinale Palastes und dem Hotel Grand Hyatt. Während letzterer Raum wie ein Telefonumfrageinstitut anmutet, wird im Palast auch nicht gerade fürstliches für die Schreiberzunft geboten. Weisse, teils verdreckte Wände ohne jegliche Verzierung sollen wohl die Journalisten nicht bei ihrer Arbeit stören. Das ist gut so, schliesslich machen sie das gleich selber. Ein Beispiel von gestern Nachmittag: rm und uas sind daran, ihre Texte zu verfassen, während der osteuropäische Kollege verzweifelt versucht, seinem Redaktor am anderen Ende der Telefonleitung den Namen "Spielberg" durchzugeben. Immer wieder ruft er: "Spielberg, Spielberg. Spielberg!" rm und uas fragen sich, was er mit dem Spielberg am Hut hat, ist doch der am Festival überhaupt nicht vertreten. Der Kollege fängt indes an zu buchstabieren: "S - äh - P - I - E - äh - E - L...". Plötzlich Pause. Dann folgt etwas unverständliches, und danach: "Soderbergh, Soderbergh. Soderbergh!" Müssig zu sagen, dass nach dem Bemerken seines Fauxpas das Ganze gleich wieder von vorne anfing. Und als wäre das nicht schon genug gewesen, so reichte er dem Cast von "The Good German" (nur da spielen schon zu viele Stars mit) auch gleich das von The Good Shepherd nach. Wie das klang? Nur soviel: "Anschelin Tscholi. Tscholi. Tscholi!!!"

Euch scheint es nicht verborgen geblieben zu sein: Von einem Grossereignis wie der Berlinale zu berichten, braucht manchmal Nerven aus Stahl. Als Entlöhnung kann man dafür aber auch wunderbares Namedropping betreiben. Heute mit wenig Luftlinienabstand gesehen: Karl Lagerfeld, Julie Delpy und Daniel Brühl. Und vielleicht auch Paul Schrader, aber da im Programmheft ein viel älteres Porträt von ihm drin ist, sind wir uns da nicht so sicher. Interessanterweise ging Delpy nach der Pressekonferenz zu Deux Jours à Paris durch die Hintertür heraus, während Brühl locker flockig die grosse Hyatt Treppe hinunter stieg, sozusagen den Weg des Fussvolkes nahm. Man möge an dieser Stelle mal keck behaupten, dass Brühl hier doch einiges bekannter ist als Delpy...

Die Hyatt-Treppe sah aber noch eine ganz andere Belastungsprobe. Obwohl der Pressekonferenzsaal nach der Aufführung von The Good Shepherd schon lange proppevoll war, strömte die ganze Journi-Schar auch nach dem Sitzungsbeginn noch als humane Flutwelle ins Hotel. Als dann alles vorbei war und zur Verwunderung niemand erdrückt wurde, waren alle ein bisschen erleichtert. Vielleicht auch, weil die ständigen Verwechslungen von The Good German und The Good Shepherd langsam zu einem totgelaufenen Running-Gag wurde.

Filme wurden aber natürlich auch noch gekuckt. Zwei nennenswerte des Samstags waren Die Fälscher und 2 Days In Paris. Während Die Fälscher nicht zum ersten, und garantiert nicht zum letzten Mal Geschehnisse während des zweiten Weltkrieges aufzeigte, war 2 Days in Paris ein leichtes Tortenstück Beziehungskomödie à la Julie Delpy, und der wohl bisher witzigste Film des noch jungen Festivals.

Einer der skurrilsten kam - natürlich - aus dem asiatischen Teil. Die südkoreanische Produktion I'm a cyborg, but that's ok (man erinnere sich: Die Nummer 2 unserer Liste: "Bester Filmname") wurde von der OutNow.CH-Delegation geschlossen angeschaut und für abgehoben empfunden. Der Plot handelt von einem Mädchen, das meint, ein Cyborg zu sein, und konsequenterweise in einem Irrenhaus landet. Dort findet sie einen nicht minder bescheuerten Freund, der sie versteht und ihr später auch das Leben rettet, indem er ihr beibringt, wie man isst. Klingt simpel, aber der in Bonbon-Ästhetik gehaltene Streifen ist vor allem am Anfang ein eher zäher Kaugummi.

Nun, wie bereits oben erwähnt, sind wir eigentlich froh, dass The Good Shepherd Rummel bereits durch ist. Nicht nur wegen dem Verwechslungspotential, sondern auch durch das Geschrei, dass man am Abend vom roten Teppich bis zu uns ins triste Schreibzimmer hören konnte: "Robert, Robert. Rooobert!!!" hallte es, und ich könnte schwören, ich habe aus diesem Wulst von Stimmen diejenige unseres geschätzten osteuropäischen Cineasten rausgehört.

Sonntag, 11. Februar - Filme schauen, bis sich der Magen zusammenzieht

Viel Geschichte brachte der vierte Tag der Berlinale. "Letters from Iwo Jima" zeigte die japanische Seite einer der entscheidensten Schlachten des Zweiten Weltkrieges, "Goodbye Bafana" erzählt die Geschichte von Nelson Mandelas Wärter und den Weg Südafrikas von der Apartheit zur geregelten Demokratie.

Was, noch nicht an der Berlinale gewesen? Na, dann aber mal schnell hin, denn seit sie läuft, scheint sich die Zeit mindestens um das Doppelte beschleunigt zu haben. Wir fleissige OutNow.CH-Redaktoren bremsen zwar auch für Tiere, aber auf Celebrities kann langsam keine Rücksicht mehr genommen werden. Zu viel steht da im Terminkalender, um Clint Eastwood auf dem Bildschirm mehr als eines Blickes zu würdigen. An manchen Vorstellungen tut man nämlich gut daran, bereits eine halbe Stunde vor dem Start anzustehen, um nicht die Plätze der vordersten Reihe beanspruchen zu müssen.

Aber falls jemand von euch Bürger oder Bewohner von Berlin ist, der hat auch ohne Besuch schon bestimmt was vom Grossanlass mitbekommen. Vielleicht am Fernsehen durch unseren Schweizer 3sat Moderator Dieter Moor, durch die Zeitungen, durch die OutNow.CH Berichterstattung, oder wenigstens mit dem Sichten einer weinroten Berlinale-Umhängetasche. Vor allem am Potsdamer Platz scheint jede zweite Person eine zu tragen. Dabei stellte sie bis vor zwei Jahren noch absolute Exklusivität dar. Früher bekamen nämlich nur Journalisten eine Tasche, und konnten sich so ohne grossen Aufwand ihres Status brüsten. Heutzutage kann aber auch der Normalsterbliche das poppige Accessoire kaufen. Was bleibt ist die Nostalgie. Wer eine Tasche vor dem Jahrgang 55 trägt, ist irgendetwas zwischen Held und Urgestein. Und kann bei eBay mal so richtig Kohle verdienen.

Ein weiteres dunkles Geschichtskapitel des letzten Jahrhunderts ist die Rassentrennung und die Diskriminierung der Schwarzen in Südafrika. Was man an Ungerechtigkeit in Goodbye Bafana sieht, lässt leer schlucken und wühlt auf. Das Drama zeichnet sich vor allem durch die hervorragende Leistung von Dennis Haysbert als Nelson Mandela aus, und ist einer der heissen Favoriten auf den Goldenen Bären.

Hoffentlich erscheinen wir euch nun aber nicht als verbitterte Griesgrame, die nur richtig ernste Sachen kucken. Wir haben Spass hier, und ihr könnte es auch haben, denn es laufen noch einige Filme, die durchaus witzig sind. Da wäre Substitute, ein Dokumentarfilm des französischen Fussballnationalspielers Vikash Dhorasoo. Dieser spielte ganze 16 Minuten an der WM, und hatte so genug Zeit, ein Sommermärchen à la Sönke Wortmann zu drehen. Oder wie wäre es mit I was a Swiss banker, in dem ein - ihr vermutet richtig - Swiss banker sein bisheriges Leben aufgibt und im wahrsten Sinne des Wortes abtaucht.

Ihr seht, es lohnt sich, mal vorbeizukommen. Wir versprechen euch, dass wir euch auch ohne weinrotes Accessoire herzlich willkommen heissen werden.

Montag, 12. Februar - Notes on a scandal, oder: You mean, you didn't know Clint Eastwood?

News aus der Welt der Berlinale, hier zusammengefasst: Erstaunliches Geständnis aus Japan, schläfriges aus Kanada, Gipfeltreffen der hohen Filmkunst am Wannsee und ein handfester Skandal.

Die Berlinale ist ein Fest für Filmfreaks. Cineasten aus allen Teilen der Welt sind hierher gekommen, und wo man auch hinhört, es wird über Filme diskutiert. Auch bei uns OutNow.CH-Cracks schweift das Thema spätestens beim dritten Satz in diese Richtung. Wie könnte man auch anders, bei diesem Programm.

Kazunari Ninomiya ist kein Filmfreak. Es ist noch nicht lange her, da sagte ihm der Name Clint Eastwood noch überhaupt nichts. Kazunari Ninomiya ist Japaner, aber nicht irgendeiner: Er spielt eine der Hauptrollen in Letters from Iwo Jima. Als er meinte, Mr. Dirty Harry bis vor kurzem nicht gekannt zu haben, blieb uns Interviewern kurz einmal die Kinnlade hängen. Ninomiya merkte das und erzählte weiter: Er habe seit seiner Niederkunft vor 23 Jahren wohl erst zwanzig Filme gesehen. Alle weiteren Fragen über Filmgeschichte und Einflüsse wurden daraufhin gleich gestrichen.

Filmfreak ist aber nicht gleich Filmfreak. Wir von OutNow.CH sind - siehe Tagebucheintrag vom Freitag - sogenannte HHFFs (Hardcore-Hobby-Film-Freaks). Viele der akkreditierten Festivalbesucher sind HPFFs, wobei das P natürlich für professionell steht. Diese verdienen ihr Geld mit schauen und schreiben und mal mit einem Promi reden. Einige HPFFs, die bei richtig grossen Medien tätig sind, wie zum Beispiel einer grossen Berliner Zeitung, dürfen dann auch mal im kleinen Kreis mit Volker Schlöndorff und Robert De Niro zusammensitzen und ihnen beim fachsimpeln zuhören. Dies trug sich am Sonntag in der American Academy nahe dem Wannsee zu. Während Schlöndorff putzmunter über Kameraneinstellungen und Schauspielerführung plapperte, gerieten die De Niro Antworten vielfach ein bisschen einsilbig. "Na, der Mann hat aber auch schon viel geredet in seinem Leben," hätte ich nachher gesagt, wenn ich anwesend gewesen wäre. Aber eben, nur verdiente HPFFs kamen in diesen Genuss.

Noch mehr geredet hat wohl Judi Dench in ihrem Leben, schliesslich ist sie fast zehn Jahre älter als De Niro. Und wie guter Wein wird auch sie mit den Jahren besser, noch besser, so gut, dass man es fast nicht mehr glauben kann. In Notes on a scandal mimt sie die einsame und verbitterte Lehrerin Barbara Covett, die minutiös ihr Tagebuch führt. Mit der neuen Kunstlehrerin Sheba Hart (Cate Blanchett) findet sie aber trotz ihrer Bitterkeit eine Freundin. Doch lange hält die Kaffeekränzchen-Stimmung nicht an, denn Barbara beobachtet, wie Sheba einen Schüler verführt (was man ja eigentlich auch nicht tun soll, das Verführen). Mit diesem Druckmittel, fängt Barbara an ihre frühere Freundin fertig zu machen.

Einen weitaus unglamouröseren Auftritt hatte Sharon Stone in When a man falls into the forest. Als ebenfalls verbitterte Frau eines mundfaulen Baseballkappenträgers kann ihr nur noch das Klauen von Kleidern den Kick geben. Neben diesem armseligen Paar gibt es noch zwei weitere Charaktere, die ebenfalls nicht mehr so ganz auf diese Welt passen. Den Film selber würde man indes gerne auf den Mond schiessen, denn das zähe Drama hebt nie ab und wirkt besser als die stärksten Schlaftabletten.

Schlaftabletten brauchen wir HHFFs von OutNow.CH indes nicht. Eher mal wieder eine vernünftige Anzahl Stunden der Bettruhe. Man wünscht gute Nacht.

Dienstag, 13. Februar - Tagesablauf eines Festivalbesuchers

Von Filmen zu Partys, verpassten Terminen und den Träumen von Julie Delpy: Der Dienstag an der Berlinale mit dem OutNow.CH HHFF uas. Leben auf der Überholspur.

07:20 Uhr: Wecker klingelt. Überprüfung aller Körperfunktionen. Fazit: Noch zwanzig Minuten liegen bleiben.

07:40 Uhr: Aufstehen, Dusche, Verlassen der Loft-Wohnung im Prenzlauerberg. Zwei Croissants und einen Kaffee kaufen und "on the fly" verinnerlichen.

08:10 Uhr: Die wichtigsten Tageszeitungen im Berlinale Palast Pressezentrum zusammensuchen und darüber staunen, dass die Kollegen gleicher Meinung sind.

09:00 Uhr: Erster Film: El Otro: Ein Argentinier nimmt für ein Wochenende eine andere Identität an und entdeckt (laut Pressebeschrieb) seine animalischen Sinne. Zum ersten Mal fällt mir auf, wie unbequem die Berlinale-Palast Kinositze sind, wenn man sich mal hinlegen will.

10:45 Uhr: Abtauchen ins Schreibzimmer. E-Mails checken, Recherche, Kritik verfassen, noch ein bisschen an Julie Delpy denken. Wie fest hat sie meine Hand gedrückt?

12:30 Uhr: Zweiter Film: Irina Palm: Um Geld für die Behandlung ihres kranken Enkels aufzubringen, wird Marianne Faithfull zur professionellen "Handwerkerin". Sie ist so gut, sie sich bei so viel Kundschaft einen "Penisarm" holt. Doch auch links verteidigt sie ihre Spitzenposition im Londoner Stadtteil Soho. Für einige wohl Stoff, aus dem die (feuchten) Träume sind.

14:30 Uhr: Pressekonferenz zu Irina Palm. Frage eines Journalisten: "An welchen Utensilien übten sie ihre Bewegungen?" Marianne Faithfull kichert wie ein heiserer Teenager: "An Dildos."

15:15 Uhr: Lunchbreak. Geflügel ohne Fett und Proteindrinks, dazu zwei Vitamintabletten. Schliesslich soll's auch noch am Sonntag ein Tagebucheintrag geben.

16:00 Uhr: Dritter Film: The Walker: Woody Harrelson ist schwul und das ist gut so, denn dann grabscht er keine seiner zu begleitenden Frauen an. Dafür wird er des Mordes verdächtigt. Aber klar, er war's nicht, auch nicht sein Freund Moritz Bleibtreu. Der hat im Gegensatz zu Martina Gedeck, Daniel Brühl und Christian Oliver eine richtige Rolle in einem ausländischen Film bekommen, also mehr als fünf Minuten Screen Time.

17:30 Uhr: Zurück im Schreibzimmer. Oberhalb von uns johlen sie Marianne Faithfull zu. Unten gibt's nicht mal mehr einen Wasserspender.

17:50 Uhr: Gemütliches Spazieren zum CinemaxX. Die Ruhe rächt sich: Interview von Steve Buscemi ist bereits voll.

17:55 Uhr: Plan B: uas und ebe stürzen sich ins CineStar und schauen Strange Culture. Die Doku ist über den den Künstler Steve Kurtz. Er experimentierte schon seit Jahren auf dem Gebiet von harmlosen Bakterien, die er als Kunstgebilde ausstellt. Als 2004 plötzlich seine Frau stirbt, holt er die Polizei - und bald darauf ist das FBI bei ihm. Die zählen schnell zwei und zwei zusammen: Bakterien = Terrorismus. Nun soll Steve für zwanzig Jahre ins Gefängnis wandern. Wahrhaftig, eine schräge Kultur haben sie da in Amerika

22:00 Uhr: Es bleiben noch eine Stunde bis zur Swiss Films Party. So tingeln die drei OutNow.CH HHFFs durch das westliche S- und U-Bahn System, auf der Suche nach dem letzten Kick.

23:10 Uhr: Im Literaturhaus am Ku'damm angekommen, wird als allererstes lässig herumstehendes Essen vernichtet. Der Wein schmeckt gut, und mit dem Besuch dreier österreichischer Kolleginnen wird dann das bisherige Programm der Berlinale seziert.

01:45 Uhr: Nachdem wir mit der Schweizer HipHop Band "Mundartisten" auch ein bisschen Heimatgefühl in die Räume bekamen, muss jetzt der Nachhauseweg in Angriff genommen werden. Die kurze Nachfrage ergibt: Pechvogel ebe hat den ersten Wettbewerbsfilm.

03:00 Uhr: So müde, dass ich auch auf Stein schlafen könnte. Away from her wird definitiv aus der To-do Liste gestrichen. Gute Nacht.

Mittwoch, 14. Februar - Filmpiraten an der Berlinale

Schon mal gesehen, wie Rinderhälften zerlegt werden? Muss man nicht gesehen haben, und wenn, dann kann man grad so gut "300" anschauen. Ausserdem gab es vor drei Tagen einen weiteren Skandal, dieses Mal mit OutNow.CH Beteiligung.

OutNow.CH sorgt für Aufregung an der Berlinale. Endlich, möchte man denken, endlich werden wir ernst genommen. Grund dafür war ein simples Missverständnis.

Alles begann mit einem guten Gedanken: Um Ernährung und Arbeit unter einen Hut zu bringen, kauft sich HHFF rm eine Pizza. Mit ein bisschen Verspätung betritt rm den Kinosaal, wo um 16.45 Uhr der Bollywood-Kracher "Don" gezeigt wird. Die meisten Plätze sind schon vergeben, und da das Licht bereits gedämmt wird, setzt sich er sich auf einen für das Filmteam reservierten Sessel. Das Team trifft ebenfalls mit Verspätung ein, aber nicht alle, und so kann unser Kritiker sitzen bleiben. Nochmals Glück gehabt! Nun kommt die Pizza dran. Leise entfernt er das raschelnde Säckchen, öffnete die Schachtel, und ist schon bereit, gleich in eines der köstlichen Stücke zu beissen. Da bellt plötzlich jemand neben ihm: "Was machst du da??!!!??" Rm stutzt, will weitermachen. Ja nicht einschüchtern lassen. Das ist seine Pizza, die kann er essen, wo, wie und wann er will. Dann aber wieder ein sattes: "Was machst du da???!!!!!!!!!???" Rm rückt vernünftigerweise mit der Wahrheit raus: "Äh, Pizza essen." Der ungläubige Blick auf ihn wird freundlicher. "Ach so, ok." Der Grund für den scharfen Ton: Rm wurde für einen Raubkopierer gehalten, seine Pizzaschachtel für eine Kamera. Und mit seiner Brille kann er wahrscheinlich 10 000 Grad heisse Laserstrahlen erzeugen.

Ja, die Berlinale ist aufregend, aber auch, weil man einfach wunderbar bekannte Leute sieht. Mit Nina Hoss, Barbara Becker, Judi Dench und Marianne Faithfull haben wir vor allem Frauen nachgeschaut. Ein Fels von einem Mann hat uas gesichtet. Leider weiss er den Namen dieses Deutschen Celebritys nicht mehr, aber er sieht aus wie Bud Spencer. Mit seinem rotbraunen Pelzmantel (PETA scheint der Berlinale fern geblieben zu sein) sah er irgendwie aus wie der goldene Bär in Echt. Wer wohl den nach Hause nehmen darf?

Gestandene Mannsbilder mit Sixpacks und Kampfwunden, dass sah man in 300 zuhauf. Sollten die Spartaner wirklich so gut ausgesehen haben, dann wären wohl viele Frauen froh um Steuergelderzuschuss in die Entwicklung einer Zeitmaschine. Aber wir Männer geben auch zu, dass uns der Anblick von Königin Gorgo weitaus mehr zugesagt haben als gestapelte Leichen, abgetrennte Köpfe und unmodisches Schuhwerk.

An dieser Stelle plante ich eigentlich einen kleinen Text über Angel, den neuen Film von François Ozon, ein. Der Streifen hat aber eine Sperrfrist bis zum 18. Februar, und darum heisst es einfach "Psst" und: Ein bisschen Marie Antoinette schauen, um sich einzustimmen. Aber schön war's schon: Im grandiosen Filmpalast-Kino auf'm Ku'damm mit gerade mal zwanzig anderen Leuten das neuste Werk des Leinwandmagiers zu sehen, wow.

Nun ja, wir können ein Geheimnis für uns bewahren, schliesslich wollen wir keine weiteren Skandale. Und bald schon dürfen wir rätseln, welcher Film nun den goldenen Bär gewinnen wird. Die Flops und Favoriten: Wir werden euch über unsere Beratungsgespräche auf dem Laufenden halten.

Donnerstag, 15. Februar- But now seriously, folks...

Es scheint fast so, als möchte uns die Berlinale mit einen psychischen Knacks nach Hause schicken. Heute gab es wieder viel Schwermut zu sehen. Den Humor haben wir und Steve Buscemi jedoch nicht verloren.

"Berlin ist arm, aber sexy". Dieser berühmte Satz stammt von Bürgermeister Klaus Wowereit. Die Stadt trägt einen Schuldenberg in Milliardenhöhe, was so gar nicht zu dem Bild passen mag, das sich jeweils am Potsdamer Platz bietet. Neuste Wolkenkratzer schiessen da in den Himmel, prunkvolle Hotels stehen Schlange, und am Ende thront der Berlinale Palast. Die Armut, die findet man nicht hier, die findet in Neukölln oder Marzahn statt, wo kein Gebäude unverschmiert bleibt und Plattenbauten sich in die Ferne erstrecken.

Trotzdem ist es hier immer noch wesentlich gesitteter zu als in Juarez, einem Moloch von einer Stadt, in der Sex, Drogen und Billigarbeit zur Tagesordnung gehören. Und auch Verbrechen. Denn über die Jahre sind dort Hunderte von Frauen vergewaltigt und ermordet worden. Bordertown heisst nun der Film, der sich diesem Thema annimmt. Jennifer Lopez spielt darin eine amerikanische Journalistin, die eine Story über die Mordserie schreiben will, aber bei ihren Recherchen mehr und mehr die Wahrheit aufdeckt. Klingt etwas gar konstruiert, aber so schlecht ist der Film keineswegs. Und J.Lo's Fall in ein Massengrab lässt auch 300 abgehärtete Gemüter leise schlucken.

Sowieso ist diese Berlinale von Tod und Verderben geprägt. Gestorben wird auf der Leinwand in rekordverdächtiger Zahl, und vielfach trifft es auch die Helden. Antonio Banderas stirbt in Bordertown, fast alle japanische Soldaten in Letters From Iwo Jima, die Spartaner in 300 und in Angel stirbt...ach ja, das darf ich ja noch nicht schreiben.

Glücklicherweise wird Steve Buscemis Interview von Todesfällen verschont, auch wenn dem Remake das gewaltsame Ableben von Theo Van Gogh zugrunde liegt. Ein abgehalfterter Politreporter soll eine verzogene Soap-Göre (herrlich: Sienna Miller) interviewen. Vorbereitet hat er sich überhaupt nicht, und schon nach fünf Minuten ist das Gespräch vorbei. Durch einen Zwischenfall finden sich aber beide in der Loft des Starlets wieder, um dort sich gegenseitig zu betrinken und auszufragen. Mal Komödie, mal Drama ist Interview ein kurioses Kammerspiel geworden, dass es hoffentlich auch bald in der Schweiz zu sehen gibt.

So, nachdem es an diesem Tag viele Filme über Journalisten gab, hat's nun auch OutNow.CH auf die Mattscheibe geschafft. Das arabische Fernsehen Al-Jazeera interviewte uas über das Leben eines Film Kritikers. Fragen wurden gestellt wie: "Was für Stereotypen in Filmen können Sie nicht mehr sehen?" oder "Was muss ein Film haben, damit er 5 von 5 Sternen bekommt" (schlecht recherchiert, liebe Leute: Wir vergeben ja sechs Sterne). Und zum guten Schluss gab's noch die Frage des Tages: "Are you a frustrated filmmaker?" Nun, ich gebe es hiermit zu: Ich habe noch nie eine Videokamera in der Hand gehabt.

Freitag, 16. Februar - Wie soll das alles enden?

OutNow.CH setzt an der Berlinale zum Schlussspurt an. Prognosen dürfen gemacht werden, wer einen der Bären nach Hause nehmen darf. Und natürlich haben wir uns auch noch mal so richtig in die Kinosessel gehängt.

Damit wir das einmal klargestellt haben: Wir wollen nicht, dass die Berlinale schon endet. Was wir seit letztem Freitag erlebt haben, war eigentlich das Weihnachtsgeschenk, das nie unter dem Tannenbaum liegt. Filme nach Lust und Laune zu schauen macht einfach glücklich und entschädigt für die eine oder andere gestresste Minute, die es natürlich auch gab. Nicht immer konnten Reviews einfach so aus den Ärmel geschüttelt werden, nicht immer gingen Interviews pünktlich über die Bühne. Aber die Weltkugel wird sich für uns anders drehen, wenn wir wieder zurück im Eidgenossenland sind.

Natürlich haben wir uns heute abermals die Hintern platt gesessen. Mit Hallam Foe kein Problem, denn dieser wunderbare Film über die Gefühlswelt eines Teenagers überzeugte. Hallam ist 17 und leidet immer noch unter dem Verlust seiner Mutter, für dessen Tod er seine Stiefmutter verantwortlich macht. Er verlässt das Elternhaus und geht nach Glasgow, findet dort einen Job in einem Hotel. Ermöglicht wurde das durch Kate, die seiner Mutter so ähnelt, dass er sie nachts ausspioniert. Hallam wendet dabei allerlei Tricks an. Dass die beiden sich auch mal näher kommen, muss man wohl nicht sagen, aber so einfach ist das ganze dann nun auch nicht, klaro.

Der Schweizer Film war an dieser Berlinale mit vier Produktionen am Start. Neben Heimatklänge, I was a swiss banker und "Pas Douce" wurde gestern auch Chrigu aufgeführt. Christian "Chrigu" Ziörjen erkrankte 2004 an Krebs. Der passionierte Hobbyfilmer fing an, seinen Kampf auf Video festzuhalten, zusammen mit seinem Freund Jan Gassmann. In harten Schnitten prallen Bilder vom früheren Leben auf Behandlungen im Spital. Mit der vergehenden Zeit wird es immer brutaler, Chrigu ins Gesicht zu sehen, dem Sterben in Raten zu folgen. Gassmanns Film ist eine zeitweise wilde Collage, da er Material verschiedenster Qualität zur Verfügung hatte. Trotzdem funktioniert der Film, er geht unter die Haut, weil er die unerträgliche Wahrheit zeigt.

Nun aber zu den Nominationen. Die OutNow.CH HHFFs belasteten bei einem Inder in Kreuzberg massiv die Spesenabrechnung und tippten auf folgende Gewinner:


Bester Film:
rm: Hallam Foe
uas: Irina Palm
ebe: I'm a cyborg but that's ok

Bester Darsteller:
rm: Jamie Bell (Hallam Foe)
uas: Michael Fassbender (Angel)
ebe: Ivan Barnev (I served the king of England)

Beste Darstellerin:
rm: Nina Hoss (Yella)
uas : Marion Cotillard (La môme)
ebe: Yu-Nan (Tuya's marriage)

So, jetzt heisst es einfach warten, warten, warten, und zwar bis um 19 Uhr. Dann nämlich fängt die Preisverleihungsgala an, die man auf 3Sat live mitverfolgen kann. Morgen gibt es dann den letzten Tagebuch Eintrag mit den etwas anderen Statistiken zur Berlinale. Und wenn euch in der siebten Reihe, gleich zwischen Volker Schlöndorff und Sönke Wortmann jemand zweimal à la Roger Moore die linke Augenbraue hochzieht, dann habe ich es geschafft, mich hineinzuschleichen.

Damit das nicht zur One Man Show wird, wollen hier auch noch die anderen beiden HHFF ihren Senf loswerden:

HHFF ebe vergibt den Goldenen Bären 2007 an I'm a Cyborg but that's ok. Wieso? Weil er eine Schwäche für "Nix-Check-Filme" hat. Weil es manchmal etwas abgespact sein darf. Weil "Romantisches Roboter-Psychiatrie-Märchen" ein bislang eher vernachlässigtes Genre ist. Weil die zerbrechliche weibliche Hauptrolle gewisse männliche Beschützerinstinkte weckt. Weil Regisseur Chan-wook Park 2004 die goldene Palme in Cannes von Michael Moore weggeschnappt wurde. Weil bereits die Website des Films ein Kunstwerk ist. Und weil man Koreaner, die Schweizer Gassenhauer jodeln, einfach mögen muss.

Cyborg wins the bear and that's ok!

rms goldener Bär geht an Hallam Foe. Der erste Film des Schotten David Mackenzie, der in der Jetztzeit spielt, bietet vieles, was so ein durchschnittlicher Berlinalefilm eben nicht hat. In den ersten Minuten zum Beispiel einen Vorspann, der nicht nur aus weissen Buchstaben auf schwarzem Hintergrund besteht, die ohne Musik einfach abgespult werden. Hallam Foe beginnt mit einem eigenen kleinem Trickfilm des Cartoonisten David Shrigley. Hallam Foe hat auch einen rockigen Soundtrack mit schottischen Bands, von denen man ausser Franz Ferdinand alle noch entdecken kann. Hallam Foe wird von einem eigenen sehr aktiven Blog begleitet. Ich vermute mal andere Regisseure wie Rivette oder DeNiro wissen nicht mal richtig wissen, was das ist. Der Film ist voller Referenzen an Hitchcockfilme (Rebecca, Vertigo, Rear Window um nur die offensichtlichsten zu nennen) und hat mit Sophia Myles eine "superlovely" Hauptdarstellerin. Zu guterletzt muss man Jamie Bell noch loben. In ein paar Jahren wird man seine Interpretation von Hallam Foe als die allerletzte Emanzipation der Billy Elliot-Figur zu schätzen wissen. Mit Peter Jackson und Clint Eastwood hat er schon gearbeitet. Man wird noch von ihm hören.

Samstag, 17. Februar - Gewinnernamen und OutNow.CH-Favoriten

Die Würfel sind gefallen: Tuya's Marriage gewann den Goldenen Bären, Nina Hoss und Julio Chavez den silbernen. Die beste Regiearbeit lieferte Joseph Cedar ab.

Ach, was haben wir nicht alle einfach wieder mal gründlich daneben getippt! Sowohl uas wie auch ebe lagen mit ihren Tipps total im Schilf, aber rm's Nina Hoss gewann für die Rolle der Yella tatsächlich eine Statue. An ihrem überraschten Blick sah man ihr an, dass sie damit wohl zuletzt gerechnet hat. Eine Wundertüte war auch der Gewinn von Julio Chavez. Eigentlich lief sein Film El Otro unter "war auch noch dabei", aber die Jury meinte es anders. Man muss aber zugeben, dass Chavez im eher langatmigen Streifen seine Mimik grossartig spielen liess. Musste er auch, bei so wenig Text...

Der grosse Favorit The Good Shepherd erhielt den Preis für "Beste künstlerische Leistung" für das dezimierte Who-is-who aus Hollywood. Über den Alfred-Bauer-Preis freuten wir uns für I am a cyborg, but that's ok von Park Chan-wook. Das war wohl definitiv einer der ungewöhnlichsten Filme der diesjährigen Ausgabe.

Die Liste aller Gewinner:

Bester Film:
Tuya's Marriage

Grosser Preis der Jury 2007
El Otro

Beste Regie
Joseph Cedar (Beaufort)

Beste Darstellerin 2007
Nina Hoss (Yella)

Bester Darsteller 2007
Julio Chavez (El Otro)

Herausragende künstlerlische Leistung
Das Schauspielerensemble von The Good Shepherd

Beste Filmmusik
David Mackenzie Hallam Foe

Alfred-Bauer-Preis 2007
I'm a Cyborg, but that's ok

Und hier präsentieren wir euch noch die etwa anderen Kategoriengewinner, welche von OutNow.CH neu reingenommen wurde. Der plüschigste Bär für...

...die beste Filmwebseite geht an:
I'm a cyborg, but that's OK

...den grössten Flopfilm geht an:
uas: When a man falls in the forest
ebe: Ne touchez pas la hache
rm : In memoria di me

...den grössten Berlinale-Flop (nebst den Flopfilmen) geht an:
Die schmutzig-fleckige Leinwand im Berlinale-Palast.

...den besten Filmtitel geht an:
I am a Cyborg, but that's ok (hat es doch noch geschafft)

....die meisten getrunkenen Kaffees geht an:
uas (ca. 20)

...die meisten getrunkenen Erdbeer-Yogis geht an:
ebe (ca. 10)

...den grössten "Crush on a Celebrity" geht an:
uas: Sienna Miller (Soap-Göre in Interview)
rm: Sophia Myles (Mami-Lookalike in Hallam Foe)
ebe: Sandra Medina (Schwedin in I was a Swiss Banker)
Insgesamt gezählte Crushes: 15-

...das eindrücklichste Comeback geht an:
Joe Pesci in The Good Shepherd

Das wäre es gewesen, liebe Tagebuchleserinnen und -leser! Schön wart' ihr dabei und zögerten nicht, meine intimen Cineastenergüsse zu Gemüte zu führen. Die Berlinale wurde für uns drei HHFFs zu einer grossartigen Zeit, und wir hoffen, euch verschlägt es nächstes Mal auch nach Berlin. Kleiner Tipp noch: Wer aussieht wie ein Filmemacher, hat den einen oder anderen Vorteil. Ich habe nämlich fast jeden Tag Paul Schrader gesehen. Geschickter Trick mit den Doppelgängern. Nun, ich gebe zurück nach Zürich!

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OutNow.CH