Keine Pornos auf Blu-ray

Die Pornoindustrie setzt mehrheitlich auf die HD-DVD für hochauflösende Bilder.

Die älteren Semester können sich noch an frühere Formatkriege in Heimvideobereich erinnern. Die gute alte VHS-Kassette stach die qualitativ besseren Betamax-Videos von Sony vor allem deshalb aus, weil es auf ihr auch Busenfilme zu kaufen gab. Auch im Kampf zwischen HD-DVD und Blu-ray wartet die Branche deshalb gespannt darauf, für welches Format sich die Schmuddelfilmer entscheiden. Sony scheint dabei wieder den Kürzeren zu ziehen.

Die Firma Digital Playground würde zwar gerne ihre Hochglanzpornos auf Blu-ray rausbringen, blitzte aber bei allen DVD-Herstellern ab. Gemäss Firmengründer und Regisseur Joone, dessen aufwändig produzierter POTC-Spoof Pirates zu den bestverkauften Sexfilmen aller Zeiten gehört, drohte Sony den DVD-Kopierwerken mit Lizenzentzug, falls Filme für Erwachsene hergestellt werden. Verkaufsrenner aus dem Digital Playground-Repertoire, die in weiser Voraussicht schon alle mit HD-Kameras gefilmt wurden, werden deshalb Anfang Februar in den USA ausschliesslich als HD-DVDs erscheinen.

Die meisten anderen Pornostudios wollen auch nicht viel von Blu-ray wissen. Dies stellte die Technologie-Website TG Daily während einer nicht repräsentativen Umfrage anlässlich der Erotikmesse Adult Expo in Las Vegas fest. Weil HD-DVDs billiger zu produzieren sind und sie dank der Xbox 360 einen (noch) grösseren Marktanteil bei den Abspielgeräten in den US-Haushalten haben, werden diese vor allem auch von kleineren Betrieben bevorzugt.

Ob die Macht der Sexindustrie bei der Formatwahl immer noch so gross ist wie zu Beginn der 80er Jahre anlässlich VHS-Einführung, wird sich weisen müssen. Die Alternative, die sich dem Pornofan damals bot, war das Aufsuchen eines öffentlichen Sexkinos. Da war der Videorecorder im trauten Heim tatsächlich die gemütlichere Wahl. Im Zeitalter des Internetdownloads, wenn man sich die Unterhose schon gar nicht mehr überziehen muss, um sich an Nackedeis zu erfreuen, ist es fraglich, ob es überhaupt noch einen physikalischen Datenträger braucht, um Filme anzuschauen. Ganz zu schweigen von der Frage, ob man wirklich jeden Pickel am Arsch einer stöhnenden Tschechin sehen will.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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heise.de
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