ZFF 2006: Interview mit Ueli Steiger

Ueli Steiger wird gern als "unser (Kamera)Mann in Hollywood" bezeichnet. Er hat schon mehrmals mit Regisseuren wie Dennis Hopper und Roland Emmerich zusammengearbeitet. Dabei war er zuerst an der Uni Zürich eingeschrieben. Erst später entschloss er sich an die London Film School zu gehen, wo er Michael Hoffmann kennenlernte, mit dem er seinen ersten Film in Hollywood drehte (Promised Land). Ein Second Unit Director war gefeuert worden und schliesslich war er schlicht und ergreifend billiger als Michael Chapman, so dass er gleich zum Director of Photography aufstieg, ohne dass er eine grosse Ahnung hatte, wie er schmunzelnd erklärte. Weil in seinem nächsten Film Jennifer Connelly mitspielte, wurde Dennis Hopper auf ihn aufmerksam. Hoppers The Hot Spot enstand, wiederum mit Jennifer Connelly und so nahm Steigers Karriere seinen Lauf.

OutNow.CH sass mit ihm in einem Café im Zürcher Niederdorf. Supernett bot er gleich das Du an und nahm sich satte 30 Minuten Zeit. Es wurde viel über Nomad gesprochen, einen Film der eine ziemlich turbulente Enstehungsgeschichte hatte, und von dem Steiger nicht will, dass er vergessen geht. Er erwähnt ihn ständig und er scheint froh zu sein, dass der kasachische Epos in Locarno auf der Piazza gezeigt worden ist. (Mehr zu diesem Teil des Interviews, wenn Nomad bei uns in die Kinos kommt.) Im folgenden Gespräch geht es vor allem um seine Arbeit in der Jury des Zurich Film Festivals und 10,000 B.C., dessen Dreh in Neuseeland, Namibia und Südafrika zwei Wochen vorher gerade beendet wurde. Dieser neueste Film von Roland Emmerich kommt im Dezember 2007 weltweit in die Kinos.

OutNow.CH (ON): Wie bist du in die Jury des Zurich Film Festivals gekommen?

Ueli Steiger (US): Ich wurde angefragt. Ich habe im letzten Jahr schon vom neuen Festival gehört. Ich finde es echt toll, wenn jemand die Initiative ergreift und etwas auf die Beine stellt. Ich wusste zuerst nur, dass auch This Brunner in der Jury sitzt. Und es passte, weil ich mit 10,000 B.C. gerade fertig geworden bin. Es hat sich also gerade so ergeben, deshalb wollte ich das auch unbedingt machen.

ON: Wie geht's im Jury-Team? Wann diskutiert ihr jeweils?

US: Wir sind ständig am diskutieren. Wir hoffen, dass wir uns am Ende nicht die Köpfe einschlagen werden. Wir haben noch nicht alle Filme gesehen, aber es zeigen sich schon die ersten Favoriten ab. Zum Glück sind beiden ganz grossen Favoriten in verschiedenen Kategorien. Aber noch ist nichts sicher.

ON: Seltsamerweise muss an diesem Festival dieselbe Jury in drei verschiedenen Kategorien werten. Unter anderem auch Dokumentarfilme. Wie geht ihr damit um?

US: Das ist nicht allzu ungewohnt. So gross sind die Unterschiede nicht - wie übrigens auch bei Kurz- zu Langfilmen nicht. Ich schaue vieles und alles gern. Ich bin auch in der Academy im Foreign Language Film Committee und schaue mir dort während der Vorauswahl die Filme an, die aus der ganzen Welt für eine Oscarnomination geschickt werden. Auch das ist ein tolles Privileg. Da sieht man sehr Unterschiedliches und man muss sich schlussendlich einen zugegebenermassen sehr subjektiven Massstab nehmen. Ich gebe meist erstmal ohne viel zu denken eine Note von 1-5 und in der Diskussion wird das dann noch verfeinert.

ON: Darf man so subjektiv sein?

US: Filmkritik ist immer subjektiv. Zum Glück ist sie das, denn Subjektivität kann man auch immer gut begründen. Deshalb lese ich auch gerne Filmkritiken. Es gibt Kritiker, die eine ähnliche Sensibilität haben wie ich. Ich akzeptiere aber auch andere Meinungen. Aber wenn mich etwas berührt oder eben nicht, dann ist dann einfach subjektiv. Wenn ich über einen Film herziehe, heisst das auch nicht, dass ich den Filmemacher ein Arschloch finde, sondern das mich der Film beschäftigt.

ON: Welche Kritiker liest du besonders gerne?

US: Ich lese oft die L.A. Times und manchmal auch die New York Times. Kenneth Turan von der L.A.Times gefällt mir zum Beispiel sehr gut.

ON: Darf man schon etwas von 10,000 B.C. erzählen?

US: Es geht um einen Mammutjägerstamm, den man zuerst kennenlernt und der dann von Leuten angegriffen wird, die sie noch nie gesehen haben. Dabei kommt es zu Entführungen und die drei Hauphelden reisen den Angreifern nach und versuchen ihre Leute wieder zu retten. Es geht über die Berge, in den Dschungel und durch die Steppe. Dabei treffen sie auf andere Stämme, denen auch Leute entführt wurden. Es stellt sich heraus, dass es Sklavenhändler waren, welche die Leute missbrauchen, um eine riesige Pyramide zu bauen.

ON: Hat der Film irgendetwas zu tun mit One Million Years B.C. mit Raquel Welch?

US: Mit dem hat dieses Projekt gar nichts zu tun. Weder die Geschichte noch sonst irgendwas - ausser die Ähnlichkeit der Titel.

ON: Wer spielt die Hauptrolle?

US: Steven Strait, der vor ein paar Wochen gerade mit dem Thriller The Convenant in die US-Kinos kam. Er hatte auch ein Band und posierte für den Photographen Bruce Weber. Ein Supertyp mit erst zwanzig Jahren. Physisch war das sicher eine harte Rolle und er ist in jeder Szene zu sehen. Dann haben wir noch Cliff Curtis, einen Maori, der auch in Whale Rider spielte. Omar Sharif taucht in der Rahmenhandlung auf. Die weibliche Hauptrolle hat Camilla Belle. Auch sie ist sehr jung und sieht ein bisschen aus wie Liz Taylor.

ON: Was war für dich als Kameramann die schwierigste Einstellung?

US: Davon gab es mehr als nur eine. Wir hatten ein paar spezielle, die während der Dämmerung stattfinden mussten. Diese dauern im Film zwei bis drei Minuten und wurden in einer Einstellung gedreht. Dafür musste quasi ein ganzer Tag geprobt werden. Zusätzlich wurde mit drei weiteren Kameras Einzeleinstellungen gemacht. Das waren sehr hektische zwanzig Minuten während die Sonner unterging. Das ist zwar schwierig, sieht am Ende aber auch sehr schön aus.

ON: Zum Schluss die Pop-Up-Fragen.

US: Ok.

ON: Jennifer Connelly

US: Grosse Brüste.

ON: Godzilla

US: Brooklyn Bridge. Ist langweilig, aber dort starb er.

ON: Austin Powers

US: Fat Bastard

ON: Kasachstan

US: Das Hotel Ankara. Eins der besten Hotels, in dem ich je war.

ON: Roland Emmerich

US: Dächlikappe

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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