Hui Buh - Das Schlossgespenst: Interview mit Sebastian Niemann und Christian Becker

Der Regisseur Sebastian Niemann ist keiner dieser Computer-Nerds, der schon lange am CGI-Langfilm tüftelt. Seine bisherigen Werke waren der Horrorthriller 7 Days to Live und Das Jesus-Video mit der interessanten Prämisse, das ein Zeitreisender das Leben von Gottes Sohn auf Video gebannt hat. Letzterer hatte übrigens auch Ornella Mutis Tochter in der weiblichen Hauptrolle. Beide Filme sind von Christian Becker produziert worden, der auch bei Hui Buh die Fäden als Executive Producer in der Hand hielt. Die beiden Deutschen wirkten in Zürich sehr zielstrebig und mit dem Willen zum Erfolg ausgestattet. Becker konnte im Kino schon einige davon für sich verbuchen. Bang Boom Bang und Der Wixxer um nur zwei zu nennen.

Mit OutNow.CH sprachen sie über die Faszination Hui Buh, die den Schweizern möglicherweise abgeht, und den nicht immer leichten Prozess, Hui Buhs Schöpfer Eberhard Alexander-Burgh von einem Kinofilm zu überzeugen.


OutNow.CH (ON): Woher kommt die Faszination der deutschen Komödianten am Mittelalter. Es gab da ja in der Vergangenheit schon Filme wie Siegfried und Sieben Zwerge: Männer allein im Wald.

Christian Becker (CB): Es ist eher eine Faszination für Hui Buh. Diese Figur hat eine ganze Generation geprägt. Als wir jung waren, gab es nur ihn. Dann kam der Pumuckel und die drei Fragezeichen. Das ganze Zeugs wie Bibi Blocksberg gab es ja alles noch nicht. Wir wollten halt einen Film machen, der in die Richtung von Harry Potter geht. Fantasy und dieses Märchenhafte. Es ist auch kein Spoof wie Siegfried. Es sollte grosse Familienunterhaltung werden.

Sebastian Niemann (SN): Wir haben uns bemüht eine Story zu erzählen, die auch emotional funktioniert. Alle Charaktere sind durchentwickelt. Das Ding ist eine Gespenster-Komödie. Wir erzählen eine Story, die auch Spannung und Romantik hat, und versuchen die mit witzigen Charakteren zu erzählen, die Spass machen und denen man gerne zuguckt.

ON: War Hui Buh immer schon als eine anmierte Figur konzipiert?

SN: Diese Figur hat eine lange Entwicklung durchgemacht. Wir haben selbstverständlich auch daran gedacht, real zu drehen. Wenn man Bully schon mal hat, bietet sich das an. Das Problem ist, wir hatten das Drehbuch analysiert und um die 170 Ereignisse herausgefiltert, die defintiv von einem Menschen nicht zu machen wären. Diese hätte man sowieso mit Effekten machen müssen. In einem Prozess, der ungefähr zwei Jahre dauerte, haben wir diverse Designer dran gehabt und in verschieden Richtungen entwickelt. Es ging los bei Skeletten, ganz kleinen Gnom-artigen Figürchen, noch putziger als er jetzt ist. Zwei Grundsatzentscheide wurden dann getroffen. Ein Totenschädel produziert einfach zu wenig Emotionen, deshalb fiel das Skelett krass durch bei den Tests. Und zweitens gibt es im Film einen wichtigen Twist, wo es entscheidend ist, dass Gespenster so aussehen wie ihre Menschen vor dem Tod. Deshalb haben wir zuerst Ritter Balduin konzipiert und dann ausgehend von ihm das dazugehörige Gespenst.

ON: Wurde in Deutschland schon mal so ein Animationsprozess vollzogen?

SN: Nein. Wir haben mit Bully nicht nur synchronisiert sondern haben während der Synchronisation mit ihm mehrere Kameras aufgestellt, um ihn aus verschiedenen Perspektiven und Blickwinkeln zu Filmen. Als Quicktimes wurden diese Filmaufnahmen zur Vorlage für die Animators und die haben wahnsinnig viel Inspiration daraus gezogen.

ON: Wie kam Hans Clarin zum Projekt?

CB: Wir hatten schon sehr früh erfahren, dass Hans Clarin nicht mehr in der Lage war den Hui Buh zu geben, weil er vor sieben bis acht Jahren schwere Kehlkopfprobleme hatte. Wir wollte ihn aber eigentlich gerne dabei haben und haben damit geliebäugelt, ob er nicht den Kastellan spielen könnte. Wir haben uns aber anderthalb Jahre nicht getraut, ihn zu fragen. Bis wir ihn eines Tages bei "Beckman" oder "Kerner" im Interview gesehen haben, wo er gesagt hat, er würde gerne nochmals in einem grossen Kinofilm mitspielen. Einen Tag später hatte er das Buch auf dem Tisch liegen. Noch einen Tag später hat er zugesagt. Er hatte selber versucht, in den 80er Jahre Hui Buh als Fernsehserie beim Bayrischen Rundfunk durchzubekommen. Deshalb war er sehr glücklich, dass er da nochmal mitspielen konnte.

SN: Das war wie ein Ritterschlag für das Projekt.

ON: Dafür waren die Verhandlungen mit dem geistigen Vater von Hui Bu Eberhard Alexander-Burgh um einiges schwieriger.

CB: Das war ein Auf und Ab, weil er eigene Vorstellungen hatte. Letzendlich war er aber sehr zufrieden mit dem Drehbuch. Aber der ganze Weg mit Konditionen und Spässchen wie die Geldübergabe waren schon schwierig. Er wollte sich eigentlich nicht davon trennen, und hat mir erzählt, dass jedes Jahr etwa zehn Leute antrabten, die es ihm abkaufen wollten. Wir haben aber bewiesen, dass wir den längeren Atem gehabt haben.

SN: Er war halt inhaltlich wirklich daran interessiert, dass es nicht trashig umgesetzt wird, was ja durchaus nachvollziehbar ist. Was wir als alte Hui Buh-Fans nie vor hatten. Man will sich ja selber die Kinderträume nicht zertrampeln.

ON: Hui Buh kennt man in der Schweiz kaum.

SN: Das ist egal, weil man kein Vorwissen braucht. Wir gehen ja auch nicht davon aus, dass wenn der Zuschauer es kennt, alles so auf seiner Festplatte präsent hat. Für die Leute, die es kennen aus der Kindheit, ist es ein Supergeschichte. Für die anderen ist es nicht so schlimm. Beispiel Harry Potter. Auch wenn man die Romane nicht gelesen hat, kann man sich gut die Filme angucken.

ON: Hui Buh 2 soll schon in Arbeit sein.

CB: Wenn der erste Film so ankommt, wie wir hoffen, dann wollen wir eine Fortsetzung drehen, weil wir noch eine grosse Geschichte zu erzählen haben. Sebastian mag es nicht, wenn ich darüber rede, aber es geht diesmal raus aus dem Schloss, rein in den Orient. Ab nach Ägypten. Pyramiden. Pharaonen. Skarabäuskäfer. Das kann nochmal ein ganz neue Ebene aufmachen.

ON: Sind Bully, Christoph und Rick schon eingeweiht?

SN: Natürlich. Diese Idee war auch schon relativ früh entstanden. Ich war natürlich mächtig stolz, als Christian gleich zu mir kam und einen zweiten Teil machen wollte, als er sah, was wir da so zaubern. Das ist natürlich das grösste Kompliment, dass man bekommen kann.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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