Hui Buh - Das Schlossgespenst: Interview mit Michael "Bully" Herbig

Michael Herbig gehört zur Elite der deutschen Comedy-Szene. Den Komiker, den alle Bully nennen (wegen eines Bayern München-Shirts, das er als Kind beim Tschutten getragen hat) kennt man in der Schweiz vor allem seit der ProSieben Comedy-Reihe "Bullyparade". In Deutschland ist er mit Preisen überhauft worden, seit er zusammen mit Markus Langemann bei Radio Gong und Radio Energy in München das, was heute als "lustige Morgenshows" beim Dudelfunk im ganzen Sprachraum gang und gäbe ist, revolutioniert hat. Nach Radio und Fernsehen war der Film für den gelernten Fotografen die logische Folge. Bei Erkan und Stefan führte er erstmals Regie. Der Schuh des Manitu, den er selber schrieb, produzierte und eine Doppelrolle darin übernahm, wurde dann zu einer der erfolgreichsten deutschen Kinoproduktionen mit knapp 12 Mio Zuschauern.

Auch bei der Pressekonferenz in Zürich zum Film Hui Buh - Das Schlossgespenst, in dem Bully einem vom Computer animierten Gespenst die Stimme leiht, blitzte sein komödiantisches Talent auf. Der Müncher war ganz der Clown auf dem Podium und vor der OutNow.CH.-Kamera. Wir haben den Video-Beweis.

OutNow.CH (ON): Wie kam es zu deiner Rolle in Hui Buh?

Michael Bully Herbig (Bully): Mitten in den Vorbereitungen zu (T)Raumschiff Surprise bekam ich das Treatment des Films zu lesen. Ich sagte zu, denn wenn der fertige Film nur ansatzweise so lustig werden würde, wie die ersten Ideen, dann wird das mit Sicherheit ein toller Film. Es war für mich auch mal wieder die Verwirklichung eines Kindheitstraumes. Ich bin sehr gesegnet mit Dingen, die ich früher geliebt habe und ich heute umsetzen darf oder ein Teil davon sein kann.

ON: Wann hast du Hui Buh als Hörspiel das erste Mal gehört?

Bully: Mit sechs - also vor ungefähr zehn Jahren ;-) Ich sass aber nie alleine im Kindergarten, denn ich hab mich doch sehr gegruselt. Wir hatten damals einen Dual-Plattenspieler. Es gab noch Vinyl. Da waren Platten von Hui Buh, aber auch mal Winnetou oder Pumuckel dabei. Den Kobold habe ich oft auch mit Hui Buh verwechselt. Angst hatte ich aber vor beiden. Heute frage ich mich, wieso es das Gespenst schon seit dreissig Jahren gibt, aber noch niemand auf die Idee gekommen ist, es zu verfilmen. Ich bin geschmeichelt, in die Fussstapfen des grossen Hans Clarin treten zu können, der diese Rolle geprägt hatte. Es sollte deshalb auch nie eine Imitation werden. Die Herausforderung bestand darin, das Werk einer neuen Generation näher zu bringen und es vielleicht zu schaffen, dass der eine oder andere Sechsjährige von heute in dreissig Jahren sagen wird, er sei mit Hui Buh und Bully aufgewachsen.

ON: Da Hui Buh animiert wurde, gabs am Set nicht wirklich viel zu tun für dich.

Bully: Ich hatte nur drei Drehtage am Set und dachte mir: "Easy Job." Denn ich musste ja auch nicht Regie führen oder produzieren. Und am Buch habe ich auch nicht mitgearbeitet. Ich war dann aber schon unheimlich neidisch. Die Sets waren wie in diesen alten tschechischen Märchenfilmen, die man ja auch so geliebt hat. Es war unfassbar.

ON: Wir hatten Siegfried, die Sieben Zwerge und jetzt Hui Buh. Woher kommt diese Faszination der Deutschen für das Mittelalter als Hintergrund bei Komödien?

Bully: Für mich hat das viel mehr mit Nostalgie zu tun. Siegfried ist genau wie die sieben Zwerge eine gute Parodievorlage. Da gabs ja auch mal noch Filme wie Manitu oder T(R)aumschiff Surprise. Hui Buh hingegen würde ich nicht als Parodie bezeichen, sondern als Familienunterhaltung und ein richtig lustiger Kinderfilm.

ON: Hast du von den Schwierigkeiten bei den Vehandlungen mit dem geistigen Vater der Hörspielserie, Eberhard Alexander- Burgh, etwas mitbekommen?

Bully: Ja. Ich kann ihn da aber auch verstehen. Wenn du dieses grosse Glück gehabt hast, eine Idee zu haben, die zum erfolgreichsten Hörspiel wurde, und dann kommen nach dreissig Jahre junge Hüpfer angetrabt, die aus deinem Baby einen Kinofilm machen wollen, wird man misstrauisch. Ich kann nachvollziehen, wie man sich nur schwer von etwas lösen kann.

ON: Oliver Pochers Name steht auf dem Poster. Welche Rolle spielt er im Film?

Bully: Ich halte es für einen grossen Fehler, Oliver Pocher aufs Plakat zu schreiben. Ich war selber überrascht. Ich bin ein grosser Freund von Cameoauftritten. Der schönste in letzter Zeit fand ich den von Bruce Willis in Ocean's Twelve. Das finde ich einen gelungenen Cameoauftritt. Hier hat uns aber der Drucker einen Streich gespielt. Ich hätte ihn nicht aufs Plakat genommen. Die Überraschung ist dahin.

ON: Zum Schluss gebe ich dir ein paar Stichworte, und du sagst mir assoziativ, was dir dazu in den Sinn kommt.

Bully: Oh. Ein Psychospielchen.

ON: Hans Clarin

Bully: Legende. Jugend. Nostalgie. Es war ein grosse Ehre, ihn kennen gelernt zu haben. Er hat seinen Segen für das Projekt gegeben und selber mitgespielt. Ein grossartiger Schauspieler.

ON: CGI

Bully: Eine Leidenschaft. CGI ermöglich jedem Regisseur, seine Visionen ein Stück weit Wirklichkeit werden zu lassen. Ein kleines Eldorado für Filmemacher, wenn man es sich leisten kann.

ON: Gespenster

Bully: Huch. Ich hatte lange Zeit Angst vor Gespenstern und bin auch, immer wenn ich in ein Hotelzimmer gekommen bin, erstmal sehr vorsichtig reingetippelt und habe hinterm Vorhang, unterm Bett und in die Minibar geguckt. In die Minibar meist länger und dann eingeschlafen. Nach diesem Film bin ich aber therapiert, habe heute einfach das Problem, dass ich ein bisschen erschrecke, wenn ich in den Spiegel schaue, weil Hui Buh ja eine gewisse Ähnlichkeit mit mir hat.

ON: Pro Sieben

Bully: Ein Privatsender. Ermöglichte mir die Bullyparade. Nette Leute.

ON: Randgruppen

Bully: Ich!

ON: Lissi und der Wilde Kaiser

Bully: Meine nächste Grossproduktion. Ich bin mittendrin. Full-CGI - wie man so schön sagt - ganz in der Tradition von Shrek. Ein wahnsinnig aufwändiges Projekt. Nächstes Jahr im Kino. Und hoffentlich haben die Leute genauso viel Spass beim gucken, wie ich beim machen.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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