The Conspiracy: Interview mit Simon Sturzenegger & Andreas Schmid

Simon Sturzenegger und Andreas Schmid sind zwei Thurgauer, noch nicht einmal zwanzig Jahre und schon erfahren mit Weltpremieren der eigenen Filmproduktionen. Vor drei Jahren feierte der 60-minütige Action-Thriller Operation: Black Eagle Premiere in der Bürgerhalle Tägerwilen bei Kreuzlingen. Letzten Freitag war das neueste Werk der beiden dran: der Polit-Thriller The Conspiracy. Dazwischen lagen Monate, in denen hunderte Mails an alle Firmen in der Region gingen, um Geld aufzutreiben, und praktisch jedes Wochenende Dreharbeiten anstanden. Verfolgungsjagden auf eigens abgesperrten Strassen, Aufnahmen mit Helikoptern und auf Schnellbooten und Zutritt zur St. Galler Gerichtsmedizin lassen sich nicht organisieren ohne die nötige Ausdauer und reifliches Talent. Was die beiden ohne Zweifel haben. Vor einem Publikum, das aus Schulfreunden und stolzen Eltern bestand, zeigen die beiden ihre Qualitäten als Showmen in smarten Anzügen und profimässig hinter den Ohren fixierten Mikrofonen. Souverän führten sie durch den Abend im Gemeindehaus und stellten sich genau so professionell wie beim Filmemachen den Fragen der Medien nach der Vorstellung. Auch OutNow.CH düste nach Thurgiwood.

ON: Wie fühlt man sich nach der Weltpremiere von The Conspiracy?

Andreas Schmid (AS): Zuerst einmal gelöst, aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie man so schön sagt. Wir waren gespannt, wie viele Leute auftauchen würden. Unsere Erwartungen wurden übertroffen. Der Saal war voll. Die ersten Rückmeldungen sind positiv. Den Leuten hat es gefallen. Eine Riesensteigerung zum letzten Film.

ON: Operation: Black Eagle hiess der. Würdet ihr euch noch trauen, den zu öffentlich zu zeigen?

AS: Nein. Man muss deutlich sagen, dass es ein Jugendprojekt war. Ein Projekt, das man gerne guckt mit denen, die es mit uns gemacht haben. Aber zeigen wollen wir ihn nicht mehr.

ON: Es hiess eigentlich mal, dass der Film im Frühling 2004 Premiere feiern sollte. Warum hat es so lange gedauert?

Simon Sturzenegger (SS): Wir hätten ihn gerne schneller abgedreht. Es haben aber viele Jugendliche, welche praktisch alle noch in Ausbildung sind. Dann kann man nur am Wochenende drehen und sobald es mehr als drei Leute sind, wird es kompliziert. Wir hatten Riesenszenen mit bis zu 90 Statisten. Es hat sich aber auch teilweise aus finanziellen Gründen herausgezögert.

ON: Bei Operation: Black Eagle wart ihr acht Leute. Wieviele davon waren auch beim neuen Film noch dabei?

AS: Alle sind noch dabei. Die wollten wir mitnehmen. Alle bist auf zwei waren kurzfristig als Schauspieler dabei oder haben sonst im Hintergrund irgendwie geholfen.

ON: Habt ihr irgendwann mal daran gedacht, Profischauspieler zu engagieren?

AS: Als wir mit 16 Jahren anfingen, stand es noch nicht zur Diskussion, weil es wohl keine ausgebildeten Schauspieler gibt, die uns als Regisseure akzeptiert hätten. Mit der Zeit merkten wir, dass das grösste Manko die Schauspielerei ist. Technisch würde es schon gehen, dachten wir. Für uns ist deshalb klar, dass wir, falls es wieder etwas geben sollte, zumindest mit Leuten arbeiten werden, die eine Schauspielausbildung durchlaufen, und sich vielleicht dafür interessieren könnten.

ON: Marco Rima war mal interessiert. Stimmt das?

AS: Simon hat ihn an einer seiner Shows einmal angesprochen. Er hätte eine Statistenrolle eingenommen als Gag, wenn er Zeit gehabt hätte. Wir schauen noch, ob er an die Premiere kommen könnte in Weinfelden.

ON: Was brachte aus eurer Sicht die Sponsoren dazu, bei euch mitzuwirken?

AS: Am Anfang hatten wir noch nichts zum zeigen. Wir konnten nur sagen, was wir machen werden. Deshalb war es zu Beginn eindeutig der Jugendbonus. Wir konnten von Fonds für Jugendliche profitieren. Gegen Schluss konnten wir vor allem mit dem Trailer Leute begeistern.

SS: Es ist einfach eine Tatsache, dass die Gesellschaft die Jugend oft im Rumhängen, Rauchen und Kiffen assoziiert. Wir bekamen deshalb oft das Feedback, dass es eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung sei, was wir machen. Bei den Firmen musste oft der regionale Bezug da sein. Banken aus anderen Kantonen benutzen oft diesen Grund für eine Ablehnung. Leider merkten wir auch, dass der Sport viel eher unterstützt wird als die Kultur. Trotzdem muss man sagen, dass in anderen Ländern so was wohl nicht möglich gewesen wäre.

ON: Der Film entstand während der Schule. Hatte es eigentlich Auswirkungen auf die schulischen Leistungen?

AS: Ich war in der Schule eher einer der sich sagte, ich schau mal wie's kommt. Ich war kein schlechter Schüler, aber ich könnte sicher mehr leisten. Bei mir waren's 50 Prozent für den Film und 50 Prozent für die die Schule, und ich schaute, dass beides miteinander ging. Es ging zum Glück.

ON: Vorbilder sind Mist. Trotzdem möchte ich gerne wissen, bei welchem Regisseur du besonders stolz wärst, wenn er euch für The Conspiracy loben würde?

AS: Dazu mochte ich eigentlich nichts sagen. Wir haben uns mit Mike Eschmann getroffen. Er war sehr sympathisch. Achtung. Fertig. Charlie! ist als Parodie auf die Schweizer Armee ein grosser Erfolg gewesen, aber als Film hat er mich nicht so sehr begeistert. Deshalb kann ich kein Vorbild nennen.

ON: Habt ihr jemals überlegt, etwas anderes zu machen als einen Thriller?

SS: Eigentlich sollte der Film eine reine Komödie werden. Wir haben beim Ausarbeiten der Texte aber gemerkt, dass es unmöglich war für uns psychologisch auch etwas tiefere Gags zu kreieren. Deshalb wurde es dann ein Thriller.

ON: Wie geht es weiter mit dem Film? Läuft er auch ausserhalb vom Kanton Thurgau?

AS: Wir haben die ganze Ostschweiz abgedeckt. Es sind auch in Konstanz Vorführungen geplant. Wir versuchen so weit wie möglich mit dem Film herumzukommen.

ON: Was passiert mit eurer Firma Atec, jetzt wo ihr in die RS müsst?

AS: Wir sagen uns immer, dass wir uns Atec warm behalten werden und kleinere Auftragsarbeiten annehmen werden. Ob's mal wieder etwas Grösseres geben wird, steht noch in den Sternen.

ON: Folglich sind noch keine Projekte beim Bund oder SF DRS eingereicht worden?

AS: Nein.

ON: Zum Schluss unsere Pop-Up-Fragen.

Beide: OK

ON: Statisten

AS: Leute, die man mit null Geld locken können sollte und die extrem ungeduldig sind.

SS: Laut. Schwer zum suchen, aber man kann sie begeistern.

ON: Bester Schweizer Film aller Zeiten.

AS: Wie hiess der noch mal. Etwas mit Havanna mit Victor Giacobbo.

SS: Das ist schwer. Ich kenne so wenige. Ich würde Die Schweizermacher sagen.

ON: Ikegami oder Canon?

AS: Ikegami

SS: Beides sind gute Marken.

ON: Strellson Anzüge

AS: Schön.

SS: Gute Anzüge. Grossartiger Sponsor. Allerdings nur durch Vitamin B ;-)

ON: Actionfilme

AS: Unser Genre

SS: Viel Action, oft wenig Story.

ON: OutNow.CH

AS: Superseite. Herzlichen Dank.

SS: Gute Site. Gute Reviews und interessant für Leute, die schauen was sie schauen.

ON: Danke vielmals

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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OutNow.CH