Snow White: Das Interview mit Michael Sauter

Als Michael Sauter noch ein bisschen dünner war, schrieb er CD-Kritiken für den Zürcher Toaster und bemerkte dabei in einer Besprechung zu Limp Bizkits "Significant Other", dass der Crossover erfunden wurde, als der erste Mann der Welt, die erste Frau der Welt bestieg. Alles Folgende war nur eine Variation desselben Themas: Man nehme zwei Dinge, von denen eines etwas hat, das dem anderen fehlt, und überlasse es sich selbst. Die Drehbuchproduktion in der Schweiz scheint mittlerweile auch ihm alleine überlassen zu sein. Neben Snow White haute er auch in die Tasten für Mein Name ist Eugen, den Swissair-Film Grounding und arbeitet jetzt an Breakout, dem "Knastmusical" mit Melanie Winiger. Kein Wunder traf OutNow.CH schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen auf den Drehbuchautor, um ein Interview zu führen.

OutNow.CH (ON): Stichworte: Milieu. Goldküste. Drogen. Wie bist du die Recherche angegangen für Snow White?

Michael Sauter (MS): Ich bin logischerweise auch schon im Kaufleuten gewesen. Zürich ist klein und man kennt deshalb schnell einmal Leute, die in diesem Kuchen rumsitzen. Ich kenne auch Leute von der Goldküste. Der Rest ist erfunden.

ON: Das Drehbuch wurde zusammen mit Samir verfasst. Wie verlief die Zusammenarbeit?

MS: Er hatte die Idee und mich dann an Bord geholt. Er hatte eine Story. Daraus habe ich ein Buch geschrieben, von dem wohl nichts mehr im Film zu sehen ist. Dann haben wir es zusammen besprochen, und ich habe es dann geschrieben. Wir haben uns sehr häufig getroffen. So etwa im Abstand von zwanzig Seiten.

ON: Was heisst, es ist nichts mehr davon im Film zu finden?

MS: Das ist immer so. Vielleicht blieb noch ein Satz.

ON: Was man jetzt auf der Leinwand sieht, ist aber immer noch von dir?

MS: Ja. Ja. Ganz klar. Ich kann mich aber wirklich nicht mehr daran erinnern, wie die erste Fassung war. Aber sie ist immer besser geworden.

ON: Die Dialoge im Film sind zweisprachig. War es schwierig so was zu schreiben? Der französische Sprachrhythmus ist ja nicht ganz derselbe wie im deutschen.

MS: Ich kann eh kein Französisch und habe einfach alles auf Deutsch geschrieben.

ON: Was sollten diese Datumsangaben im Film? Das gab dem Film so einen Reality-Touch wie bei Aktenzeichen XY ungelöst.

MS: (er lacht) Das musst du Samir fragen. Das ist eine Frage des Schnittes.

ON: Und das mit dem in die Kamera reden der Figuren?

MS: Das ist auch Samir. Ich muss es so sagen. Er hat mich wegen Strähl an Bord geholt (Sauters erstes Drehbuch für Samirs Produktionsfirma Anm. d. Red.). Für mich ist Samir heute noch ein Gott. Dann haben wir lange darüber diskutiert, was das für ein Film werden sollte. Er hat von Anfang an gesagt, er wolle ihn machen, wie er will. Der Film sollte eine relativ offene Form haben. Das Buch musste die Grundlage bilden, dass der Film rein dramaturgisch wasserdicht wurde. Wir haben uns dann auch französische Avantgarde-Filme angeguckt und Oliver Stone und was weiss ich noch alles. All diese Mätzchen sind deshalb nicht im Drehbuch gestanden, aber trotzdem beabsichtigt.

ON: Auch der Schnittscherz beim Spaghetti Kochen?

MS: Es ist halt ein Kunstfilm. Bis zu einem gewissen Grad auch ein Gemisch. Das Buch ist letztendlich komplett konventionell. Aber er macht halt Sachen, die man im Unterhaltungsfilm nicht macht. z.B. Beispiel komplett redundante Sachen, das jemand etwas erzählt, das man auch noch sieht. Das ist im Prinzip ein Tabu. Wir fanden, wir machen das jetzt einfach.

ON: Wie bist du mit dem Product Placement umgegangen? Musste das einfach sein und es fanden sich dann schon Stellen, wo es passen würde, oder waren das Knacknüsse?

MS: Es hat sich so ergeben. Ich habe schon schlimmere Erfahrungen mit Product Placement gemacht. Da wurden ganze Dialoge rund ums Produkt geschrieben: Ich nehmen noch ein Eichhof. Da ist ihr Eichhof. Mmmh, ein Eichhof so fein! Solche hat es ja nicht drin bei Snow White.

ON: Zum Schluss stell ich dir noch unsere Pop-Up Fragen.

MS: Ja. Sag die einfach.

ON: Coci

MS: Wie alles was lässig ist, ist es auch ein bisschen mühsam, wenn man den dosierten Umgang damit nicht hat.

ON: Schneewittchen

MS: Der Titel vom Film, ein tolles Märchen und ein ganz interessanter Disneyfilm. Mein Titel für den Film wäre eigentlich "Schneeflittchen" gewesen.

ON: Schwamendingen

MS: Das war ganz lang ein komplett biederes und mühsames Quartier gewesen. Langsam ist es aber die Projektionsfläche vom Dschungel in Zürich.

ON: Kaufleuten

MS: Das Kaufleuten ist der einzige Ort in Zürich, wo du rein gehen und den Leuten den Drink wegsaufen kannst und keines auf die Fresse kriegst.

ON: Dschoint Ventschr

MS: Das ist DER Indie-Gigant in der Schweiz.

ON: OutNow.CH

MS: Sorry, ich kenne es einfach zu wenig.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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