Kebab Connection: Interview mit Nora Tschirner

Wir trafen die coole Nora zu einem sehr langen und lusten Gespräch.

Nur einmal durften berühmte Menschen auf das Cover der NEON, die Zeitschrift für Twens aus dem Hause Stern. Bei der allerersten Testausgabe im Sommer 2003. Der Grund war die Liste der "100 wichtigsten jungen Deutschen". Bekloppte Listen und Promis gibt's seither bei NEON nicht mehr. Neben ihrem Berufskollegen Benno Fürmann kam damals die Berliner Schauspielerin und MTV-Moderatorin Nora Tschirner zu Titelblatt-Ehren. Die Elftplazierte in der Liste kann sich noch sehr gut an die "sehr subjektive" Auswahl der Redaktion und das Cover erinnern. Ich sah aus wie "Che Guevara nach dem Umbau", sagt Nora als OutNow.CH sie darauf anspricht.

Dabei ist doch jede VJane dieser Welt eine Augenweide, ob sie nun aus Chur, Tirol oder Lübeck stammt. Deshalb stellt sich die Frage der Tauglichkeit zur Traumfrau bei Clip-Ansagerinnen erst, wenn sie den Mund aufmachen. Noras charmantem Umgang mit der Sprache kann man sich nur sehr schwer entziehen. Nur mit Berliner Schnauze allein ist es bei ihr nicht getan. Sie hat eine Art Privatsprache entwickelt, die einzigartig ist, aber trotzdem verstanden wird. Und welcher andere Videojockey hat es schon zu einer im Internet abrufbaren Zitatesammlung gebracht?

OutNow.CH (ON): Bei uns auf der Site gab es einen Wettbewerb, bei dem man Tickets für die Premiere zu deinem neuen Film gewinnen konnte. Doch leider hatte keiner alle drei Antworten richtig hingekriegt. Mal gucken, ob du das schaffst.

Nora Tschirner (NT): Das find ich ja gross. Was gab es denn zu gewinnen?

ON: Ein Treffen mit dir.

NT: Da bin ich aber mal gespannt, was ihr gefragt habt.

ON: Die erste Frage war, welche MTV-Sendung Nora Tschirner heute noch moderiert? Wir hatten die Optionen: TRL, Pimp My Ride, brand:neu und Ulmens Auftrag.

NT: Ulmens Auftrag. Ich weiss es! Spitze, ich kann Nora Tschirner treffen, wenn ich noch zwei Fragen beantworten kann. Die meisten haben wohl TRL gesagt.

ON: Erstaunlicherweise kam Pimp My Ride sehr oft.

NT: Das ist der schwarze Mann mit den geflochtenen Haaren. Ich weiss, wir werden aber oft verwechselt. Aber der heisst Xzibit und ich heiss Tschirner. Das ist einfach ein Unterschied.

ON: Wie heisst der Kebab Stand in Kebab Connection? Toller Türke, King of Kebab, Döner Diele oder Anatolian Avenue?

NT: Da haben bestimmt alle Anatolian Avenue gesagt. Ich würde sagen King of Kebab.

ON: Dann haben wir noch gefragt, wo das Döner, wie wir es heute kennen, im Fladenbrot und mit Sauce, erfunden wurde? In Berlin, Zürich, Izmir oder Istanbul?

NT: In Berlin.

ON: Ja.

NT: Darf ich mich jetzt treffen?

ON: Natürlich. Du kannst ins Kino gehen und einen Spiegel mitnehmen!

NT: Juhu.

ON: War das wirklich schwierig?

NT: Ja, das denkt man sich nicht so mit dem Döner. Auch die erste Frage war tatsächlich schwer, weil da kein Mensch durchblickt.

ON: Man sieht dich nicht mehr oft bei MTV.

NT: Genau. Ihr hättet die News noch rein nehmen können. Die mach ich im Moment gerade. Dann hätten sie vielleicht eine Chance gehabt.

ON: Es darf halt nicht zu einfach sein, dich zu treffen. Hast du eigentlich immer noch keinen Fernseher?

NT: Ich habe einen Fernseher und ich hatte zwischendurch auch mal einen Anschluss. Den habe ich jetzt aber nicht mehr. Man hatte, glaub ich, "einen Monat frei angucken", bevor man den Kabelservice anrufen musste. Dann haben wir Fernsehen geguckt. Aber als es aus war, war ich viel zu faul, um zu recherchieren, wie das wieder geht. Ich guck ja auch schon Fernsehen - bei meiner Mutter oder bei Freunden. Aber ich komme tatsächlich wenig dazu. Ich gucke lieber DVDs und Videos.

ON: Einen Bildschirm hast du also mittlerweile?

NT: Genau. Das ist ja der grosse Vorteil zu früher, wo ich gar nichts hatte.

ON: Ohne Fernseher und als Kind der DDR und später der BRD kennst du das originale MTV mit den englischsprachigen VJs noch?

NT: Ja. Ich kenne natürlich Ray Cokes und die Phase mit Eden und all den Hübschen und Wunderbaren. Als es noch MTV Central hiess. Das kenn ich noch und die fand ich schon supercool die Leute.

ON: War denn VIVA jemals eine Option?

NT: In der Zeit als ich zu MTV gekommen bin definitiv nicht. Da wäre ich auch nicht zum Casting gegangen. Aus der heutigen Sicht ist es für mich so, dass ich bei dem Sender arbeiten möchte, der mir die grösstmögliche Freiheit garantiert. Da hat MTV definitiv die Nase vorn im deutschen Fernsehen. Ich habe ihnen eine Menge zu verdanken. Man lässt mich ganz viel machen. Aber so was wie Sarah und Charlotte läuft ja auch bei VIVA.

ON: Die Namen musst du vielleicht ein bisschen erklären. Die Damen sieht man nicht im Schweizer Ableger von VIVA.

NT: Sarah Kuttner? Echt nicht? Oh, da habt ihr aber was verpasst. Sarah Kuttner ist eine Freundin von mir, die in allererster Linie aber eine wunderbare Moderatorin ist. Sie hat auch ganz normal angefangen, als VIVA-VJ-Nachmittagsfrau, aber ist einfach intelligenzmässig schon ziemlich vorne weg. Jetzt hat sie seit einiger Zeit ihre eigene Late Night Show. Ein echtes und vielbeachtetes Highlight in der deutschen Medienlandschaft. Charlotte Roche kennt ihr aber schon?

ON: Die kennt man eher.

NT: Sagens wir es mal so. Die Option zu VIVA zu gehen, stand irgendwann mal nicht mehr. Aber von der Sache her, gab es eine Zeitlang keinen grossen Unterschied mehr.

ON: Was fasziniert dich am Moderationsjob? Stars treffen? Den Kopf in der Glotze haben?

NT: Mich fasziniert die Arbeitsweise dort. Nicht jede Art von Moderation würde mich reizen. Dass ich das mache, was ich eigentlich den ganzen Tag mache. Impulse aufzugreifen und dann blöde oder auch okaye Witze zu machen, Sachen zu hinterfragen und auf die Schippe zu nehmen, zu improvisieren und zu interagieren mit Leuten, hauptsächlich meinem Team. Also mit Leuten, die ich kenne und die ich gerne zum lachen bringen will. Das macht mir daran am meisten Spass. Und mich über Videos lustig machen.

ON: Es werden immer weniger Videoclips gezeigt. Trägst du da eine kleine Mitschuld, weil du dich immer darüber lustig gemacht hast?

NT: Ich hoffe es nicht. Aber es ist ja auch so, dass ich mich schwer tue, zu sagen, das ist ja eine total störende Entwicklung für mich persönlich, weil im Format, das ich mit Christian Ulmen zusammen mache, läuft ja auch keine Musik. Wir haben überhaupt nichts mit Musik zu tun.

ON: Ihr sagt einfach, jetzt kommt ein Clip von einer Band.

NT: Nee. Wir sagen mittlerweile gar nichts mehr an, da wie gesagt speziell bei uns keine Clips mehr gespielt werden. Aber ich finde die Entwicklung schon traurig. Es war ja schon schade genug, dass es keine alten Videos mehr gab. Weder die von vor fünf noch die von vor fünfzehn Jahren. Das fehlt mir. (Mit Unschuldsmiene) Aber ich bin nicht schuld. Nein. Ich habe nur die Klingeltöne erfunden. Sorry noch mal.

ON: Wie stehst du denn zur Fusion der Mutterkonzerne von VIVA und MTV?

NT: Mich tangiert es nicht so wirklich, da ich keine regelmässige Show habe, die in irgendeiner Weise gefährdet ist. Und Ulmens Auftrag wird es weiter geben. Aber es hat eben schon viel Personalabbau gegeben. Mich bedrückt es insofern, als dass es viele Kollegen betrifft. Lange war nicht klar, wer wo gehen muss. Jetzt hat es hauptsächlich VIVA getroffen. Da kenn ich nicht so viele Leute. Aber traurig finde ich es natürlich trotzdem. Inhaltlich habe ich die Hoffnung, dass es vielleicht wieder eine stärker abgegrenzte Positionierung gibt. Was ich zum Beispiel eine schöne Sache bei VIVA finde ist, dass es wieder spezifizierte Musiksendungen gibt dort wie z.B. Heimatmusik. Aber diese Möglichkeit sehe ich, durch eine grössere Vernischung eventuell wieder ein bisschen spezieller werden zu können und dann Formate aufzubauen, die in der Art kaum noch laufen konnten, weil sich die Sender unter Konkurrenzdruck einander immer mehr aneinander anpassen mussten. Grundsätzlich finde ich es aber immer gut, andere Leute aufzukaufen um sie dann rauszuschmeissen. Mach ich ja auch privat so, ne.

ON: Das faszinierende an dir ist, dass du, auch wenn du zu anderen Leuten in die Show gehst, immer auch intellektuell amüsant bist. Seien das nun Blödeleien wie TV-Total oder seriösere Sachen wie Kerner oder 3 nach 9. Woran liegt es, dass du in den verschiedensten Sendegefässen funktionierst?

NT: Du hast auch wieder Sendegefäss gesagt! Da ist es wieder: Mein schweizerisches Lieblingswort. (Sie wendet sich an die Bedienung mit ihrem Glas in der Hand). Könnten sie mir vielleicht mein Sendegefäss - hier so mit Sprudel. Danke.

ON: Wieso klappt das bei dir so toll?

NT: Weil ich einfach ein sehr kluger Mensch bin. (Sie lacht). Nein, der springende Punkt ist vielleicht, dass mir Kameras nichts ausmachen. Ich kann vor der Kamera eigentlich im relativen Sinne so sein, wie ich im Leben bin. Im Leben sind wir aber alle so. Du bist mal bei der Familienfeier und bist da ganz ernst und machst nicht ständig fiese Witze und dann gehst du mal zu Freunden und machst den ganzen Abend nur Schwachsinn. Würde ich dich dabei filmen, würde dich das wahrscheinlich manipulieren. Menschlich gesehen ist wohl normal, dass man so ist. Der Unterschied ist bei mir am aller ehesten, dass mich Kameras nicht verändern, weil ich kein Problem mit ihnen hab. Also eine Anomalie. Wahrscheinlich die Symptome einer seltenen Krankheit.

ON: Kennst du den Begriff der Panelexistenz?

NT: Nee, aber klingt gross.

ON: Das sind die immer gleichen Leute, die auf den verschiedensten Sendern in Shows wie Die 100 dümmlichsten Klingeltöne... oder Deutschlands grosser IQ-Test auftreten.

NT: Dieser Inzesthaufen?

ON: Du bist nie so eine geworden, obwohl du eben nichts gegen Kameras hast. Musstest du dich dagegen wehren? Hast du da Anfragen bekommen?

NT: Jaaaa!

ON: Warum bist du trotzdem nie hingegangen?

NT: Ach so. Das kommt von Pendel, zwischen den Sendungen hin und her pendeln.

ON: Nein vom englischen Wort Panel für Gremium. Weil die Leute sitzen dann dort auf dem Podium und geben ihren Senf zu irgendwas ab.

NT: Ach ja... Englisch. Sowieso eine Sprache, die ich schon immer mal lernen wollte. Das wäre so schön gewesen. Es ist auch schön, dass du sagst: "Du bist nie so eine geworden". (Sie verstellt die Stimme mit nasalem Hochmut.) Ja gut, in meiner siebzigjährigen Karriere gab es sicherlich, das eine oder andere Mal, die Gefahr, da hineinzugeraten. (Wieder ernst.) Ich sitze davor, wenn ich das sehe, und frage mich so Sachen und finde es nicht angenehm. Und wenn man es schon bei anderen blöd findet, fällt die Entscheidung, es nicht selber zu machen, relativ leicht.

ON: Was sind das für Sachen?

NT: Es gibt so einen komischen Effekt, so einen Sog. Wenn du einen Grossteil deiner Lebenszeit in diesen, nun ja, Sendegefässen verbringst, verengt sich eben dein Horizont. Übrigens nicht nur bei diesen Comedyshows. Es ist dann schwer über den Tellerrand des Blablas hinauszuschauen. Man fängt an, Aussagen zu treffen, die nicht mehr auf dem alltäglich Erlebten, der Realität fussen, sondern maximal auf den Erfahrungen der letzten Auftritte derselben Art. Man beginnt, im eigenen Saft zu schmoren. Es geht nur noch darum, sich an Gewitztheit zu übertreffen. Das kann schnell zur Sucht werden, hat aber mit dem Leben nicht mehr viel zu tun. Es entsteht eine mediale Parallelwelt. Dabei geht es wie gesagt nicht nur um die üblichen Verdächtigen wie Jenny Elvers oder so. Die macht ja mittlerweile schon viele andere Sachen und spielt Theater. Aber lange Zeit war sie ein Paradebeispiel. Es passiert auch bei Politikern und wirklich intelligenten Leuten, die den Kontakt zur Welt verlieren, weil sie nur noch damit beschäftigt sind, von einem Sabine-Christiansen Auftritt zum nächsten zu stolpern. Man kann geradezu dabei zusehen, wie sie, was Inhalte angeht, stagnieren und plötzlich zu Hohlköpfen mutieren. Dann ist fremdschämen angesagt. Ich frag mich dann, brauchen die das, sind die davon abhängig, müssen sie das machen? Wann leben die denn mal wieder richtig? Ich will mich ungern in diese Abhängigkeit begeben, mich füllt das nicht aus. Ich mach, wenn's mich interessiert und ich Lust drauf hab, jeden Unsinn mit, auch mal so ein Sendeformat. Die Gefahr entsteht erst durch die Masse und ist auch für mich während jeder dieser geballten Promo-Phasen sehr greifbar. Auch in diesem Moment. Ich mache schon seit Wochen Interviews für den Film. Irgendwann gibt es aber im besten Falle mal den Punkt, wo du anfängst, dich extrem selber in Frage zu stellen und vielleicht ein bisschen dafür zu hassen, dass du zur Zeit nur aus Antworten anstatt aus Fragen bestehst. Das ist zwar unangenehm und ich fange dann kurz an, meinen Beruf verteufeln. Andererseits ist dieser Moment immer auch sehr heilsam. Wenn man aber auf Dauer in so einem Promi-Pool zusammen hängt, läuft man wahrscheinlich Gefahr, diesen Punkt zu verpassen. Man merkt vielleicht, das was nicht stimmt, weiss aber nicht woran es liegt und kann es auch viel schneller verdrängen, und fühlt sich legitimiert, weil ja da noch diese anderen zehn geschätzten Kollegennasen rumhängen, die anscheinend prima mit dieser Art Leben klar kommen. Sind ja schliesslich Promis. Können also kaum irren. Ich hätte Angst vor solch einer Spirale. Ich mag die Welt ausserhalb der Studios immer noch mehr und bin lieber mit meinen Freunden zusammen, die ich nicht zwangsläufig nur aus dem Fernsehen kenne.

ON: Ist somit sich selber bleiben schwierig im Medienbusiness? Oder kann es sogar zu einem Problem werden?

NT: Es ist wirklich eine Zeitfrage. Egal in welchem Beruf du jetzt arbeitest. Ich habe immer zwischendurch viele freie Spitzen. Aber wenn man sehr viel hintereinander arbeitet und alles einander anschliesst, verliert man leicht den Überblick. Da ich aber die Gefahr kenne, versuche ich eben solche Phasen zu vermeiden oder zeitlich eindeutig abzugrenzen. Es gibt natürlich auch bei mir so Stosszeiten von zwei Monaten, wo ich extrem viel arbeite. Wie jetzt zum Beispiel. Ich habe da die Newsvertretung gemacht vom Markus Kavka, kam gerade vom Drehen in Kanada und mach jetzt die Kebab Connection Promo. Da wird es schwierig. Ich sehne mich jetzt schon danach, mal wieder alleine nach sonst wo zu fahren, um mich ein wenig zu erden. Die Gefahr besteht aber auch in anderen Berufen, wenn du nicht mehr hinter her kommst, Sachen zu erleben, zu verarbeiten und ins richtige Verhältnis zu setzen zu dem allgemeinen Leben auf dem Planeten.

ON: Ein Etikett, das man dir mal verpasst hat, war das des "coolsten Mädchens der Republik".

NT: Ha! Genau. Ich hoffe doch, dass das auch noch so geblieben ist, obwohl Joy jetzt da ist, höhö. (Die von schnappenden Krokodilen singt. Anm. d. Red.)

ON: Aber es kann ja nicht ewig so bleiben. Vom Alter her ist dann irgendwann mal Schluss mit Mädchen und cool sein ist auch nicht einfach, weil das sich sowieso alle 15 Minuten ändert. Wie lebt sich mit diesem Etikett?

NT: In diesen Stosszeiten mit viel Arbeit wird es schwierig, wenn man nur noch von aussen über sich selber was erfährt, und nicht mehr darüber nachdenken kann. Wenn einem nur noch Zeitungsartikel über einen selber um die Ohren fliegen, und man meint, ach ja das stimmt dann wohl. Aber da dies nicht meine hauptsächlichen Lebenszeiten sind, muss ich sagen, dass mir das relativ Wurscht ist. Weil ich war irgendwann so und so, dann gab es dieses Etikett. Ich werde mich irgendwann ändern und die Leute müssten dann etikettmässig halt nachziehen, wenn sie denn wollen. Falls man mir im Jahre 2025, immer noch das Etikett des coolen Mädchens anhängt, ist das wohl eher mein Problem. Ich kann es mir aber kaum vorstellen. Man ändert sich eben. Da werden sich die Herrschaften der Journalistenschar wohl mit abfinden müssen. Oder eben nicht, auch egal, davon ist mein Leben nicht abhängig. (Mit schnoddrige Stimme) Find's aber cool, oder was. So geil, ne. Ich bin so voll das coolste Mädchen der Republik. Könnt ich auch das coolste Mädchen aus der Schweiz sein so zum Blödsinn? (wieder normal) Hat man bei euch eigentlich Schnappi auch gehört, das furchtbare Mistvieh? Ich möchte mich nochmals entschuldigen.

ON: Mein dreijähriger Neffe findet es toll.

NT: Dreijährig. Das ist immer das Problem mit dem Geschmack.

ON: Von dir kommt ja der wunderbare Spruch, man denke immer, man sei fertig als Mensch und dann lerne man immer noch was dazu. Was hast du im letzten Jahr gelernt?

NT: Viel. Ich hab gelernt... (Sie flüstert.) Oh jetzt wird's privat. Ich muss mal überlegen, damit ich mich jetzt nicht in die Nesseln setze. Ich habe gemerkt, dass ich gut alleine sein kann, dass es aber auch nicht immer gut ist, alleine zu sein. Dass man sich verbindlich zeigen muss, auch wenn es um den Beruf geht. Dass ein gewisser Grad von Professionalität auch bei mir nicht unangebracht ist. Viele viele Sachen, die gut und wichtig waren. Und halt Türkisch.

ON: Türkisch ist das Stichwort. Reden wir noch ein bisschen über Kebab Connection. Erzähl unseren Usern ein bisschen von Titzi? Was ist das für eine Figur?

NT: Tjaaaa. Das ist ein junges Mädchen, das Schauspielerin werden will und sich gerade auf die Schauspielschule vorbereitet. Sie ist mit einem wunderbaren türkischen Mann zusammen, der den Traum hat Kung-Fu-Film Regisseur zu werden. Kennen wir ja alle, na? Diese beiden Herrschaften sind so lange kreativ und glücklich zusammen bis eines Tages klar wird, dass Titzi schwanger ist. Und so gibt es dann Probleme, weil ihr Freund sich weniger comittet, als ihr lieb ist und sein Vater sich von der Idee einer deutschen Schwiegertochter wenig begeistert zeigt. Ausserdem gibt es bei Kebab Connection jede Menge Konflikte zwischen Türken und Griechen, Frauen und Männern, Töchtern und Müttern, Fäusten und Köpfen, Füssen und Genitalbereichen. Ich weiss nach dem ganzen Gequassel gerade überhaupt nicht mehr ob diese Inhaltsangabe für irgendjemanden Sinn macht. Mist. Aber ich weiss was: Googelt das mal! Wenn ihr schon im Internet seid und hiermit fertig, könnt ihr das mal googlen unter "der Nora ihr neuer Lieblingsfilm".

ON: Oder die OutNow.CH Kritik lesen.

NT: Genau.

ON: Dein letzter Film Soloalbum, lief leider nie in den Schweizer Kinos. Ist die Katharina, die du dort gespielt hast, nicht ein bisschen ähnlich gewesen? Wieder so eine Frau...

NT: ...die immer nur in der Ecke steht und quengelt: Oh ist ja lustig, aber können wir uns jetzt auch mal aufs Leben konzentrieren? Nee, find ich nicht.

ON: eher ...die mit ihren Männern nicht klarkommt, weil die Kindsköpfe sind?

NT: Nee, finde ich nicht. Ich finde schon, dass die Männer die Beziehungen sehr unterschiedlich sind. Mein Respekt für Titzis Verhalten übersteigt zum Beispiel schon mal ein wenig den für Katharina. Es ist wirklich eine andere Art zu spielen gewesen. Ich lerne ja auch dadurch, dass ich spiele. Es wird sicher der Zeitpunkt kommen, wo ich mein Repertoire so erhöht habe, das ich wirklich völlig unterschiedliche Sachen spiele. Aber im Moment bewege ich mich lieber in kleinen Schritten weiter. Titzi hat Power im Hintern. Katharina weiss zwar, was sie will, ist aber eher zurückgenommen. Irgendwie auch so die entspanntere Fraktion. Titzi geht schon durch die Decke. Sie sehen halt beide aus, wie ich. Das verwirrt dich vielleicht auch ein bisschen, ne?

ON: Wie siehst du das mit der Culture Clash Debatte? Ist ein friedliches Zusammenleben möglich?

NT: Ich glaub schon. Es wird wohl noch ein bisschen dauern. Jedenfalls sind wir alle zusammen nicht weniger friedlich als Deutsche oder Schweizer oder sonst wer unter sich. Was wir haben, geht in eine gute Richtung, aber das braucht alles Zeit. Das ist genau wie im Film. Natürlich wird sich jeder Vater, ob er nun Türke oder Deutscher ist, das und das für seine Tochter oder seinen Sohn wünschen, und dann wird eben doch alles ganz anders. Dann regt man sich zwei Wochen auf und dann ist derjenige in die Familie integriert und alles ist bestens. Solange die Kulturen immer nur voneinander wissen und sich noch nicht begegnet sind, hat man im Leben immer Vorurteile. Wenn man sich dann trifft, muss man sich eben mit der Realität anfreunden und dann sieht die Sache meist schon viel entspannter aus. Natürlich sollte man zu allererst akzeptieren, dass Leute unterschiedlich sind. Wer ausschliesst, dass es verschiedene Mentalitäten geben kann und muss, tut sich diesbezüglich keinen Gefallen.

ON: Was steht noch an in Sachen Promoarbeit? Besonders interessiert mich, wo dich Fans noch sehen können am Bildschirm in nächster Zeit.

NT: Ich kann dir sagen, dass ich am 20. April bei Stefan Raab bin. Ansonsten bin ich am 29. Mai bei Zimmer Frei.

ON: Ja! Das wird toll. Freust du dich?

NT: Ich bin eher aufgeregt. Die haben mich auch schon davor mal angefragt und ich hab ängstlich abgelehnt, da ich ein grosser Fan von Christine und Götz bin und mir meine Fanschaft nicht durch eigene Anwesenheit kaputtmachen wollte. Jetzt aber, bevor die nächste Sendung, zu der ich eingeladen werde, am Ende noch abgeschafft wird, muss ich da schon hin. Ich sollte vor einiger Zeit zu Harald Schmidt, fand aber, dass ich gerade nichts zu erzählen hatte und dachte ich warte lieber noch. Zack - Sendung zu Ende. Dann die gleiche Nummer mit Anke. Bevor jetzt vielleicht noch meine nächste Lieblingssendung gestoppt wird, und ich nur aus Angst nicht hingehe, habe ich mich jetzt einfach mal überwunden, hehe. Und siehe da, bei den Vorgesprächen stellte sich raus, dass die Redakteure schon mal sehr angenehme Menschen sind. Ich freu mich, bin aber auch ganz schön nervös.

ON: Ich denke, das wird ein Highlight.

NT: Das ist auch so ein Problem, dass viele meiner Freunde wahrscheinlich die gleiche Erwartung haben. Keine Ahnung. Ich habe gesagt, ich will Spargeln essen mit Kartoffeln. Wenn es das gibt, ist es für mich schon ein Highlight. Und danach gibt's Bailey's. Yeah!

ON: Wurmt es dich manchmal, dass all die Schauspielerinnen, die man heutzutage ernst nimmt, von VIVA kamen? Heike Makatsch, Jessica Schwarz und Minh-Khai Phan-Thi. Ist das Zufall?

NT: Mmmm stimmt. Eigentlich habe ich noch nie darüber nachgedacht, aber du hast wohl recht. Wird also langsam mal Zeit. Obwohl, Kristiane Backer *hüstel*. Naja, ist aber eigentlich aber völlig egal, diese ganze Überlegung. Ich bin ja ich. Und ich habe ja nicht einen genetischen Imperativ, der sagt, du hast MTV-Erbgut - das wird nichts.

ON: Zum Abschluss haben wir bei OutNow.CH jeweils sogenannte Pop-Up-Questions. Stichworte lassen deine Gedanken poppen und dann werden sie rausgelassen.

ON: Kung Fu-Filme

NT: Fatih Akin komischerweise. Bruce Lee. Denis Moschitto.

ON: Stöckelschuhe

NT: Rot

ON: Putzen

NT: Ähm Handschuhe.

ON: Kebab

NT: Sauce

ON: Die Schweiz

NT: Ach nee, komm ey wir wollten doch nicht über so was reden. Sendegefässe. (Sie lacht).

ON: Das Internet

NT: Bin ich oft drin. Mein Freund und Helfer.

ON: Danke schön.

NT: Die waren jetzt nicht besonders originell die Pop-ups und das mir bei Kung-Fu-Filmen zuerst Fatih Akin einfällt - da kann er sich aber auf die Schulter klopfen.

Nora Tschirner ist wirklich nett und natürlich. Wenn es nicht so politisch unkorrekt wäre, müsste man vom Star zum Anfassen schreiben. Ihr Interview mit OutNow.CH war am Anfang eines langen Promosonntags. Doch Nora liess es sich nicht nehmen, abends die Schweizer Premiere von Kebab Connection mit Publikum anzugucken und blieb zum Quatschen noch bis lange nach Filmende.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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OutNow.CH