Hitch: Interview mit Amber Valletta

Das ehemalige Supermodel Amber Valetta kam als die zeitweilige Freundin von Leonardo DiCaprio erstmals in Berührung mit dem Filmgeschäft. Nun beschreitet sie den Weg vom Laufsteg ins Schauspielfachl.

Ihre erste grosse Rolle war die der Nachbarin, deren Schicksal Michelle Pfeiffer in What Lies Beneath beunruhigt. Eine erste grössere Hauptrolle wird sie im Sequel zu The Transporter übernehmen, über das ich sie auch kurz befragen könnte. Fröhlich zwitschernd tratschte Ambers ansonsten über ihre Erfahrungen mit der Liebe und knabberte dabei als überzeugte Vegetarierin an ein paar Früchten. Mir als Gentleman kamen natürlich keine Fragen zu Leo über die Lippen.

Auch sie trug eine Ballonmütze wie die Kollegin Mendes. Diese waren nicht nur für die Damen der letzte Schrei an der Berlinale - auch Daniel Day-Lewis und Kevin Spacey trugen solche. Trotz ihres exotischen Namens sieht Amber Valletta eher aus, als käme sie aus dem Land des Knäckebrots. Sie ist aber ganz das American Girl. Da ihr an der Pressekonferenz zu Hitch am Tag zuvor das Wort regelrecht abgeschnitten wurde, bat ich sie deshalb, zu beenden, was sie da schon ausführen wollte, aber nicht konnte.

OutNow.CH (ON): Dies ist deine Chance, das zu sagen, was du gestern auf der Bühne während der Pressekonferenz nicht mehr beenden konntest. Du wolltest gerade davon reden, ob du mit einem Typen wie Albert aus Hitch ausgehen würdest.

Amber Valletta (AV): Genau. Meine Crew hat mich da gestern unterbrochen. Ich wollte sagen, dass ich es mir absolut vorstellen könnte, mich in einen Typen wie Albert zu verlieben. Ich habe definitiv eine Schwäche für Kevin (James). Albert liebt sie. Sie sind beides Kindsköpfe. Sie schauen nur anders aus.

ON: Doch er kennt sie ja nur von den Geschäftsleitungssitzungen.

AV: Aber er sieht, was sie will. Natürlich konkurriert er gegen zwölf andere Männer. Aber er hat Charme und Humor. Wenn du lustig sein kannst, bedeuted das, dass du intelligent bist, dass dein Hirn schnell arbeitet und dass du das Leben liebst. Du hast diese "joy de vie", die dich interessant macht.

ON: Du hast einen Ring. Hast du also deinen perfekten Partner gefunden?

AV: Ja. Das braucht viel Arbeit. Und es bedeutet nicht, dass ich nicht umherschaue und meine Fantasien habe. Das macht mein Mann sicher auch. Aber wir sind wirklich ehrlich. Und wir fühlen uns zu unserer Beziehung verpflichtet. Wir arbeiten daran. Wir haben eine Familie, einen Sohn und zwei Hunde. Man weiss, dass etwas passiert, wenn man jemanden gefunden hat, den man wirklich liebt und der einen auch liebt. Man sieht diese Person an und denkt einfach: "Wow! Der ist es!" Und manchmal vergisst man das und sagt: "Du treibst mich in den Wahnsinn. Lass mich in Ruhe!"

ON: Wie war euer erstes Date?

AV: Unsere Eltern haben uns verabredet. Wir haben uns per Zufall in einem Laden mit unseren Familien getroffen. Er hat meinen Stiefvater gekannt, weil sie zusammen Volleyball gespielt hatten, als er ein Teenager war. Als ich wieder im Auto sass, war ich ganz verschwitzt. Ich sagte: "Oh Gott, der ist so niedlich." Es war Liebe auf den ersten Blick. Mein Vater hat zu Hause gleich die Mutter meines Mannes angerufen. Sie hatten sich seit Jahren nicht mehr gesprochen und vereinbarten gleich ein Date für uns. Von diesem Moment an hat sich die ganze Familie dazu verpflichtet, uns zusammen zu bringen.

ON: War das nicht ein komisches Gefühl, dass alle wollten, dass ihr zusammenkommt?

AV: Nein, so war es nicht. Es war niedlich. Sie arrangierten ein Date, und dann zogen sie sich zurück. Er kam mich abholen, meine Eltern waren da und ich versteckte mich. Ich wollte sichergehen, dass er auch wirklich ein netter Kerl war. Was, wenn ich mich irrte? Ich hatte ihn ja schliesslich nur ein paar Minuten gesehen. Also hielt ich mich unter der Treppe versteckt - wie in einem Film - und da kam er rein und sah so gut aus. Mein Tante hat sich mit mir versteckt und sagte: "Das ist ja ein heisser Typ!"

ON: Wie alt warst du da?

AV: Das war vor fünf Jahren. Ich war fünfundzwanzig. Ich bin noch ein Kind. Ich werde im Herzen immer ein Mädchen sein.

ON: Hättest du, als du jünger warst, die Dienste eines Date Doktors in Anspruch genommen? Selbst als so hübsche Frau wie du es bist?

AV: Ich glaube die Leute gewichten das Aussehen anderer zu sehr. Ich mache es selbst auch. Wenn ich jemanden sehe, der gefährlich aussieht, glaube ich er ist es auch. Ich sehe nicht, was andere Leute sehen. Ich bin genau wie alle anderen auch nicht makellos. Ich habe so viele Dates versaut. Ich habe gewisse Dinge wirklich souverän vermasselt. Ich erinnere ich einmal von einer Party hinausgetragen worden zu sein, weil ich so betrunken war. Meine Hosen waren hinten zerrissen und meine Brust schaute hervor. Mein Vater hat mich getragen und ich habe mich auf dem Weg zum Taxi mehrmals übergeben. Glücklicherweise kannte ich den Typen, mit dem ich an diesem Abend zusammen war, schon länger. Aber trotzdem, das war nicht so attraktiv.

ON: Wenn du im Film mit Albert zusammen bist, sagen die Leute um euch herum: "Wie endet eine so hübsche Frau bloss mit einem so hässlichen Typen?"

AV: Er ist nicht hässlich! Das Lächerliche daran ist, dass wenn er dünn wäre, niemand so was sagen würde. Er schaut ein wenig dümmlich aus. Als man ihn zum ersten Mal sieht, mit Senf auf dem Hemd und der Streber-Brille, sieht er wirklich dämlich aus. Aber wenn er im Büro ist, hat er einen schönen Anzug an. Er hat eine neue Brille, machte sich die Haare. Er sieht richtig chic aus. Zum Teil ist das Kevins körperlicher Komik zu verdanken. Die trägt dazu bei, dass er richtig ungeschickt aussieht. Nicht zuletzt deshalb interessiert sich die Person, welche ich spiele, für ihn, weil sie ebenso ungeschickt ist. Das hat auch damit zu tun, wie wir uns anziehen. Wenn die Rolle vom "Elephant Man" gespielt würde, dann würden die Leute sagen: "Scheisse, was sieht sie nur in ihm?" So anders ist es hier nicht. Meine Mutter war mit einem Mann zusammen, der für mich sehr unattraktiv war. Er war übergewichtig und mit Hang zur Glatze. Aber in ihren Augen hatte er Charisma und sie sagte, er sei der sensibelste Mann, mit dem sie je zusammen war. Und er war interessant. Er war mental ein sehr interessanter Mann. Und schliesslich finden wir uns im Kopf und im Herzen. Es ist nicht der Körper. Der Körper verwelkt.

ON: Du hast einen Sohn der jetzt vier ist. Wirst du ihm mit Ratschlägen zur Seite stehen, welches Mädchen er nach Hause bringen darf, wenn er dann mal sein erstes Date hat?

AV: Aber sicher. Ich bin sehr impulsiv, wie du sicher merkst. Ich glaube nicht daran, Menschen zu etwas zu drängen. Was ich sage, fühle ich auch. Ich finde nicht, dass man mit mir übereinstimmen muss. So erziehe ich auch meinen Sohn. Ich versuche mich nicht in sein Leben einzumischen, obwohl er erst vier ist. Ausser er verletzt sich, jemand anderen oder ein Tier. Ich mische mich nicht in seine Spiele oder seine Fantasie ein. Ich hoffe, dass ich ihm meine Zuneigung zeigen kann, er weiss, dass ich ihn akzeptiere und er seine Fehler machen darf. Daran wie sein Vater mich behandelt, wird er sehen, wie man eine Frau behandeln soll. Er wird merken, welche Art von Frau er mag. Dass ist unausweichlich. Wir sind, was wir sehen. Wir sind ein Produkt unserer Umgebung. Trotzdem glaube ich, dass ich voreingenommen sein werde. Wenn er zwölf ist, und ein Mädchen anruft, werde ich ganz sicher sagen "Nein, Auden ist nicht hier, ruf in fünf Jahren nochmals an."

ON: Zum Schluss gebe ich Dir noch ein paar Stichwörter zu denen ich dich bitte, mir das zu sagen, was Dir als erstes in den Sinn kommt.

AV: Ok

ON: Dates

AV: Liebe

ON: Liebe

AV: Sex

ON: Kinder

AV: Ehemann

ON: Will Smith

AV: Heiss

ON: Modeling

AV: Langweilig

ON: Schweiz

AV: Interessant. (lacht) Ich mag das. Das ist witzig! Oder Uhren.

ON: Kannst du uns noch etwas über das Sequel von The Transporter sagen?

AV: Ja: Kidnapping. Drama. Ich bin die Mutter, welche versucht ihren Sohn zu finden und ausserdem das Objekt der Begierde von Jason Statham. (Letzteres flüstert sie).

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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