Hotel Rwanda: Interview mit Don Cheadle

Richtig klein, oder zumindest kleiner als in seinen Filmen kommt Don Cheadle einem vor, als er das Hotelzimmer mit einem Rucksack am Rücken betritt. Was er darin mit sich trägt, bleibt sein Geheimnis.

Warum ihn aber Steven Soderbergh als seinen Lieblingsschauspieler bezeichnet, ist schnell klar. Der Afroamerikaner ist sehr intelligent, äusserst aufmerksam und hat eine Präsenz, die schnell vergessen macht, wie schmächtig er wirkt. In 36 Filmen hat er mitgespielt. Vom smartem Popcorn wie Ocean's Twelve bis zum schwarzen Independentfilm wie Devil in a blue Dress. Ein Ende ist nicht abzusehen. Der Mann arbeitet oft und hart und vergisst seine Fans nicht dabei. Ein Polaroid mit Autogramm zu ergattern, war bei Cheadle kein Problem.

OutNow.CH (ON): Wie hast du dich auf deine Rolle als Paul Rusesabagina vorbereitet?

Don Cheadle (DC): Ich habe mich zur Hauptsache auf das Skript verlassen. Ziemlich viele Nachforschungen kann man alleine auf Basis der Berichterstattung der Ereignisse machen. Ausserdem habe ich mich natürlich mit Paul (Rusesabagina) zusammengesetzt und versucht, mich in ihn hineinzuversetzen und ihn genau zu beobachten. Ich versuchte herauszufinden, was für ein Mensch er ist, wie seine Seele funktioniert.

ON: Wie würdest du Paul Rusesabagina beschreiben?

DC: Am besten beschreibt man ihn als einen "Familienmenschen", jemand, der sehr loyal und verlässlich ist. Ein solider Bürger, der an das glaubt, was er sagt. Selbstbeweihräucherung ist nicht seine Sache. Im Prinzip handelt die ganze Story davon, eine Familie zu sein, ein Vater zu sein. Hätte er nur seine Familie gerettet, anstatt die viele Menschenleben, die er sonst noch rettete, er hätte nicht ohne ein schlechtes Gewissen weiterleben können. Paul wäre nicht fähig gewesen, ganz alleine zu (über)leben. Er hat oft daran gedacht, dass die Geschichte eines Tages auf die Geschehnisse dieser hundert Tage zurückblicken würde, und er wollte auf der richtigen Seite stehen. Letztlich ist es doch so, dass wir das tun, was uns am meisten hilft - und in Pauls Fall war es das, was er tat, das ihm das beste Gefühl gab. Das war seine Art von egoistischer Selbstlosigkeit.

ON: Wie präsent war dir der Ruanda-Konflikt als er ausbrach?

DC: 1994 war ich auf dem Set von Devil in a blue Dress. LA war damals vor allem mit der O.J. Simpson-Affäre beschäftigt. Wirklich bewusst wurde mir der Konflikt erst, als ein Artikel im Newsweek- oder Time-Magazin (welches Heft es war, weiss ich nicht mehr) erschien, mit einem Bild auf der Frontseite.

ON: Waren sich die Afroamerikaner des Konflikts stärker bewusst als der Rest des Landes?

DC: Ich weiss es nicht. Ich kann nicht für alle afroamerikanischen Gemeinschaften der USA sprechen. Jene, die ich kenne, haben den Konflikt kaum stärker als andere mitbekommen, da unsere Medien gar nicht darüber berichteten. Der Konflikt erhielt nicht sehr viel Aufmerksamkeit.

ON: Was hat es in Dir ausgelöst, als Du mit Paul über die Geschichte gesprochen hast?

DC: Ich habe Paul nicht im Detail danach gefragt, was damals passiert ist. Ich wusste, dass er Terry George und Keir Pearson beim Schreiben des Drehbuchs geholfen hatte und ging davon aus, dass er das, was ihm wichtig war, in das Drehbuch hatte einfliessen lassen. Ich hatte zudem viele andere Quellen um mich zu informieren: Bücher, Dinge, die mir Terry gegeben hat, die Dokumentation eines amerikanischen TV-Senders. Ich wollte Paul nicht zu sehr mit Fragen löchern, weil ich wusste, was für eine schlimme Zeit er durchgemacht hatte. Ich ging einfach davon aus, dass er das, was er im Film haben wollte, von sich aus erzählen würde. Es gab übrigens tatsächlich einige Dinge, die er mir erst erzählte, als der Film bereits fertiggestellt war und im ersten Moment wünschte ich mir, er hätte mir diese Sachen früher erzählt. Was er mir erzählte war so unglaublich, dass es mich schlicht umgehauen hat.

ON: Was war das?

DC: Zum Beispiel Erlebnisse wie: durch die Stadt zu fahren und Berge von toten Körpern zu sehen, Kinder, die auf diesen Körperhaufen sitzen, Strassenblockaden, die aus Leichen erstellt worden sind. Ich glaube aber, mit solchen Bildern hätte der Film eine Grenze überschritten. Er wäre sehr schwer zu verarbeiten gewesen, vielleicht sogar gar nicht mehr zeigbar.

ON: Wie hast Du dich gefühlt, als bei der gestrigen Pressekonferenz so lange für Paul applaudiert wurde?

DC: Ich finde es wunderbar. Ich bin sehr glücklich, dass Paul nach so vielen Jahren, in denen sich scheinbar niemand für seine Geschichte interessiert hat, endlich Aufmerksamkeit erhält. Es ist grossartig, dass er diese Anerkennung bekommt.

ON: Wie sehr hat Dich die Erfahrung, Hotel Rwanda zu drehen und Paul kennen zu lernen, verändert?

DC: Es hat mir die Möglichkeit gegeben, mit verschiedenen Menschen über Ruanda und die aktuelle Situation in Darfur/Sudan zu reden. Vor drei Wochen sind Paul und ich nach Darfur gereist. Wir haben viele Flüchtlingslager auf beiden Seiten der tschadisch-sudanesischen Grenze besucht. Wir haben uns mit Vertretern der Afrikanischen Union getroffen und sind mit fünf Kongressabgeordneten gereist, mit Leuten vom Militär, anderen von Nichtregierungsorganisationen. Ich glaube, wenn wir diesen Film nicht gemacht hätten, wäre ein Treffen mit solchen Menschen nie möglich gewesen und wir hätten kaum die Gelegenheit bekommen, mit Politikern zu reisen.

ON: Wie ist die Lage in Darfur?

DC: Schlecht. Wir besuchten ein Camp in der Nähe der Stadt Tine, wo einst 40'000 Menschen lebten - jetzt sind es noch 200. Es ist schockierend, diese Zerstörung zu sehen und zu wissen, dass auch weiterhin zerstört wird. Im Januar wurde ein Friedensvertrag unterschrieben und einige Flüchtlinge konnten in den südlichen Sudan zurückkehren. Dennoch leben noch immer fast zwei Millionen Menschen in Flüchtlingslagern, von ihrem Zuhause vertrieben. An jenem Tag als wir abreisten, wurde die Stadt von sudanesischen Bombern angegriffen und es wurden 105 Menschen getötet. Darauf folgte die Janjaweed (arabische Milizen, Anm. d. Red.), die noch mehr Menschen tötete und die Stadt niederbrannte. Die ganze Zerstörung hat bis heute kein Ende gefunden. Es ist eine tragische Situation.

ON: Die Welt hat 1994 dem Konflikt zugeschaut und nichts dagegen getan. Sollten wir etwas daraus lernen?

DC: Ich glaube, dies ist eine Lektion die wir immer und immer wieder erfahren. Sei es Polen, Deutschland, Sarajewo oder Ruanda. Während wir hier sitzen und diskutieren, herrscht in Darfur das Chaos - und dennoch hat sich bis jetzt niemand dazu aufgerafft, etwas konkret dagegen zu tun. Die Parallelen zum Ruanda-Konflikt sind frappierend. Zur Zeit wird darüber diskutiert, ob man von Völkermord sprechen kann - und ist zum Schluss gekommen, dass es Handlungen mit völkermordender Absicht gegeben hat... Amerika überlegt sich, ob die Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden sollen. China und Russland wollen nichts mit der Geschichte zu tun haben, weil sie Verbindungen zum Khartoum-Regime haben. Die EU versucht uns dazu zu bringen, den internationalen Gerichtshof anzurufen. Und während sich all dieses Gezänk abspielt, werden 10'000 Menschen pro Monat umgebracht. Haben wir etwas aus dem Konflikt gelernt? Ich glaube ja. Handeln wir deshalb? Nein, das tun wir noch immer nicht.

ON: Was muss also getan werden im Sudan?

DC: Ein paar Dinge müssen getan werden. Als Erstes muss für Sicherheit gesorgt werden. Die Menschen müssen gerettet und geschützt werden. Bevor darüber diskutiert wird, ob es sich um Völkermord handelt oder nicht, und wer dafür wie zur Verantwortung gezogen werden soll, muss definiert werden, wer die Rechenschaft für die Janjaweed trägt. Es müssen Menschen aus Fleisch und Blut vor Gericht gezogen und von einem internationalen Gerichtshof verurteilt werden - nicht anonyme Organisationen. Ausserdem müssen Sanktionen gegen die sudanesische Regierung ergriffen werden: Die Reisepapiere müssen ihnen entzogen, sämtliche Konten bei Banken auf der ganzen Welt eingefroren werden. Die Regierung muss spüren, dass die internationale Gemeinschaft zusammensteht und STOP sagt. Bevor dies nicht geschieht, werden sie den Völkermord weiterhin finanzieren.

ON: Wer, glaubst Du, war für die Situation in Ruanda verantwortlich?

DC: Ich weiss nicht, ob es so einfach ist, dass man konkret einer Person die Schuld zuweisen kann. Ich weiss, dass die Wurzeln für den Konflikt im Prinzip bereits zur Zeit der Kolonialisation gelegt wurden, also zur Zeit Leopold II (König von Belgien im 19./20. Jahrhundert, Anm. d. Red.), gefolgt von den Holländern und Belgiern, die schliesslich abgezogen sind und die Macht der Mehrheit überlassen haben, nachdem sie sie der Minderheit, den Tutsi, zugesprochen haben. Ganz sicher aber tragen jene die grösste Verantwortung, die gemordet haben. Denn egal in was für eine Situation du gerätst; es bedeutet nicht, dass du dich auch in einer bestimmten Weise verhalten musst. Leider hat es die Geschichte immer wieder gezeigt, dass sich Menschen bei einem entsprechenden Umfeld und mit einem charismatischen Führer allzu leicht (ver)führen lassen.

ON: Der Film wird auch in Ruanda gezeigt werden. Warst Du schon mal dort?

DC: Nächsten Monat werde ich hingehen.

ON: Deine Gefühle dabei?

DC: Ich freue mich darauf. Ich habe mich entschieden, meine Kinder mitzunehmen. Ich bin gespannt.

ON: Im Moment werden mehrere Filme über Ruanda gezeigt. Weshalb glauben Sie ist das so?

DC: Da fliessen verschiedene Faktoren zusammen. Wir haben diesen Trend immer und immer wieder gesehen: Ein Vietnamfilm wird veröffentlicht - vier weitere Vietnamfilme kommen heraus. Ein Vulkanfilm wird veröffentlicht und zur gleichen Zeit kommen drei Marsfilme heraus. Entweder kommt ein Thema auf, das sich als beliebt erweist, woraufhin die Konkurrenz den Staub von den eigenen Projekten bläst und sagt: "Kauft meine Version!". Oder es handelt sich um irgendein Phänomen des kollektiven Unterbewusstseins oder sonst etwas in der Art. Ich weiss es nicht. Es ist auf jeden Fall nicht das erste Mal, das zu einem Thema mehrere Filme gleichzeitig gemacht wurden.

ON: Hat dieser Film dein politisches Bewusstsein geschärft?

DC: Ich empfinde den Film nicht unbedingt als politisch. Ich sehe es mehr als eine soziale Angelegenheit. Das Bewusstsein für diesen sozialen Aspekt hatte ich schon immer, nur hatte ich keine Plattform. Dieser Film ermöglicht es mir nun, Menschen zu erreichen, die effektiv etwas verändern können. Der Film ist eine hervorragende Visitenkarte und ermöglicht den Zugang zu vielen Non-Profit Organisationen und Politikern, die tatsächlich etwas verändern können.

ON: Suchst Du zukünftig vermehrt politische Rollen?

DC: Nein, nicht unbedingt. Ich habe diese Rolle auch nicht gesucht. Ich schaue mich einfach nach Drehbüchern und Geschichten um, die interessant und spannend sind. Ich würde gerne mehr politische Filme machen, aber von denen gibt es - speziell in Hollywood - wenige. Heutzutage will leider kaum jemand politische Filme machen.

ON: Sind sich deine Schauspielerkollegen, nun da Hotel Rwanda erschienen ist, der Situation in Ruanda stärker bewusst?

DC: Ich weiss, dass die Leute sich des Konflikts besser bewusst sind. Ich weiss aber nicht, ob das soweit geht, dass sie sich Sorgen machen oder tatsächlich handeln. Ich habe vor Kurzem beim Tsunami-Telethon mitgemacht und ungefähr jeder Star der Welt war auch dort und nahm Telefonate entgegen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass bei Problemen, die mit Afrika und seiner Bevölkerung zu tun haben, die nicht aufgrund einer Flutwelle entstanden, sondern komplex sind und bei denen es um Politik und Menschen geht, dass es bei solchen Problemen viel einfacher ist zu sagen: "Es ist einfach zu viel, ich kann damit nicht umgehen". Kommt dazu, dass es von den Bildern her nicht so sexy ist wie der Tsunami... Beim Tsunami sprangen sofort alle auf den Zug auf. Das ist natürlich auch gut, die Leute in den betroffenen Gebieten haben die Hilfe weiss Gott nötig - Ruanda jedoch wird seit zwanzig Jahren von Tsunamis der Gewalt überschwemmt aber irgendwie scheint das einfach nicht das selbe Mass an Mitgefühl auszulösen.

ON: Glaubst du, dass Schauspieler oder Hollywoodstars eine Verpflichtung haben, politisch aktiv zu werden?

DC: Ich würde nicht unbedingt sagen, dass sie eine Verpflichtung dazu haben. Ich spüre einfach, dass mir im Moment sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, und solange ich diese Aufmerksamkeit habe, will ich sie für etwas einsetzen, das grösser ist als ich. Es ist sehr selten, dass ein Mensch dermassen im Mittelpunkt steht. Mit der Oscarnomination und der Aufmerksamkeit, die dem Film zuteil wird, stehe ich zur Zeit stark im Rampenlicht. Das Thema des Films im speziellen, erweist sich als gute Plattform für Dinge, die im Moment wieder in Africa passieren. Manchmal wünschte ich mir, dass jene, die im öffentlichen Interesse stehen, mehr sagen würden. Auf der anderen Seite kann ein solches Engagement auch ziemlich nach hinten losgehen. Viele Berühmtheiten traten an die Öffentlichkeit und versuchten, Kerry bei der Präsidentenwahl zu unterstützen und das politische Klima zu beeinflussen. Das hat ihnen ein bisschen geschadet.

ON: Inwiefern?

DC: Diese Engagements für Kerry wurden gegen uns verwendet. Karl Rove (der Chefstratege von George W. Bush) ist ein Genie. Jene Leute, die Bushs Kampagne aufbauten, stellten uns Schauspieler als einen Haufen unmoralischer, bösartiger Hollywood-Berühmtheiten dar. Das tat weh. Man muss deshalb wirklich sorgfältig abschätzen, wie man sich einsetzen will und wie man am effektivsten etwas bewegen kann.

ON: Hast du den Film Team America gesehen?

DC: Ja. Aber wen kümmert das? Das sind Puppen. Niemand kümmert sich um einen solchen Quatsch. Der Film spielte auch überhaupt kein Geld ein. Team America hat überhaupt nichts verändert. Die Präsidentschaft? Yeah.

ON: Hier in Berlin läuft zur Zeit die sogenannte "Cinema for Peace"-Initiative. Bist du da involviert?

DC: Nö. Ich bin ein Schauspieler, der auch aktiv ist, nicht ein A... (lächelt).

ON: Was sind deine weiteren Pläne?

DC: Mein nächster Film kommt im Mai heraus. Er heisst Crash und ich habe zusätzlich als Produzent mitgewirkt. Paul Haggis, der auch Million Dollar Baby geschrieben hat, hat das Drehbuch geschrieben und die Regie geführt. Von diesem Film abgesehen, schaue ich mich zur Zeit etwas um.

ON: Ocean's 13?

DC: Niemals!

ON: Wieso nicht?

DC: Glaubst Du nicht, dass wir davon nun genug gesehen haben?

ON: Hast du auch schon versucht, Regie zu führen?

DC: Ich habe ein Drehbuch, bei dem ich die Regie führen werde. Aber das ist noch weit entfernt.

ON: Um was geht es?

DC: Die Geschichte handelt von einem Klippenspringer, der in einer Kleinstadt in Mississippi Zeuge eines Mordes wird. Dadurch wird er in das schizophrene Innenleben der Stadt hineingezogen.

ON: Weshalb möchtest du Regie führen?

DC: Ich habe bei vielen Theaterstücken Regie geführt. Manchmal merke ich auch, dass ich mich bei Filmen selber anleite oder mir gestattet wird, die Dinge selber zu gestalten. Als Schauspieler sitzt man sehr viel am Set, deshalb denke ich, könnte ich das schon. Tom Hanks sagte einst: "Du glaubst, dass du es kannst? Dann tu es!". Warren Beatty, ein anderer Schauspieler, der zum Regisseur wurde, sagte zu mir: "Warte nicht darauf, dass du bereit bist. Du bist nie wirklich bereit. Tu es jetzt, solange du die Energie dazu hast!". Es dauert drei bis fünf Jahre, um einen Film zu starten. Es dauert also noch ein Weilchen.

ON: Du hast eine sehr verdiente Oscarnomination. Was für Chancen rechnest du dir aus?

DC: Dankeschön. Ich glaube nicht, dass ich mir Sorgen machen muss wegen einer Rede. Dieses Jahr läuft der Zug für Jamie und er wird auch bis zur Oscarverleihung weiter tuckern.

ON: Brauchen wir erzählende Filme wie Hotel Rwanda, um unvorstellbare Dinge zu verstehen und mit ihnen umgehen zu können?

DC: Ich glaube, ein Film hilft dabei. Aber nur, wenn er unterhält. Die Aufgabe eines Films ist zu unterhalten - wenn es nicht eine Dokumentation oder eine zwölfteilige Serie auf PBS ist. Als Zuschauer will ich nicht zehn bis zwölf Dollars ausgeben, um dann im Kino zu sitzen und zu einer Geschichtslektion gezwungen zu werden, resp. etwas vorgepredigt zu bekommen. Ich glaube, unser Film macht das nicht. Unser Film ist ein Thriller und eine Liebesgeschichte. Zusätzlich dazu ist er aber eben auch sozial relevant. Ich habe eine Website. Vor einer Viertelstunde war ich gerade online und habe wieder unglaublich viele E-Mails von Leuten erhalten, die schreiben: "Was kann ich tun? Ihr Film hat mich bewegt. Können Sie mir sagen, wie ich etwas tu kann?". Ich finde das unglaublich. Ich habe noch nie in einem Film mitgespielt, der bei den Zuschauern solche Reaktionen ausgelöst hat. Das gibt mir Hoffnung, dass nun tatsächliche etwas geschehen könnte, dass die Menschen endlich fordern, dass wir Afrika unsere Aufmerksamkeit schenken. Der Stein wird damit ein kleines bisschen ins Rollen gebracht. Das ist fantastisch!

ON: Was raten Sie diesen Menschen, die fragen, was sie tun können?

DC: Ich verweise Sie an die folgenden Non-Profit Organisationen, die ich kenne: Amnesty International, UNHCR, International Crisis Group. Diese Organisationen sind direkt in den Camps tätig. Ohne sie wären die Flüchtlinge verloren. Ich ermuntere die Leute ausserdem, ihren Regierungen zu schreiben, Petitionen zu starten. Nichts motiviert Politiker mehr, als die Befürchtung, sie könnten nicht mehr gewählt werden. Deshalb muss man ihnen sagen, dass Ruanda eine wichtiges Thema ist, und dass sie Stimmen verlieren werden, wenn sie dieses Thema nicht aufgreifen. Solange nicht überall auf irgendeine Weise Aufmerksamkeit erregt wird, kann man nichts verändern. Deshalb soll jeder auf seine Weise das tun, was er tun kann. Wenn all diese kleinen Einzelbeiträge zusammengezählt werden, entsteht daraus etwas. Ohne den Einsatz jedes Einzelnen wird nichts passieren.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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