Disney blockiert Bush-kritische Dokumentation

Wie die "New York Times" am Mittwoch berichtet, untersagte Disney seinem Tochterunternehmen Miramax bereits im vergangenen Jahr, Moores Dokumentarfilm Fahrenheit 911 in die nordamerikanischen Kinos zu bringen.

Disney kaufte Harvey Weinsteins erfolgreiche Filmfirma (u.a. Chicago, Kill Bill) vor zehn Jahren und behielt sich die Option vor, bestimmte Filme zu blockieren, wenn sie gegen die Firmeninteressen verstossen. Miramax wehrte sich aber gegen den Vertriebsstopp von Fahrenheit 911, da eine Anwendung der Vertragsklausel in diesem Fall nicht gerechtfertigt sei. Offenbar, mutmasst Michael Moores Agent Ari Emmanuel, gehe es Disney vor allem um die guten Kontakte zu konservativen Politikern. Disney-Boss Michael Eisner habe ihn schon im vergangenen Frühjahr gedrängt, den Deal mit Miramax zu lösen, da ein Vertrieb des politisch aufgeladenen Moore-Films die Steuervergünstigungen gefährden könnte, die Disney für seine Themenparks und Hotels in Florida geniesst. Der Südstaat wird von George W. Bushs Bruder Jeb regiert.

Miramax, die über die Vertriebsrechte des Films verfügt, wolle nun versuchen, den Moore-Film über ein Partnerunternehmen zu vertreiben, das nicht unter Disney-Kontrolle stehe, berichtete das Branchenblatt "Variety" unter Berufung auf einen Firmensprecher. Für die Kinofirma des Demokraten-Unterstützers Weinstein würde die Bindung an einen externen Vertriebspartner jedoch massiven Gewinnverlust bedeuten.

Fahrenheit 911 umfasst die Zeitspanne kurz vor und nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und rückt den derzeitigen US-Präsidenten George W. Bush in ein denkbar schlechtes Licht. Zudem werden Fragen nach Verbindungen Bushs mit mächtigen saudi-arabischen Familien, darunter der von Terroristenführer Osama bin Laden, aufgeworfen. Ein hochrangiger Disney-Angestellter sagte gegenüber der "New York Times", dass "es nicht im Interesse eines grossen Konzerns sein kann, in eine politisch brisante Debatte hineingezogen zu werden".

Unabhängig von Disneys Bemühungen in den USA, den Film zu blockieren, wird er im Mai beim Filmfestival in Cannes im Rahmen des Wettbewerbs Premiere feiern. Ein US-Start war bislang für Juli ins Auge gefasst worden. Europäische Vertriebswege seien laut "Times" nicht von der Blockade Disneys betroffen.

Teilen
Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen
Datum
Autor
Themen
Mehr
Michael Moores Antwort

Kommentare Total: 21

sj

Blick vom 21.05.04

Michael Moore (50) attackiert in seinem neuen Film "Fahrenheit 9/11" Politiker, die sich seinen Fragen nicht stellen. Er selber sagt Interviews mit Journalisten ab, die kritische Fragen zum Film haben - wie Filmexperte Christian Jungen.

Mein Interview mit Michael Moore war für den Mittwoch angesetzt und zweifach bestätigt worden. Kurz vor dem Termin ruft eine PR-Agentin an und will wissen, ob mir der Film gefallen habe. "Er ist gut, allerdings enthält er wenig neue Fakten zu Bushs Irakpolitik", so meine Antwort. "Dann tut es mir Leid, Ihr Interview ist lieder gestrichen", sagt die Agentin. Auch die Interviews mit deutschen Journalisten oder mit dem Schweizer Fernsehen werden annulliert. Der angebliche Grund: Moore habe wichtige Termine und reise am Mittwoch ab. Bloss: am Mittwochabend ist Moore immer noch in Cannes.

Insider vermuten, dass Morre und sein Studio Miramax nur willfähige Journalisten bei den Interviews wollte. Miramax hat in Cannes auch kurzerhand eine neue PR-Agentur eingesetzt. Diese hat die Interviewtermine an französische und amerikanische Journalisten ermittelt, die den Film toll fanden. Ein Skandal, urteilen Filmjournalisten. Eine PR-Agentin, die Erfahrung im Umgang mit Moore hat, ist nicht überrascht: "So läuft das in den USA häufig. Michael Moore ist eben ein dünnhäutiger Elefant."

Indeed

Zitat rm (20040518015844)

Fahrenheit 9/11 lief gestern nun also in Cannes.
Ein hörenswerter Bericht von Michael Sennhauser. Courtesy of Echo der Zeit (Realplayer!)
Sennhausers Bericht enthält:

Sehr hörenswert. Vielen Dank.

rm

Fahrenheit 9/11 lief gestern nun also in Cannes.
Ein hörenswerter Bericht von Michael Sennhauser. Courtesy of Echo der Zeit (Realplayer!)
Sennhausers Bericht enthält:
- Schilderung der Tumulte um die Screenings.
- Soundbites von der Pressekonferenz
- Aufbau des Films

Ich bin gespannt, vor allem auf des Bush-Clans Verbindungen zu den Saudis.

Kommentar schreibenAlle Kommentare anzeigen