Achtung, Fertig, Charlie!: Das Interview mit Martin Rapold

OutNow.CH: Gratulation zum Film. Hast du ihn schon gesehen?

Martin Rapold: Nö. Leider eben noch nicht...

ON: Okay... Wenn du dich auf der Leinwand siehst, bemerkst du dann Fehler von dir? Oder Sachen, die man besser anders gemacht hätte?

MR: Nein, nie. Das ist immer alles völlig perfekt... *g* Nein, das ist natürlich schwierig und ein rechter Spiessrutenlauf. Aber was will man machen... Ausser das nächste Mal besser machen...

ON: Nervt dich das?

MR: Das kann manchmal anstrengend sein. Aber mit den Jahren wird man halt entspannter. Aber besonders relaxed oder erfreut ist man natürlich nicht.

ON: Was war denn besonders schwierig an den Dreharbeiten?

MR: Ehm, eigentlich war's besonders cool, dass mir der Regisseur recht viele Freiheiten gelassen hat, wie ich meine Figur darstellen soll. Alle meine Schreiorgien im Film kamen von mir selber. Dann wurden sie halt am Schluss gelassen oder geschnitten.

ON: Wieviel von dir selber steckt denn in der Rolle? Oder sind da Erfahrungen aus der eigenen Militärzeit eingebaut worden?

MR: Ja logisch. Ich hatte damals einen Feldweibel, der immer rumgebrüllt hat. Der fand dann auch, dass das zum Beispiel keine Linie sei, wie wir da stehen, sondern eine Banane. Und wir sollten doch nochmals ins Bett, nochmals aufstehen und das ganze dann nochmals machen... Ich war in einer Fahrer-RS. Und ich führ Motorrad und die anderen Lastwagen. Und da wird recht auf Disziplin gemacht. Schlussendlich war dann meine Herausforderung, es zu schaffen, nicht weitermachen zu müssen... Wir hatten da noch einen Oberst, der die Leute gezwungen hatte, Sachen zu machen. Der war recht angefressen. Aber da musste ich halt einfach die debile Nummer durchgeben und das hat dann schlussendlich auch geklappt.

ON: Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet? Warst du schnuppern?

MR: Nein, nein. Ich habe ein paar Fotos ausgepackt und hab mir das ganze nochmals durch den Kopf gehen lassen. Und da kamen schon einige Geschichten wieder hervor.

ON: Situation VBS. Gratiswerbung oder ärgerlich?

MR: In Amerika, England oder Deutschland, wäre ich sicher gewesen, dass das ganze organisiert wäre. Weil wenn man wenige Tage vor der Premiere so einen Aufstand macht, dann ist das für den Film natürlich optimal. Aber in der Schweiz, wo jeder Bürger ehrlich ist, jeder geradeaus denkt und jede Kritik ernst gemeint ist, ist das halt möglich. Das entstand wohl relativ einfach. Die haben intern nicht richtig kommuniziert. Lesen können sie ja eigentlich und diejenigen, die das Projekt betreut haben, waren auch schwer okay. Die hatten Spass daran. Sie wussten zwar wohl nicht, wie gross das ganze werden würde... Die dachten wohl, wir machen da ein kleines Filmli... Aber wie gesagt, das ganze wurde wohl nicht richtig kommuniziert und drum hatten schlussendlich wohl auch ein paar 2-Stern-Generäle etwas dagegen. Die Armee ist halt immer noch ein bisschen eine heilige Kuh. Das ist halt schon eine "Pfadi für Grosse", mit viel Spielzeugen, Pänzerlis und solche Sachen. Ansonsten hat die Armee wohl einfach einen psychologischen Abschreck-Effekt.

ON: Frauen im Militär...

MR: Im Zeitalter der Gleichberechtigung stehen ihnen auch diese Türen offen. Ich hatte in meiner RS auch eine Frau als Kollegin. Und zwar in der Piloten-RS. Sie schaffte es sogar danach zum ersten weiblichen Piloten eines Tigers. Überhaupt habe ich diese Piloten-RS nur gemacht, weil ich halt fasziniert von Flugzeugen bin. Ich hab die Übung dann auch wieder abgebrochen, obwohl die da coole Uniformen hatten, die mich immer an "Saint-Exupery" erinntert haben. Und dann die Lederkappen... Das waren noch Zeiten...

ON: Wenn sich die Schweizer Filmprominenz am Drehort trifft, wird da hart gearbeitet oder eher rumgeblödelt? Vor allem wenn man einen Marco Rima dabei hat...

MR: Das Set ist natürlich immer durchorganisiert. Aber es bleibt auch immer zuviel Zeit um zu blödeln. Bis halt so ein Kran aufgebaut ist oder eine Schiene liegt, da vergeht schon einige Zeit. Und Marco hat schon ziemlich Gas gegeben. Der kann einfach nicht aufhören... Wir hattens also immer sehr lustig. Und bei einigen Szenen wurde halt so extrem viel Seich gemacht, dass ans Drehen gar nicht mehr zu denken war...

ON: Was machst du eigentlich lieber? Komödien wie Achtung, Fertig, Charlie! oder eher Thriller wie Exklusiv?

MR: Ich mach das, was kommt. Solange es eine gewisse Qualität aufweist. Denn bis man in der Lage ist, dass jeden morgen der Briefkasten vor Drehbüchern überquillt, macht man das, was angeboten wird.

ON: Warum spielst du eigentlich immer so "Anschiss-Rollen"? Im Kino, bei Exklusiv, L.A. X oder jetzt auch bei Achtung, Fertig Charlie. Warum?

MR: Das stimmt eigentlich gar nicht. Im TV hab ich schon ganz anderes gespielt. Aber im Kino scheint es wirklich diese Schlagseite zu haben. Aber im TV sieht das anders aus. Da habe ich einen ehemaligen Zirkusartisten gespielt. Einen Bauer mit Hanffeld. Den Lover eines schwulen Polizisten. Aber ohne Zuckertussi und Prosecco... Sondern eine richtig gute Partnerschaft. Also da hat's schon Abwechslung.

ON: Ist das etwas, dass du weiter machen willst? TV-Serien? Oder gehts weiter mit Kino?

MR: Ich bin ein grosser Fan vom Kino. Es gibt Pläne fürs Fernsehen und fürs Kino. Dann bin ich bei einem Projekt, wo ich auch hinter der Kamera beteiligt bin. Das Ding heisst Nocturne und wird wohl etwa im Januar 2004 in die Kinos kommen. Das ist eine schwarz-weiss Geschichte. Da freue ich mich drauf.

ON: Also, dann läuft es recht gut bei dir momentan? Auch finanziell? Kannst du davon leben?

MR: Im Moment, ja. Aber das kann recht schnell wieder anders aussehen. Ich war auch mal auf den Sprung nach Amerika. Aber das hat dann halt einfach nicht gepasst. Und es wird dir sowieso viel Honig um's Maul geschmiert in der Branche. Da kommt viel heisse Luft raus...

ON: Hast du einen Lieblingsschauspieler?

MR: Ja, Fight Club war geil. Edward Norton ist halt schon ein guter, intelligenter Schauspieler. Und Brad Pitt kann halt machen was er will, der sieht immer geil aus. Sein Stil ist so genial. Das sehe ich mir gerne an. Aber auch im Low-Budget-Bereich hat es einige Namen, die ich gut finde.

ON: Stichwort-Zeit! Nenn uns das erste, was dir zu den folgenden Stichworten einfällt:
Militär

MR: Pfadi für die Grossen

ON: Marco Rima

MR: Immer am blödeln

ON: Schweizer Kino

MR: Hoffentlich aufwärts

ON: Promotionarbeit

MR: Gute Sache, verkaufen

ON: Internet

MR: Gut, zum Mails verschicken

ON: m&m's

MR: Kleben in den Zähnen

ON: Hollywood

MR: You never know...

ON: Lieblingsfilm

MR: Fight Club

ON: Albtraumfilm

MR: Das Traumschiff

ON: Interview-Marathon

MR: Viel Kaffe und Zigaretten

ON: OutNow.CH

MR: Werde ich kennen und lieben lernen

ON: Besten Dank fürs Interview und weiterhin viel Erfolg!

Cool, cooler, Martin Rapold. So präsentierte er sich an diesem Tag. Der Helm seines Motorrades lag neben ihm auf dem Tisch, die Zigarette musste natürlich während des Interviews angezündet und geraucht werden und man merkte ihm an, dass er solche Promotionen schon öfters gemacht hatte. Klar, war er sympathisch. Klar, war er nett. Aber so richtig "warm" wurden wir nur zögerlich. Dennoch hat auch er einen guten Eindruck hinterlassen, ein richtiger Schweizer Filmstar halt...

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