Verloren geglaubtes Drehbuch von Stanley Kubrick steht zur Auktion

Ein verschollenes Drehbuch, das einst Stanley Kubrick verfasst hatte, ist wieder aufgetaucht. Das Skript mit dem Titel "Burning Secret" wird am am 20. November bei Bonhams New York versteigert.

Es ist schon spannend, wenn plötzlich Dinge von Filmkünstlern auftauchen, die nicht mehr unter uns weilen. Ein Beispiel ist die Fertigstellung von Orson Welles unvollendetem Werk The Other Side of the Wind. Oder das verschollene geglaubte Filmmaterial zu Metropolis, das auf der anderen Seite der Welt rumlag und aufgrund dessen anschliessend das Werk beinahe vollständig rekonstruiert werden konnte. In diesem Falle handelt es sich um ein Drehbuch von Stanley Kubrick mit dem Titel "Burning Secret".

Das Skript verfasste Kubrick 1956, als er gerade The Killing fertiggestellt hatte. Er adaptierte die Geschichte von einer Novelle aus dem Jahre 1913 des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig. Darin geht es um einen Versicherungsvertreter, der sich in einem Kurort mit einem zehnjährigen Jungen anfreundet. Sein Ziel ist es, die verheiratete Mutter des Kindes zu verführen. In der Adaption hatte Kubrick die Story nach Amerika in den Fünfzigern verfrachtet. Das Studio MGM hatte auch einen Einblick in das Drehbuch und es sogar mit einem Stempel versehen.

Komponist Gerald Fried hatte mit dem Filmvisionär schon an fünf Projekten zusammengearbeitet und die Musik dazu geliefert. Kubrick übergab das Drehbuch an Fried, um den passenden Score für "Burning Secret" zu erstellen. Doch er verlangte das Skript nie zurück, und so verschwand es bei Fried unter seinen anderen grossen Projekten. Nun hat der Sohn von Gerald Fried, der das Filmarchiv seines Vaters verwaltet, dieses Drehbuch in die Finger bekommen. Und bald geht es zur Versteigerung des Skripts, wo man den Wert auf zirka 20'000 US-Dollar schätzt. Anscheinend stehen niemandem die Rechte an diesem Drehbuch zu. Derweil wird MGM die Angelegenheit wegen der Rechtelage intern prüfen.

Weswegen genau dieses Filmprojekt damals nicht zustande kam, ist unklar. Man spekuliert über die damaligen Personalfluktuationen im Studio selbst. Eine andere Möglichkeit wäre Kubricks vertraglicher Streit mit dem Studio zu der Zeit, als er Paths of Glory drehte. Wohl der plausibelste Grund war der Hollywood Code der Fünfzigerjahre. Dieses Projekt war anstössig und hätte damit den Code verstossen: Die Story nütze ein Kind aus, damit es zwischen dem Versicherungsvertreter und der Mutter zu einer sexuellen Handlung kommt, was damals sehr verstörend gewirkt hätte. Ein ähnliches Problem hatte Kubrick 1962 mit Lolita, wo er es schaffte, dass der Film trotz Kontroverse in die Kinos kam.

Das Drehbuch hätte aus heutiger Sicht Potenzial, wenn Anpassungen ins Jetzt vorgenommen würden. Daraus einen Indie-Film zu machen, wäre passend. Doch wer wird an der Auktion dieses Drehbuch ersteigern? Eine Film- oder TV-Firma? Und kommt vielleicht dann doch noch jemand, um Rechtsansprüche auf das Drehbuch geltend zu machen? It's a burning secret. Auch Stanley Kubrick gehörte zu den Filmemachern, die Projekte starteten, aber niemals vervollständigten. Wenn so ein Fundus bei den richtigen Personen landet, könnte daraus was Ehrenvolles entstehen, wenn man den Kubricks Visionen treu bleibt. Mal sehen, was in naher Zukunft passieren wird.

Quelle: Deadline

09.11.2018 10:00 / sen

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