Mit Kopfhörer ins Kino? Die neue App SoundFi erlaubt den Tonspurwechsel im Kinosaal

Synchro oder Originalversion? Die ewige Frage vor dem Kinobesuch. Die Wahl wird einem zudem in der Schweiz vermehrt verweigert. Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab. OutNow hat sie sich angehört.

So schlicht sieht SoundFi im Livebetrieb im Kino aus. Getestet auf einem iPhone X. © OutNow,CH

Man kennt die Probleme als fleissiger Kinogänger: Entweder läuft der Film nicht in der Originalversion oder die Begleitung will keine Untertitel lesen. Mit SoundFi - einer neuen App, die im Kinosaal alternative Tonspuren via Kopfhörer verfügbar macht - zeichnet sich eine Lösung ab.

Mit gebührendem Trara wurde SoundFi in Zürich vorgestellt. Erstmals überhaupt kam die Technik ausserhalb der USA zum Einsatz. Zu sehen gab's Denzel Washington in Equalizer 2. Zu hören je nach Wahl die französische oder deutsche Fassung zu der als Edf-Version laufenden Version auf der Leinwand.

Ursprung nahm der Event am Locarno Festival. Training Day-Regisseur Antoine Fuqua, Geschäftspartner bei SoundFi, war vor Ort, angetan vom Ambiente und der Betreuung. Deshalb gab er grünes Licht für die europäische Vorstellung seines neusten Films The Equalizer 2, den er mit seinen Sound-Ingenieuren für SoundFi optimieren liess.

Was ist SoundFi?
Ursprünglich als immersive 3D-Audio-Erfahrung gedacht, lasst sich die Technik von SoundFi auch für Mehrsprachigkeit nutzen. Hier kommt die Schweiz ins Spiel. Mehrere Kinobesitzer/Verleiher waren im Kino Abaton anwesend. Sie haben es nun in der Hand, der Sache zum Durchbruch zu verhelfen.

Wie funktioniert's?
Man braucht eigene Kopfhörer und ein Handy. Die Kinobesucherin lädt sich die SoundFi-App vorab aufs Gerät und sucht darin das Kino und die gewünschte Vorstellung. Entscheid gefällt, lädt man die gewünschte Tonspur herunter und geht mit Telefon und Kopfhörer ins Kino. Beim Zürcher Test war SoundFi nur als iPhone-App (ab iOS 10.3) in Betrieb. Die FAQ innerhalb der App erwähnt aber bereits Android (Ab Version 7 - Nougat).

Was passiert im Kino?
Einmal auf Start gedrückt, synchronisiert sich der Ton automatisch vom Smartphone mit der Projektion. Es reicht, vor der richtigen Filmkopie zu sitzen. Der Rest steuert die App. Der Abgleich findet über das Mikrofon statt. Filmpiraten, die an den fremdsprachigen Tonspuren interessiert sind, bringen das File ausserhalb des Kinosaals nicht zum Laufen. Die Infrastrukturkosten für Kinobetreiber sind minim.

Was passiert, wenn ich aufs WC muss?
Der "Hollywood Reporter" schreibt, dass man sogar Popcorn kaufen kann und mal kurz für kleine Jungs verschwinden, ohne dass der Ton unterbricht. Zumindest vom Ton verpasst man bei jedem Film also nichts mehr mit SoundFi. Leider hat es OutNow versäumt, dies in Zürich ausführlich zu testen.

Taugt SoundFi was?
Aberschosicher! Die Abwicklung lief problemlos. Der Film war immer lippensynchron. Dolby-Fans dürfen aufatmen: SoundFi bietet mehr als nur Stereo. Ein Eintauchen in den Film ist möglich. Speziell mit Hörmuschel abdeckenden Headphones. Der Showdown im Nebel in The Equalizer 2, bei dem einiges an halbautomatischen Waffen zum Einsatz kommt, war tippitoppi! Ein Kopfhörer, der die Umgebungsgeräusche tilgt, ist von Vorteil. Zwar sind alle Soundeffekte und die Filmmusik im Ohr 100 Prozent synchron mit dem, was von der Leinwand kommt; je nach Lautstärke - im Saal oder im Kopfhörer - hört man aber leise die Originalstimmen der Schauspieler. Da hilft nur lauter stellen am Telefon.

Was sind die Nachteile?
Es fehlen die Geräusche des Publikums. Ein Vorteil beim Popcorn-Knabbern und Glacé-Knuspern. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil beim Gelächter zu einer Komödie. Es gab zwar nicht viel zu Lachen beim Selbstjustiz-Thriller mit Denzel... Wenn aber mal geschmunzelt wurde, dann bekam man nicht viel davon mit.

Fazit
Nach zwei Stunden mit Kopfhörer im Kino und expressiv erlaubten Rumfummeln am Handy während des laufenden Films (keine Sorge, die App erstrahlt im dunklen Design so, dass Lichtverschmutzung weniger ein Problem ist) kann man resümieren: Kinobesitzer macht mit! Verleiher gebt euch einen Ruck. Seid dabei bei SoundFi!

Quelle: OutNow.CH

13.09.2018 12:00 / rm

Links zum Thema:

» Interview mit Antoine Fuqua zum Thema SoundFi (in Englisch. Via Hollywood Reporter)


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