Das Venedig-Tagebuch 2018 - Tag 4: Vierundreissig Euro, bitte.

Am vierten Tag auf dem Lido Venedig sah Marco ein überraschendes Highlight aus Uruguay, den neuen Episodenfilm der Coen Brothers und einen gesalzenen Kassenzettel an der Hotelbar.

06:45 piepst es wieder, dieses Mobiltelefon. Dies bedeutet einmal mehr einen frühen Start in der Pala Biennale. Als Fan der exzentrischen Coen Brothers freue ich mich auf ihr Netflix-Projekt The Ballad of Buster Scruggs und werde dann auch nicht enttäuscht. Die aneinandergereihten Western-Episodenfilme bringen den verschrobenen Humor der Coens vor einer visuell tollen Kulisse zum Vorschein. Es waren auch schwächere Geschichten dabei, aber zwei von sechs haben mir sehr gut gefallen - keine schlechte Bilanz also. Der Film enthielt mit der Aufnahme aus einem Gitarrenkörper heraus durch die Saiten hindurch meine Lieblingseinstellung des gesamten Festivals.

Eine Gitarre hielt auch Bradley Cooper in seinem A Star Is Born Remake in der Hand. Mit unfreiwillig komischer Brummelstimme mimt er den abgefuckten Rockstar wie eine Karikatur. Kritikern und Publikum schien dies egal sein, da der Film sehr gut wegkam. Dank Lady Gagas eindrücklicher Stimme, die mir als Radioverweigerer bisher enthalten blieb, und ihrer allgemeinen Leinwandpräsenz konnte ich dem Film dann doch noch etwas abgewinnen. Die Songs waren auch ziemliche Hits.

Mit La Noche des 12 Años kam sie dann, die von gli bei Aquarela erwartete verborgene Perle des Festivals. Das Drama handelte von drei Tupamaros - Guerillakämpfern, die sich bewaffnet für eine sozialistische Regierung in Uruguay einsetzten - und den zwölf Jahren, die sie in Isolationshaft verbringen mussten. Trotz dieses tragischen Schicksals sind sie Menschen geblieben, und der Film ist ein Plädoyer für Humanität und Hoffnung unter den unmenschlichsten Bedingungen. Ein eindrückliches Werk, welches vom Publikum zurecht mit einer Standing Ovation belohnt wurde, die den ganzen Abspann überdauerte. Cast und Crew im Saal waren sichtlich gerührt, wie auch das Publikum.

Der Abend wurde von What You Gonna Do When the World's on Fire? abgeschlossen. Die Doku, bei der nicht nur der Name zu lange ist, thematisiert Rassismus in New Orleans, bringt aber wenig Neues auf den Tisch. Auf dem Nachhauseweg kamen gli und ich dann wie immer am Hotel Excelsior vorbei. In diesem Luxushotel, bei dem die Stars jeweils ankommen, solle es Gerüchten zufolge noch Gratisgetränke des Festivalpartners Martini zu geniessen geben. Als wir in der Hotelbar ankamen, war dann aber alles so ziemlich leer, und so entschieden wir uns, einen der bereits am ersten Tag erwähnten Aperol Spritz zu bestellen. Die Antwort des adrett gekleideten Bartenders auf "Due Aperol Spritz" lautete dann bei bierernster Miene: "34 Euro per favore." Na dann, gut Nacht.

Quelle: OutNow.CH

03.09.2018 23:59 / ma


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