Das Venedig-Tagebuch 2018 - Tag 2: All's Well that ends Welles?

Der zweite Tag brachte das Schauen des Eröffnungsfilmes, einen Rostgöppel, den italienischen Coop und natürlich auch venezianische Gelati. Was das alles zu bedeuten hat, steht im Tagebuch.

"Buongiorno!". Ja genau, den Wecker habe ich überhört, nicht richtig programmiert oder einfach sonst verschlafen, und so wurde ich von der netten Nonna meines B&B auf dem Lido geweckt. Nach Kaffee und Frühstück ging's dann los zur Pala Biennale, wo ich den ersten Film auf meinem Tagesprogramm, Sulla mia pelle, leider verpasst habe und dann wohl auf Netflix (der Streamingriese vertreibt das Drama) nachholen muss. Immerhin erschien ich pünktlich zu First Man, dem Film, der am vorigen Abend das Festival eröffnet hatte. Vor zwei Jahren durfte ich im selben Kino den letzten Film von Regie-Wunderkind Damien Chazelle geniessen und eine Lobeshymmne schreiben. Umso gespannter war ich natürlich auf das neue Werk.

Eigentlich konnte ich ja nur enttäuscht werden, und es war dann auch so, als ich einen "nur" sehr guten Film zu sehen bekam, der mir etwas zu kalt und emotionslos war. Technisch ist First Man natürlich einwandfrei, aber etwas zu distanziert. Danach ging es auf meine eigene Odyssee, und ich musste meinen Koffer von A nach B schleppen, da bei B der Rest der Crew auf den Einzug in den definitiven OutNow-Stützpunkt wartete. Leider war die Putzfrau noch mit ihrer Arbeit beschäftigt, den Sand aus der nahe am Strand gelegenen Wohnung zu wischen, sodass nur die Koffer deponiert wurden und ein Einkauf im Coop (ja, den gibt es in Italien auch in anderer Form) folgte. Dazu testeten rm und ich erstmals die in der Miete grosszügigerweise inbegriffenen Luxusvelos, die uns in Stranger Things-Manier ganz nahe am Boden zum Laden düsen liessen. Leider wurde dort unsere Supercard nicht akzeptiert.

Weiter ging es dann doch wieder einmal im Kino. In der Sektion "Orrizzonti" wurde das französishe Drama L'enkas gezeigt. Dieses erzählt die Geschichte eines jungen Kriminellen, der aus seinem Foodtruck mit Ketamin angereichertes Bier an Raver vertickt. Das war weder sonderlich gut noch sonderlich schlecht, und nach einem überteuererten Tomaten-und-Mozzarella-Salat, dessen Tomaten eher "Dry Green Tomatoes" waren, stand noch etwas ganz Besonderes auf dem Programm. Zumindest möchte uns Netflix dies glauben lassen. Der legendäre Orson Welles (Citizen Kane) arbeitete jahrelang an seinem Film The Other Side of the Wind, der nun, 33 Jahre nach Welles' Tod, fertiggestellt worden ist. Ich bin mal gespannt, wie das OutNow-Review aussehen wird. The Guardian lobt den Film auf jeden Fall. Aber wahrscheinlich muss man das, um sein Ansehen nicht zu verlieren... Mich hat der Film mit seinem Film im Film im Found-Footage-Mockumentary-Format schlicht angestrengt. Und dies nach 22 Uhr. Ich bin Kunstfilmen wahrhaftig nicht abgeneigt, aber diese Collage war mir dann doch zu viel. So ging es dann nach einem Gelato ab in die Heia. Natürlich auf dem Turbo-Drahtesel.

Quelle: OutNow.CH

31.08.2018 23:45 / ma


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