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"303": Das Interview mit Hans Weingartner

Hans Weingartner gelang mit "Das weisse Rauschen" den Durchbruch und wurde mit "Die fetten Jahre sind vorbei" so richtig bekannt. Wir trafen den "303"-Regisseur zu einem Interview in Zürich.

OutNow.CH (ON): Was hat dich zu «303» inspiriert?
Hans Weingartner (HW): Ich wollte keinen typischen Liebesfilm machen und von daher kam mir die Idee, das Ganze in ein Roadmovie zu verpacken. Ich fuhr 2001 mit einer Gruppe von Hippies nach Spanien und die hatten da auch so alte Mercedes-Busse. Mit einer der Frauen habe ich mich nächtelang unterhalten und sie gab mir auch die Gewissheit, dass in meinem Film auch eine Frau den Bus fahren kann.

ON: Welche Kernaussage willst du den Zuschauern vermitteln?
HW: Es ist eher ein Kerngefühl als eine Kernaussage. Das Kerngefühl ist, der Mensch ist gut, ganz einfach. Und wir wollen uns nicht gegenseitig zerfleischen und permanent miteinander in den Wettkampf treten. Wir wollen in Frieden und in Harmonie miteinander leben. Die zweite Aussage ist: man sollte die Phase des Sich-Verliebens so lange wie möglich auskosten.

ON: Wie bist du an die Dialoge rangegangen?
HW: Ich habe 20 Jahre lang immer wieder mal Dialoge geschrieben. Von 2013 bis 2015 entstand dann das Drehbuch dazu, zusammen mit Silke Eggert. Mir macht es irre Spass, Dialoge zu schreiben. Es ist fast wie Gedichte zu schreiben, oder zu rappen. Einen Rhythmus hinein zu kriegen, sie sprechbar zu machen, das fühlt sich an wie komponieren.

ON: Weshalb hast du dich für Mala und Anton entschieden?
HW: Ich hatte zuerst Mala gefunden, weil sie diese einzigartige Kombination aus einerseits Offenheit und Sensibilität hat, und andererseits Stärke und Willenskraft. Das alles bringt sie mit, das muss sie gar nicht spielen. Diese Kombi ist halt leider sehr selten, da die meisten zarten Frauen sich einen starken Schutzschild aufbauen. Ich wollte einfach eine moderne starke Frau und das Erschaffen dieser Frauenfigur ging nur zusammen mit Mala.


ON: Verliefen die Dreharbeiten problemlos oder gab es irgendwelche Zwischenfälle, die dir in Erinnerung geblieben sind?
HW: Es hat am Anfang viel geregnet, aber ich wollte dass im Film die Sonne scheint. Also haben wir einfach nicht gedreht, wenn es regnete. Deshalb hat der Dreh auch viel länger gedauert und wurde natürlich auch viel teurer. Die Leute machen sich vermutlich zu idyllische Vorstellungen von einem Road-Movie-Dreh. Es war harte Arbeit. In Frankreich war es dann plötzlich saukalt. Wenn man darauf achtet, sieht man, dass Mala oft blaue Lippen hat. Oft steckten die beiden bis zur Hüfte in Schlafsäcken! Typisch Film halt.

ON: Ist es schwieriger, ein Roadmovie zu drehen, als einen Film, der nur in einem Land spielt?
HW: Je weiter du halt von deiner "Base" weg bist, umso schwieriger wird es, das Material hin- und herzuschicken und Ersatzteile zu bekommen. Aber ansonsten hatte ich bei unserem Dreh immer das Gefühl, dass wir eh nur in einem einzigen Land drehen, in einem freien Land namens Europa. Das war wunderschön. In den sieben Wochen, die wir gedreht haben, ist uns kein einziger Mensch in Uniform begegnet, und die Landesgrenzen bestanden auch nur aus kleinen Schildern.

ON: Wie sieht für dich der perfekte Roadtrip aus?
HW: Ich sage immer "people over places". Das Wichtigste ist nicht wohin, sondern mit wem. Persönlich fahre ich gern an Orte, wo nicht so viel los ist. Das ist viel entspannter. Ansonsten: Such dir einen guten Partner, nimm nicht zu viel Gepäck mit und sei offen für Begegnungen.

ON: Wolltest du schon immer Regisseur werden?
HW: Nee, das hat gedauert. Als Kind wollte ich Profifussballer werden, aber dafür hat's nicht gereicht (lacht). Danach wollte ich Physiker werden, aber dafür war ich in Mathe zu schlecht. Dann wollte ich Gehirnforscher werden. Das wäre ich dann auch fast geworden, aber in Deutschland gab es damals zu wenig Institute dafür, das war damals alles noch in Kalifornien. Ausserdem hatte ich halt auch immer schon diese extrem starke Leidenschaft für den Film, und da lernte ich eine Frau kennen, die diese Leidenschaft teilte. Um diese zu beeindrucken, habe ich mich an der Filmhochschule in Köln beworben. Die haben mich dann auch genommen und ich hatte dort die glücklichste Zeit meines Lebens. Es war dieses Gefühl: Ok, jetzt machst du endlich etwas das dich wirklich begeistert, etwas das in dir steckt, und das du auch noch ganz gut kannst. Die Liebe führte mich also zur richtigen Entscheidung.

303 läuft in den Schweizer Kinos.

© Filmcoopi

Quelle: OutNow.CH

02.08.2018 10:25 / mig


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