Weiter zu OutNow.CH »
X

Starke Filme braucht das Land: Drei Schweizer Filme, auf die man sich richtig freuen kann

Es gibt nicht nur "Die göttliche Ordnung". Der Schweizer Film ist mutiger als man denkt. Zum Nationalfeiertag möchten wir den Fokus auf drei kommende CH-Produktionen richten.

Max Hubacher in "Der Läufer" © Filmcoopi

Der Schweizer Film hat seit Jahren einen Mief, der ein jüngeres Publikum abschreckt. "Schweizer Film? Das läuft doch nur am Sonntagabend auf SRF1, wenn nicht gerade die Tatort-Kommissäre ermitteln." Viele assoziieren mit dem Schweizer Film halt nicht viel Cooles, sondern seichte Unterhaltung. So kann man sich fragen, warum unser Kino nicht zu Coolerem fähig ist? Wie kann es sein, dass die Skandinavier oder die Österreicher immer wieder starkes Material produzieren, die dann auch bei den Oscars mitmischen? Fragen, welche auch innerhalb der Branche gestellt werden, wobei das Kämpfen um Förderungsgelder von vielen als Hauptproblem Nummer eins genannt wird.

Doch wir wollen hier nicht über Probleme schreiben, sondern mit Vorfreude in die Zukunft schauen. Denn es gibt sie nämlich, die aufregenden Schweizer Filme. Nur fliegen die regelmässig unter dem Radar der meisten Kinogänger hindurch und spielen deshalb nur wenig ein. Mit dem Portemonnaie-Entscheid passiert es dann halt, dass mehr Werke wie Die göttliche Ordnung produziert werden. An Petra Volpes Publikums-Hit haben wir dabei gar nicht viel auszusetzen. Solche Filme soll es weiterhin geben. Doch wir wünschen uns vermehrt junges und mutiges Schweizer Kino. Wir wollen mehr Filme wie z. B. Simon Jaquemets Chrieg, den im Kino nur erschreckende 8'271 Zuschauer sehen wollten. Das soll nicht mehr passieren und so haben wir anlässlich des Schweizer Nationalfeiertags drei kommende "Heimat-Filme" herausgepickt, welche womöglich weniger auf den SRF1-Sonntagabend-Programmplatz gehören - und das ist auch gut so.

Chris the Swiss - Kinostart: 13. September 2018

Auch wenn im Genrefilmbereich eher Flaute herrscht, was gute Produktionen anbelangt, wird das Schweizer Filmschaffen im Bereich des Dokumentarfilmes auf der ganzen Welt gelobt. Ein Christian Frei (War Photographer) oder Markus Imhoof (More Than Honey) erfahren grosse Anerkennung. Auch wenn Frei im Herbst mit Genesis 2.0 einen neuen Film am Start hat (der notabene am Sundance für die beste Kameraarbeit ausgezeichnet wurde), wollen wir uns hier jedoch auf ein junges Talent fokussieren. Die 36-jährige Anja Kofmel erzählt in ihrem Langfilmdebüt Chris the Swiss von ihrem verstorbenen Cousin Christian Würtenberg. Eine Geschichte, welche sie schon im Kurzfilm Chrigi von 2009 zu verarbeiten versucht hat.

Für Kofmel war ihr älterer Cousin lange ein Mysterium - er, der 1992 in Kroatien umgebracht wurde. Dabei ging der junge Journalist ursprünglich in den Balkan, um unter anderem für Radio24 über die dortigen Zustände zu berichten. Doch zum Zeitpunkt des Todes trug Christian die Uniform einer internationalen Söldnergruppe. Wieso das und wie konnte es soweit kommen? Dies versucht Kofmel in ihrem Film herauszufinden. Sie stellt Recherchen an und lässt ehemalige Weggefährten zu Wort kommen. Das Besondere am Film ist jedoch, dass die Regisseurin mit Hilfe des Animationsfilmes die Erlebnisse auch aus Christians Augen zeigt. Mit eindrücklichen Schwarz-Weiss-Bildern verbildlicht sie so Christians Reise, wobei ein schmerzhaftes, aber gleichzeitig faszinierendes und lehrreiches Werk entsteht. Sie findet mit den Animationen Bilder, für die es keine realen Bilder gibt. Eine Herangehensweise, mit der auch schon Filme wie Persepolis und Waltz with Bashir Erfolg hatten. Diese Vergleiche braucht diese schweizerische, kroatische, deutsche und finnische Co-Produktion nicht zu scheuen. Wir sind auf jeden Fall schon Fan des Filmes, den wir bei seiner Weltpremiere in Cannes sehen konnten. Zur Kritik.

Einen kleinen Einblick in den Film erhaltet ihr mit dem unteren Ausschnitt, welcher uns vom Schweizer Verleiher First Hand Films freundlich zur Verfügung gestellt wurde:

© First Hand Films

Der Läufer - Kinostart: 4. Oktober 2018


Vor genau 16 Jahren, am 1. August 2002, wurden innerhalb weniger Stunden in Bern zwei Frauen von einem Mann mit einem Messer attackiert. Eines der Opfer starb an den erlittenen Verletzungen. Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei dem Täter um den Langstreckenläufer Mischa Ebner, der von den Medien später den Namen "Mitternachts-Mörder" verpasst bekam. Neben dem Mord gestand Ebner weiter noch mehrere Überfälle auf junge Frauen. In seinem Langfilmdebüt Der Läufer erzählt Regisseur Hannes Baumgartner von den Taten, änderte jedoch mit seinem Co-Autor Stefan Staub alle echten Namen und hat die Geschehnisse ins Heute verlegt.

Der Film wird dabei komplett aus der Sicht des Täters erzählt, der hier Jonas Widmer heisst und von Shooting-Star Max Hubacher (Der Verdingbub) gespielt wird. Durch die Augen eines Mörders: Das kann sehr unangenehm sein, doch interessiert sich Baumgartner vor allem auf den Prozess der Abkapselung. "Wie sich ein Mensch trotz möglicher Hilfe von aussen immer weiter in die Isolation treibt, wie er keinen Weg findet, seinen gewaltigen inneren Leidensdruck in Worte zu fassen. Der Film soll zeigen, wie die Hauptfigur verzweifelt versucht, diesen immensen Druck durch Sport, Arbeit und Beziehung zu verdrängen - und wie sie durch diesen Verdrängungsprozess zum Gewalttäter wird", so Baumgartner.

Der Läufer eilt damit schon so der Ruf voraus, kein einfacher Stoff zu sein und wird sicher auch zu vielen Diskussionen führen, ob man sowas überhaupt zeigen darf. Baumgartner möchte jedoch keine Gewalttaten zelebrieren, sondern will verstehen, wie sie entstehen. Da scheint man mit dem nötigen Respekt an die Sache herangegangen zu sein. Ein sicherlich unbequemer Beitrag, von denen der Schweizer Film aber definitiv welche gebrauchen kann.

Der Schweizer Verleiher Filmcoopi hat vor kurzem den ersten Trailer zum Film veröffentlicht.

Der Unschuldige - Kinostart: 1. November 2018.

Eingangs haben wir ihn schon erwähnt: Chrieg. Die Handlung drehte sich um rebellische und gewalttätige Jugendliche, die eigentlich in den Bergen etwas "herunterfahren" sollten, wo jedoch das komplette Gegenteil passiert. Unserer Meinung nach gehört das Drama zu den besten Schweizer Filmen aller Zeiten, da Regisseur Simon Jaquemet grandiose Nachwuchsdarsteller mit hypnotischen und düsteren Bildern zu einem Sog verbindet, der von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann schlägt. Nur wollten viele das nicht im Kino sehen und auch beim Schweizer Filmpreis ging das Werk fast leer aus. In der Königskategorie musste man sich Stefan Haupts Der Kreis geschlagen geben. Doch das ist alles Schnee von gestern. Chrieg hat Jaquemet auf den Radar von vielen gebracht und man konnte gespannt sein, was der Basler als nächstes machen wird.

Dieses "Nächstes" heisst Der Unschuldige und wird am Filmfestival von San Sebastian seine Weltpremiere feiern. Allzu viel ist über den Film noch nicht bekannt. Die Geschichte dreht sich um die von Judith Hofmann gespielte Neurowissenschaftlerin Ruth, deren zerbrechliche Realität aus den Fugen gerät, als ihre alte Liebe nach 20 Jahren Gefängnis aus der Haft entlassen wird. Sollte es Jaquemet erneut gelingen, die Zuschauer so wie in Chrieg in das Geschehen hineinzuziehen, dann haben wir hier einen weiteren irren Trip vor uns, der uns aufwühlen und beim Abspann gerädert zurücklassen wird. Wir sind sehr gespannt.

Die Bilder zum Film wurden uns vom Schweizer Verleiher Ascot Elite exklusiv zur Verfügung gestellt.

Quelle: OutNow.CH

01.08.2018 08:00 / crs


Artikel zum Thema

» Erster Trailer zum packenden Schweizer Dokfilm "Chris the Swiss"
» Inspiriert von wahren Begebenheiten: Erster Trailer zum Psycho-Thriller-Drama "Der Läufer"
» Trailer zur Schweizer Filmsensation "Chrieg"
» Schweizer Filmpreis 2018: "Blue My Mind" räumt ab
» Erster Trailer zum Schweizer Film "Mario" um homosexuelle Fussballer


Kommentare zum Artikel

Kommentar schreiben

Du musst dich einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu schreiben.