Weiter zu OutNow.CH »
X

Unsere 11 meisterwarteten Filme vom Cannes-Filmfestival 2018

"It's the most wonderful time of the year", werden wieder viele Journalisten vom 8. bis am 19. Mai singen. Das Cannes-Filmfestival zeigt erneut viele Läckerlis - wir haben mal elf herausgepickt.

So, jetzt ist bald fertig gestritten über die Themen "Selfie-Bann" und "No-Netflix". Mit dem Beginn des Cannes-Filmfestivals rücken endlich die Werke in den Fokus, die an der 71. Ausgabe gezeigt werden. 21 Filme kämpfen in diesem Jahr um die Goldene Palme, während es in den Nebensektionen "Un certain regard", "Quinzaine des réalisateurs" und "Semaine de la Critique" ebenfalls einiges zu holen gibt. Wir haben das Programm intensiv studiert, Pläne ausgearbeitet, um Filmkritiken geprügelt und freuen uns nun besonders auf folgende Filme.

BlackKklansman

Spike Lee ist in der vergangenen Jahren fast ein bisschen in Vergessenheit geraten. Seine Filme fanden kein grosses Publikum mehr, wobei die Streifen in der Schweiz nicht mal in die Kinos kamen. Dies könnte sich mit BlackKklansman ändern. John David Washington (sein Papi heisst Denzel zum Vornamen) spielt einen afroamerikanischen Cop, der sich im Ku-Klux-Klan einschleusen lässt. In weiteren Rollen sind Adam Driver und Topher Grace zu sehen. Lee zeigte erstes Material zum Film an der vergangenen CinemaCon und überraschte dort die Anwesenden: Sein Film soll viel Humor beinhalten, wobei der KKK immer wieder der Lächerlichkeit preisgeben wird. Das tönt "huere geil", und dass Oscar-Preisträger Jordan Peele (Get Out) zudem als Produzent an Bord war, lässt die Erwartungen ebenfalls steigen.

Chris the Swiss

Schnell was Persönliches: Der Schreibende hier hört auf den Namen Chris und ist in der Schweiz geboren. Wie kann ich "nein" zu einem Film mit diesem Titel sagen? Jetzt aber ernsthaft: Der Dokumentarfilm versucht in animierter Form herauszufinden, wie und warum der Schweizer Journalist Chris in Kroatien im Jahre 1992 ums Leben kam. Mysteriös ist dabei vor allem die Tatsache, dass der Tote eine Uniform einer internationalen Söldnergruppe trug. Seine Cousine Anja Kofmel geht nun Jahre später auf Spurensuche und nutzt dabei auch die Mittel des Animationsfilms. Dokus in animierter Form erfreuen sich seit Waltz with Bashir einer grossen Beliebtheit und sind zudem deutlich anmächliger als die Standard-Dokus mit ihren Archivmaterialien und Interviewaufnahmen.

Climax

Provokateur Gaspar Noé hat ganz still und heimlich einen neuen Film gedreht. Der Regisseur des Skandalwerkes Irréversible, des filmischen LSD-Erlebnisses Enter the Void und des... ääähm... pornografischen Love schickt in einem neusten Film 20 Urban Dancers auf einen irren Trip, nachdem sie merken, dass im Kübel Sangria, den sie soeben ausgetrunken haben, noch etwas anderes war. Es beginnt ein irrer Trip zwischen Paradies und Hölle. Dies klingt schon ein bisschen wie der erwähnte Enter the Void, doch sind Noés Filme immer etwas Besonders, da sie heftige Gefühle auszulösen vermögen.

Everybody Knows

Der zweifache Oscarpreisträger Asghar Fahradi macht Filme, die vom Plot her jeweils nicht so prickelnd tönen und in den ersten 30 Minuten dann jeweils die Frage aufbringen, warum man sich das weiter anschauen sollte. Doch dann passiert immer etwas, das den Zuschauer packt und bis zum Schluss und im Falle seines Meisterwerks A Seperation auch lange nach dem Abspann nicht mehr loslässt. In Everybody Knows geht es um eine Familienfeier (*gähn*), bei der dann jedoch Wunden aus der Vergangenheit aufgerissen werden, was das Leben von allen verändern wird (jetzt wird's spannend). Dass Penélope Cruz, Javier Bardem und Ricardo Darin die Hauptrollen spielen, ist für die Vorfreude ebenfalls nicht gerade hinderlich.

Les filles du soleil

Meistens werden Kriegsfilme aus der Sicht der Männer geschildert. So jedoch nicht Les filles du soleil von Regisseurin Eva Husson. Darin begleitet eine Kriegsreporterin (Emmanuelle Bercot) eine Widerstandskämpferin (Golshifteh Farahani) beim Befreiungsversuch eines kurdischen Dorfes. Der Film verspricht eine andere Sichtweise auf das Thema und wird wohl mit deutlich weniger Pathos als die amerikanischen Kollegen auskommen. Das könnte ein echter Geheimtipp und ein grosser Anwärter auf die Goldene Palme sein, die übrigens bisher erst einmal in der langen Geschichte an eine Frau ging (Jane Campion für The Piano, 1992).

The House That Jack Built

Lars von Trier ist zurück in Cannes, nachdem er 2011 noch wegen Hitler-Kommentaren verbannt wurde. Sein Film läuft zwar ausser Konkurrenz, doch werden die Journis hier wohl um die begehrten Plätze prügeln müssen. Ein von-Trier-Film ist oft ein Ereignis, das man sich nicht entgehen lassen möchte. Der Regisseur zeigt heuer einen Serienkillerfilm mit Matt Dillon in der Hauptrolle. Wir folgen dabei dem Mörder über einen Zeitraum von zwölf Jahren und werden Zeugen seiner Gräueltaten. Insider beschreiben den Film als noch brutaler als Antichrist. Die Frage ist einfach, wie er das noch toppen möchte. Wir werden es sehen - und dann wohl verstört aus dem Sessel fallen.

Leave no Trace

Einer der meistgefeierten Filme vom Sundance-Filmfestival. Regisseur Debra Granik (Winter's Bone) zeigt die Geschichte eines Vaters, der sich mit einer Tochter heimlich in einem US-amerikanischen Park lebt. Doch als sie einen Fehler begehen, verändert dies alles. Das klingt ein bisschen wie "Captain Fantastic in ernst", doch sind wir auch wegen des brillanten Ben Foster bereit, uns dies anzusehen und werden, den ersten Kritiken nach zu urteilen, dann hoffentlich das Kino ganz aufgefühlt verlassen.

Mandy

Kann man sich überhaupt noch auf einen Nicolas-Cage-Film freuen? Seit Jahren produziert der Oscarpreisträger (jawohl, er hat wirklich ein Goldmännli zuhause) fast nur noch Mist. Doch alle gefühlt 20 Filme sieht man ihn auch in einem Klassewerk, wobei der am Sundance gefeierte Mandy ein solches zu sein scheint. Darin geht ein von Cage gespielter Mann auf einen Rachefeldzug gegen einen Kult, der die Liebe seines Lebens getötet hat. Beschrieben als harter Genre-Reisser zwischen Horror und Action.

The Man Who Killed Don Quixote

Terry Gilliams Leidensweg hat ein Ende gefunden: Nachdem sein erster Versuch, seine Version des Don-Quixote auf die Leinwand zu bringen, gescheitert war - und dieser immerhin in dem unterhaltsamen Lost in La Mancha dokumentiert wurde -, hat er es nun doch noch vollbracht. Adam Driver spielt in dem Film einen Werbefachmann, der an jenen Ort zurückkehrt, wo er vor Jahren seinen ersten Kurzfilm (eine Don-Quixote-Adaption) realisiert hatte. Doch sein damaliger Quixote-Darsteller ist in der Zwischenzeit durchgedreht und nimmt den Werbefachmann mit auf ein wirres Abenteuer. Wenn Regisseure lange an einem Projekt feilen, dann kommt meistens was Gutes heraus. Hoffen wir, dass dies bei Gilliams 20-Jahre-Film nicht anders ist.

Solo: A Star Wars Story

Nachdem die Produktion des neusten Star-Wars-Spin-offs vor allem wegen den Turbulenzen hinter den Kulissen in die Schlagzeilen geraten ist, hat der Wind nun langsam gekehrt. Die Trailer und vor allem die TV-Spots versprechen einen etwas unkonventionellen Streifen der Sternensaga, der mehr Heist-Movie als grosses Skywalker-Familiendrama sein soll. Dass Lucasfilm zudem entschieden hat, den Film den zähnefletschenden Kritikern in Cannes zuerst zu zeigen, zeugt zudem von Selbstvertrauen in das, was Ron Howard nach der Entlassung von Phil Lord und Chris Miller auf die Beine gestellt hat. In Euphorie soll jedoch nicht verfallen werden. Immerhin präsentierte man ja auch Attack of the Clones und Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull an der Croisette.

Under the Silver Lake

Mit seinem It Follows drehte David Robert Mitchell einen der innovativsten und bestbewerten Horrorfilme der letzten Jahre. Bei seinem neusten Werk wird man sich jedoch deutlich weniger gruseln. In Under the Silver Lake geht ein völlig verpeilter Andrew Garfield auf die Suche nach einer Frau, mit welcher er magische Stunden verbracht hat. Auch aufgrund des Settings (im drogenverseuchten L.A. der Siebziger) trifft er dabei auf jede Menge schräge Gestalten. Der Trailer verspricht eine schräge Mischung aus Inherent Vice und dem Rian-Johnson-Debüt Brick. Etwas Sorgen bereitet uns nur die Laufzeit, die mit 140 Minuten doch etwas lang für einen solchen Hänger-Film scheint.

Quelle: OutNow.CH

07.05.2018 15:51 / crs


Artikel zum Thema

» Dossier: 71e Festival de Cannes 2018
» Terry Gilliam und Lars von Trier kehren nach Cannes zurück
» Cannes 2018: Diese Filme kämpfen um die Goldene Palme
» Netflix zieht alle Filme von Cannes-Filmfestival zurück
» Küssende Banditen auf dem Poster zu Cannes 2018
» Netflix vs. Cannes


Kommentare zum Artikel

Kommentar schreiben

Du musst dich einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu schreiben.