Oscars 2018: Das spannendste Awards-Rennen seit Jahren

In den vergangenen Jahren gab es im Vorfeld immer einen oder zwei Favoriten beim Oscar-Rennen in der Kategorie "Best Film". Doch in diesem Jahr haben ganze fünf Filme gute Chancen auf den Hauptpreis.

Frances McDormand in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" © Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

2014 hiessen sie 12 Years a Slave und Gravity, 2015 Birdman und Boyhood, 2016 Spotlight und The Revenant und 2017 Moonlight und La La Land. In den letzten Jahren gab es immer zwei Filme, die sich ein hitziges Duell bei den Preisverleihungen lieferten, während es dann bei der Oscar-Verleihung zum grossen Showdown kam. Möchte man auch 2018 wieder die Favoriten auflisten, merkt man, dass zwei Stück nicht ausreichen werden. Doch woran liegt das? Warum ist diese Oscar-Saison so unberechenbar?

Hier spielen verschiedene Faktoren mit. Zum einen ist da die Mitgliederanzahlerhöhung bei der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Die Organisation, welche die Oscars jeweils vergibt, ist in den letzten zwei Jahren drastisch gewachsen. Dies, um dem Mangel an ethnischer Diversität entgegenzutreten (#OscarsSoWhite). Mit der Ernennung von 774 neuen Mitgliedern alleine im Juni 2017 ist der Anteil nicht-weisser Mitglieder inszwischen auf 13 Prozent gestiegen - 2012 war dieser Wert noch bei 6 Prozent. Da unter den Neuen auch viele junge Filmschaffende sind, haben es die klassischen Oscar-Bait-Filme wie zum Beispiel Biopics jetzt schwerer. Es setzt sich nicht mehr der offensichtliche Kandidat durch, wie dies im letzten Jahr auf spektakuläre Art und Weise zu sehen war: Da entriss durch eine Umschlagsverwechslung das feinfühlige, nicht leicht verdauliche Drama Moonlight dem Crowdpleaser La La Land den Hauptpreis aus den Händen.

Zum anderen ist da aber auch die Tatsache, dass man in Hollywood in den letzten Monaten wirklich andere Sorgen als das Konkurrieren um Filmpreise hatte. Die Skandale um Harvey Weinstein und Kevin Spacey erschütterten die Filmbranche und dominierten die Schlagzeilen. So wussten viele Academy-Mitglieder nicht so recht, welche Filme es sich nun anzusehen lohnt. Der "Talk of the Town" waren keine Filme, sondern unanständige Filmschaffende und natürlich auch Donald Trump.

Man kann aber auch romantisch sein und sagen, dass es 2017 einfach zu viele sensationelle Filme gab und deshalb das Oscar-Rennen so spannend ist. Wir sagen euch nun, welche Filme Stand 8. Januar 2018 immer noch gute Chancen aus den Oscar in der Königskategorie haben.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Die vier Golden Globes sind eine enorme Hilfe für den Film von Martin McDonagh. Viele Academy-Mitglieder, die den Film noch nicht gesehen haben, haben jetzt neue Gründe, sich den Film anzusehen. Zudem ist es auch einfach ein brillant geschriebenes Teil mit tollen Schauspielerleistungen.

Get Out

Die Box-Office-Sensation (254 Millionen Dollar) von Jordan Peele hat mit seiner Rassismus-Thematik zweifelsohne einen Nerv getroffen. Bei den Globes ging der Streifen zwar leer aus, doch sammelte er während der letzten Wochen ordentlich viele Preise. 41 Stück sind es momentan, womit man weit vor der Konkurrenz liegt - Lady Bird kommt als Zweiter auf 34 Awards.

Lady Bird

Der Publikumsliebling von Greta Gerwig hat vielen Kritikern das Herz gestohlen - unseres eingeschlossen - und war für kurze Zeit der höchstbewertete Film auf RottenTomatoes. Ein Film, den man nur schwer hassen kann und den viele Stimmberechtigte vielleicht nicht gerade als Nummer eins, aber wohl an zweiter oder dritter Stelle auf ihre Liste packen werden. Dies könnte sich als Erfolgrezept herausstellen, denn jedes Mitglied stimmt nicht einfach für einen Film ab, sondern reicht eine Rangliste ein. Viele zweite und dritte Plätze könnten so zum Sieg führen.

The Shape of Water

Das Erwachsenenmärchen, das mit der Empfehlung des Hauptpreises von Venedig daherkommt, hat Regisseur Guillermo del Toro den Regiepreis bei den Golden Globes eingebracht. Es ist ein sehr sorgfältiges und mit viel Liebe zum Detail gemachtes Werk, das die unverkennbare Handschrift von del Toro trägt. Es könnte zum Oscarabräumer in den kleineren Kategorien werden und del Toro den Regie-Oscar bringen, während der Hauptpreis an jemand anderes geht. Ist oft passiert in den letzten Jahren. Aber wieso in solch düsteren Zeiten nicht ein Märchen auszeichnen?

The Post

In Zeiten von "Fake News" drehte Steven Spielberg während der Post-Produktion von Ready Player One "schnell" dieses Hohelied auf die Pressefreiheit. Einige Experten meinen, dass der Film nur einen Tweet von Donald Trump entfernt ist, den Hauptpreis zu holen. Das Produktionsteam folgt dem Commander in Chef mit Bestimmtheit auf Twitter.

Dunkirk

Christopher Nolans Kriegsepos war ein überwältigendes Leinwanderlebnis. Spektakelfilme triumphierten in den letzten Jahren vor allem in Oscar-Nebenkategorien, doch Nolans Film wird laut verschiedenen Experten von der Academy bewundert und gefeiert. Hoffentlich haben viele Academy-Leute den Kino gesehen. Zuhause ist das Erlebnis nämlich nicht mehr so heftig.

Call Me by Your Name

Mit Moonlight wurde 2017 ein Film über einen homosexuellen Afroamerikaner ausgezeichnet. Sowas gab es zuvor noch nie und zeigt auch, dass alles möglich ist. So auch für Luca Guadagninos Verfilmung des André-Aciman-Romans über eine Sommerbeziehung zwischen zwei jungen Männern. Der Film ist ungemein berührend und trifft ins Herz.

Die Oscar-Nominationen werden am 23. Januar 2018 bekanntgegeben. Die Verleihung findet dann am 4. März 2018 statt.

Quelle: OutNow.CH

10.01.2018 14:00 / crs


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1 Kommentar

Wenn Dunkirk nicht den Regie-Oscar bekommt, kann sich Christopher Nolan sämtliche Verleihungen in Zukunft sparen.