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Das NIFFF-Tagebuch, Teil 6 und 7: Overkill

Sechs Filme an einem Tag und alle davon im Kino? An einem Festival ist dies möglich. Im neuen Tagebucheintrag erfährst du, welche Filme OutNow.CH dieser Tage in Neuchâtel konsumiert hat.

Am Mittwoch konnte ich aus terminlichen Gründen leider nicht lange in Neuchâtel bleiben und sah dann auch nur einen einzigen Film. Super Dark Times ist eine Coming-of-Age-Geschichte der etwas anderen Art. Da der Film ja am NIFFF gezeigt wurde, ist es bestimmt kein Geheimnis, das die zu Beginn harmlose Geschichte ziemlich schnell einen ziemlich fiesen Twist mit sich bringt. Authentische Figuren und vielversprechende Jungdarsteller machen diesen in den Neunzigerjahren spielenden Film sehr empfehlenswert und Regisseur Kevin Philipps gilt es fortan zu beobachten.

Die Temperaturen stiegen am Donnerstag bis auf 35 Grad. Ideal, um sich in den Kinosälen des NIFFF etwas abzukühlen. Den Anfang machte das Horror Drama A Dark Song aus Irland. Über diese esoterisch angehauchte Schlaftablette möchte ich gar nicht viele Worte verlieren. Zu einem Zeitpunkt bemerkt die Hauptfigur "nothing has happened". Da war ich mit ihr einer Meinung. Der interessante Ansatz des Schlusses kam dann leider zu spät. Weiter ging es mit Spoor aus Polen. Der Kleinstadtkrimi ist nicht nur für Vegetarier und Jagdgegner spannende Unterhaltung und findet trotz ein klein wenig Überlänge (der Film dauert 128 Minuten) eine unterhaltsame Balance zwischen Thriller, Charakterstudie und wichtigem Messagefilm.

Regisseur Peter Ricq stellte seinen Film Dead Shack gleich persönlich am NIFFF vor. Die Horrorkomödie um eine Gruppe Teenager auf Zombiejagd war eine ziemlich nervtötende Angelegenheit. Jeder Satz jeder Hauptfigur musste mit einer vorhersehbaren Pointe enden, und so wirkte das Drehbuch wie eine Sitcom. Horrorkomödien sind so eine Sache und funktionieren höchst selten - mit solch überzeichneten Charakteren aber bestimmt nicht. Da können das Poster und der Retro-Score noch so cool sein (und das sind sie).

Film Nummer vier: The Little Hours. Diese Komödie um fluchende Nonnen hatte nach der Frustration von Dead Shack einen schweren Stand. Auch dieser Film war nicht für mich gemacht. Ich sah mehr Bullyparade als intelligente Komödie, doch Humor ist ja bekanntlich Geschmackssache und das Review auf OutNow.CH zeigt eine andere Sichtweise. Das Haus war voll und das Publikum lachte herzhaft. Ein guter Cast und zwei bis drei Lacher waren alles, was ich aus diesem offensichtlichen Publikumsliebling ziehen konnte.

Philippinische Horrorfilme gibt es nicht viele, weshalb ich Pwera Usog in mein persönliches Programm aufnahm. Diese Entscheidung musste ich im Nachhinein weder bejubeln noch bereuen. Der Film um einen Fluch ist eine routiniert gemachte Mischung aus diversen asiatischen Geisterfilmen mit einem gewissen Charme. Es wird viel Blut erbrochen, Mädchen mit strähnigen Haaren erscheinen aus dem Nichts und diverser Hokus Pokus passiert. Ganz nett und mit Social Media-Thematik (die Hauptfigur ist ein Youtube-Star) auch ziemlich modern.

Phew, bald geschafft... Der letzte Film des Tages kam aus dem ebenfalls nicht gerade bekannten Filmland Kambodscha. Dabei handelte es sich um einen klassischen Prügelfilm mit coolen Martial-Arts-Szenen und absolut null Plot. Toll ist, dass man die Kämpfe gut sehen kann, sie nicht zerschnipselt sind und die Kamera auf Distanz bleibt, um die Fähigkeiten der Fighter in Szene zu setzen. Gerade der richtige Film für 01 Uhr morgens und ein kleiner Geheimtipp für The Raid: Redemption-Fans. Das Tagesfazit war jedoch, dass in Zukunft fünf Filme am Tag genug sind...

Quelle: OutNow.CH

08.07.2017 12:00 / ma


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