Das NIFFF-Tagebuch, Teil 5: Zombies, Aliens und Vikinger

Am fünften Tag des Festivals ist es passiert: Redaktor Marco nutzt das Kino als Schlafsaal. Wieso, weshalb und in welchem Film, erfährt ihr im neuen NIFFF-Tagebucheintrag.

Nach einem Morgen im Coop-City-Restaurant, welches in diesen Tagen als OutNow.CH-Büro dient, ging es um 14 Uhr los mit G.O.R.A., einer türkischen Sci-Fi-Parodie, welche mit ziemlich grobem Humor die Klassiker des Genres vergackeiert. Die Vorführung fand im Kino "Le Studio" statt, welches nicht nur das einzige Kino des diesjährigen Festivals ist, sondern auch die bequemsten Sitze hat. Zwar ist es gefühlte 40 Grad heiss, was mich aber nicht daran hinderte nach einer knappen halben Stunde Blödsinn auf der Leinwand ein kleines Nickerchen im Kino zu machen. Dies wird wohl fast für jeden Festivalgänger früher oder später einmal zu einer Tradition. Schliesslich schlaucht trotz grosser Freude auch das Filmgucken ziemlich, und bei G.O.R.A. empfand ich diese Entscheidung als richtig.

Nicht geschlafen wurde dann bei der ersten russischen Projektion des Tages. Das Epos Viking hatte eine Produktionszeit von sieben Jahren und bietet visuell cool inszeniertes, historisch unkorrektes Schlachtengemetzel mit einem überkomplizierten Plot. Mir wurde nie ganz klar, wer hier gegen wen kämpft und wessen Bruder nun mit welcher Armee welche Stadt erobern möchte. Dies liegt auch daran, dass ganz viele der bärtigen Krieger nicht voneinander zu unterscheiden waren. Wenigstens ging es nicht nur mir so. Nach der Vorstellung hörte ich von einem anderen Journalisten die Worte "Je n'ai rien compris. Rien, rien, rien".

Russland zum Zweiten: Diesmal jedoch viel zugänglicher. Der Blockbuster Attraction wurde im Heimatland in Imax 3D gezeigt und klaut schamlos von US-Vorbildern zusammen. Trotzdem hat die Mischung aus Invasions-Action, Teen-Romanze und Fish-out-of-Water-Story eine eigene Identität, wartet mit gut geschriebenen Figuren auf und ist eine der grossen Überraschungen der 17. Ausgabe des NIFFF. Hauptdarstellerin Irina Starshenbaum ist eine Entdeckung und dürfte eine spannende Karriere vor sich haben. Die Effekte können den grossen amerikanischen Blockbustern durchaus das Wasser reichen. Die Blu-ray habe ich bereits vorbestellt (Release ist der 25. August 2017).

Black Hollow Cage war dann der wohl langsamste Film des Festivals. Die Geschichte um ein Mädchen mit Roboterarm, welches im Wald einen schwarzen Kubus entdeckt, ist in etwa so verwirrend wie die Inhaltsangabe tönt. Das Ganze war mir dann etwas zu artsy und möchtegern. Da kommt doch tatsächlich ein sprechender Hund, direkt aus Up "upgekupfert", vor, der über einen Lautsprecher um den Hals mit seiner Besitzerin kommuniziert. Der mit einer der Darstellerinnen anwesende Regisseur Sadrac González-Perellón filmte sein Q&A mit dem Selfie-Stick, was dann irgendwie passte.

Das Publikum in der spätesten Vorstellung (01:00) schien bierselig und in guter Laune für den Zombiestreifen It Stains the Sands red. Die Ansage des enthusiastischen Präsentators wurde bereits mit diversen Rufen und Geklatsche kommentiert. Der Film selbst zeigte die wohl gemütlichste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte. Ein einzelner, langsam torkelnder Zombie verfolgt eine Frau durch die Wüste ausserhalb Las Vegas. Die Idee wäre super für einen Kurzfilm, zieht sich aber als Langfilm zu sehr in die Länge. Eine unangebracht wüste (haha, spielt ja auch in der Wüste) Szene mit flüchtenden Sträflingen und mehrere Enden kippten den Film trotz toller Idee dann für mich persönlich eher in Richtung negativ. Zwei OutNow.CH-Sterne. Dem Publikum aber gefiel es, und es belohnte den Film mit grossem Applaus. Obwohl ich eigentlich "nur" vier Filme sah, ging ich dementsprechend auch schon ein wenig zombie-mässig auf den Heimweg.

Quelle: OutNow.CH

06.07.2017 14:00 / ma


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