Das NIFFF-Tagebuch, Teil 4: Kino der extremen Art

Tag 4 bot einiges an verstörenden und provokanten Themen und Bildern. Auch dafür ist das NIFFF bekannt. OutNow.CH hat durchgehalten und führt die Berichterstattung tapfer fort.

Draussen schien am Montag endlich die Sonne ein wenig. So konnte der Morgenspaziergang genossen und etwas Licht und Wärme getankt werden, bevor es auf der Leinwand kalt und düster losging. Der kroatische Thriller Goran spielt in verschneiter Landschaft und führt in die Abgünde der menschlichen Natur. Toll gespielt und stimmungsvoll gefilmt, überrascht der Film mit plötzlicher Gewalt und einem dunklen Sinn für Humor.

Weiter ging es mit The Endless. Der Low-Budget-Film handelt von zwei Brüdern, welche zur Sekte zurückkehren, die sie endlich hinter sich lassen wollen. Der sehr langsam inszenierte Film bewegt sich zwischen Donnie Darko und Lost und könnte unter Fans noch lange zu Reden geben. Der Film bietet viel Raum zur Interpretation und beantwortet nur wenige der Fragen, die er stellt.

Das NIFFF ist auch ein Ort der Extreme. Es wechselt sich introspektives Kino mit Gore-Orgien, oder auch sehr verstörenden Inhalten ab. Bei den Kurzfilmen aus Asien konnte man zum Beispiel die Liebesgeschichte zwischen Mann und Baum erleben und in Love after Time die wohl seltsamste Sexszene seit langer Zeit sehen. Ob ich dem NIFFF nun für diese Bilder danken soll, welche sich nicht so schnell aus meinem Gehirn verabschieden werden, sei mal dahingestellt.

Der nächste Langfilm auf meinem Programm war dann der Samuraifilm Blade of the Immortal. Regisseur Miike ist damit gleich zum zweiten Mal mit einer Mangaverfilmung am diesjährigen Festival vertreten. Statt der Schwertkampfaction steht die Freundschaft zwischen dem Helden und einem jungen Mädchen im Zentrum. Trotzdem versucht er es immer wieder mit Samuraiaction, doch hierfür fehlt das Talent in der Choreographie oder das Budget. So sehen wir oft den Beginn einer Actionszene und die Leichen, welche sie hinterlässt. Dies dürfte für ein grosses Publikum sehr enttäuschend sein. Mich eingeschlossen.

Teresa Palmer und Max Riemelt liefern sich im Psychothriller Berlin Sydnrome ein Katz-und-Maus-Spiel und Fingernagelkauen ist angesagt. Der gekonnt inszenierte Film hat mich ziemlich gepackt an diesem Abend und war trotz Creepiness und unschönem Thema der Höhepunkt meines NIFFF-Tages. Ich habe mit der Hauptfigur so sehr mitgefiebert, dass ich beinahe die Leinwand anschreien wollte, um ihr zu helfen und dies ist das beste Zeichen eines gelungenen Horrorthrillers. Supermüde ging es dann aber doch noch ins Open-Air-Kino, wo um 01h00 der Teenie Slasher Lake Bodom anlief. Vielleicht war ich langsam einfach zu müde, aber diese finnisch-estnische Koproduktion konnte mich nicht gross begeistern. Der viel zu früh enthüllte Twist ist weit hergeholt und zum Schluss war mir das Qequäle der Hauptfiguren etwas zu viel nach einem solch mit Leinwandblut getränktem Tag. Dennoch konnte ich dann trotz allem gut schlafen....

Quelle: OutNow.CH

05.07.2017 13:20 / ma


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