Das Cannes-Tagebuch von OutNow.CH - Tag 5: Privilegierte Schnarcher

Schmatzen, schwatzen, Handy-Klingeltöne - störende Sitznachbarn sind etwas vom Schlimmsten für eingefleischte Kinogänger. Wer glaubt, dass dies an Filmfestivals anders sei, liegt gänzlich falsch...

Presse- und Filmindustrievertreter sind schliesslich privilegierte Menschen und dürfen sich mehr erlauben als gewöhnliche Kinobesucher. So empört sich der Schreiberling dieses Jahr in Cannes gleich zweimal ab Journalistenkollegen. Tatsächlich schafft es nämlich ein korpulenter Herr älteren Semesters, zu spät zu einem Screening der Semaine de la Critique morgens um 9:00 Uhr aufzutauchen, um anschliessend zwei volle Stunden durch die Vorstellung durchzuschnarchen. Und mit Schnarchen ist hier lautstarkes Sägen gemeint! Am Ende des Films wird selbstverständlich trotzdem fleissig applaudiert... Bravo!

Ein weiterer ehrenwerter Kollege kommt während des Quinzaine-Screenings von A Ciambra auf die blendende Idee, den coolen Soundtrack des Films mit Trommeleinlagen auf seinem Variety-Magazin, das er zuvor aufgeschnappt hat, zu untermalen. Bestimmt haben ihn Live-Konzerte zu Stummfilmen zu diesem Geniestreich inspiriert.

Aber dies ist Lamentieren auf hohem Niveau. Denn wir geniessen die 70. Ausgabe des Festival de Cannes in vollen Zügen und werden mit vielen schönen filmischen Erlebnissen verwöhnt. Und wenn einem nach der Quinzaine-Vorstellung eine hübsche charmante und gut aufgelegte Imogen Poots oder Cécile de France gegenüber auf der Bühne stehen, sind sowieso alle Sorgen vergessen. Vive le cinéma!

Competition:

  • The Square - Ruben Östlund
    In seinem neuen Film verfilmt der Turist-Regisseur ein eigenes Kunstprojekt. Ambitioniert, schwarzhumorig, vielschichtig - aber ein bisschen lange, meint Kritiker ebe. Zur Kritik


Hors Competition:

  • A Prayer Before Dawn - Jean-Stéphane Sauvaire
    Der Gefängnisboxerfilm muss erduldet werden - leider nicht auf die gute Art, meint Kritiker crs. Zur Kritik

Quinzaine des Réalisateurs:

  • A Ciambra - Jonas Carpignano
    Der neue Film des Mediterranea-Regisseurs ist hochauthentisch und glänzt vor allem durch den charismatischen Jungen Pio Amato, findet Kritiker gli. Zur Kritik

22.05.2017 18:46 / crs


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