(Vor-)Freude herrscht: Die 11 meisterwarteten Filme vom Cannes-Filmfestival 2017

Es weilt wieder (fast) alles, was in der Filmwelt Rang und Namen hat, an der Croisette. Natürlich sind auch wir vor Ort und freuen uns im Vorfeld besonders auf diese elf Filme.

Mit einer vier Mann starken Crew reiste OutNow.CH dieses Jahr wieder an die Croisette und wird in den kommenden Tagen mit Kritiken, Newsberichten und einem Tagebuch von dem Filmfestival berichten. Wir präsentieren euch hier die elf Filme, bei denen die Vorfreude am grössten ist.

11. Jeannette l'enfance de Jeanne d'Arc


Regisseur Bruno Dumont hatte mit seiner Miniserie, der schwarzhumorigen Krimi-Komödie P'tit Quinquin, einen Überraschungshit gelandet und durfte deshalb seinen nächsten Film, Ma Loute, im letzten Jahr im Wettbewerb zeigen. Der Kannibalenmurks mit Juliette Binoche mochte kaum jemanden überzeugen, trotzdem ist Dumont mit einem neuen, vielversprechenden Film in Cannes zurück. Es wird darin die bekannte Geschichte von Jean D'Arc erzählt, welche alle paar Jahre neuaufbereitet ist. Daraus jedoch ein Musical zu machen, darauf ist kaum jemand gekommen. Könnte ganz lustig werden, wenn Dumont wieder zur alten Quinquin-Stärke zurückfindet.

10. D'après une histoire vraie


Polanski is back. Ganz still und heimlich hat der Regisseur einen neuen Thriller gedreht und kehrt damit vier Jahre nach Venus à la Fourrure an die Croisette zurück. In D'après une histoire vraie geht es um die Autorin Delphine (Emmanuelle Seignier), welche nach einem riesigen Erfolg unter einer Schreibblockade leidet. Sie lernt zu diesem Zeitpunkt Elle (Eva Green) kennen, mit der sie schnell besser auskommt als mit allen ihren Freunden und Bekannten. Doch diese Freundschaft nimmt schon bald verstörendes Ausmass an. Verstörend, Eva Green, Roman Polanski: Mit diesen drei Elementen kann ja fast nichts mehr schief gehen.

9. Good Time


Wie seine Ex-Freundin Kristen Stewart gehört auch Robert Pattinson schon fast zum Cannes-Inventar. Nach Filmen mit David Cronenberg und David Michod kehrt Pattinson nun in einem dreckigen Action-Thriller zurück. Es geht darin um einen Kleinkriminellen, dessen Bruder im Knast landet. Da dieser die dortigen Verhältnisse nicht lange überleben würde, setzt Pattinsons Figur alles daran, seinen Bruder ASAP wieder rauszuholen. Und dabei werden dessen Versuche immer gewalttätiger. Good Time verspricht ein wilder Ritt zu werden, der uns hoffentlich so richtig durchschütteln wird.

8. Okja


Auch wenn sich Netflix momentan mit der ganzen Filmindustrie anzulegen scheint (der Streamingdienst verweigert seinen Cannes-Filmen einen Kinostart in den französischen Kinos), darf man sich natürlich trotzdem auf den neuen Film von Snowpiercer-Regisseur Bong Joon-ho freuen. Es geht um ein zehnjähriges südkoreanisches Mädchen, dessen bester Freund, ein riesiges Superschwein, von einem fiesen Konzern entführt wird. In dem Film sind unter anderem Tilda Swinton, Paul Dano und Jake Gyllenhaal zu sehen. Ein Kinderfilm inmitten von Mord-, Totschlag- und Depri-Filmen? Gerne!

7. You Were Never Really Here


Die gefeierte Regisseurin Lynne Ramsay hat seit dem tollen We need to talk about Kevin keinen Film mehr gedreht. Das Letzte, das man von ihr hörte, waren Streitigkeiten am Set von Jane Got A Gun, der dann am Ende von Gavin O'Connor umgesetzt wurde. Nun ist sie zurück mit einer Rächer-Story um einen Kriegsveteranen, der eine Frau aus einem Sex-Ring befreien möchte, wobei einiges schiefläuft. Die Hauptrolle wird von Joaquin Phoenix gespielt, was bedeutet, dass wir hoffentlich eine intensive Performance in einem spannenden Plot zu sehen bekommen.

6. The Florida Project


Sean Baker machte sich mit dem Transgender-Indie-Drama Tangerine einen Namen, das komplett auf einem iPhone gedreht wurde und so viel Aufsehen erregte. In seinem Nachfolgewerk The Florida Project erzählt er nun von einer Sechsjährigen und ihren Freunden, die einen magischen Sommer erleben, während bei den Erwachsenen um sie herum gar nichts wie gewünscht laufen will. Willem Dafoe spielt einen der letzteren Gruppe (duh!) und sah damit mehr in Sean Baker als nur ein One-Hit-iPhone-Wonder. Mal sehen, ob Baker auch uns davon überzeugen kann.

5. Wonderstruck


Todd Haynes' Lovestory Carol war der grosse Abwesende, als es 2016 um die Verleihung der Oscars ging. Der Film mit Cate Blanchett und Rooney Mara wurde im Jahr zuvor in Cannes schon als "sicheres Ding" für ein paar Goldmännchen klassifiziert, da die Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen zu Herzen ging und man dachte, dass man der Academy in den letzten Jahren nun doch endlich den Stock aus dem Arsch entfernt hat. Schade, dass dem nicht so war. Wonderstruck ist die Verfilmung des gefeierten illustrierten Buches von Brian Selznick über die Kinder Ben und Rose, die in unterschiedlichen Jahrzehnten aufwachsen, jedoch eine spezielle Verbindung haben. Laut ersten Stimmen seien die Rose-Szenen in Schwarzweiss und ohne Ton gedreht, da die Protagonistin taub ist. Wir versprechen uns einen herzerwärmenden Film, von dem man sich dank Haynes deutlich mehr Fleisch am Knochen als von den üblichen Kinderfilmen erwarten kann. Bei den Schauspielern sollten Julianne Moore und Michelle Williams den nötigen emotionalen Punch bringen.

4. Happy End


Geht es noch ironisches, Herr Haneke?! Der gefeierte Deprifilmer aus Österreich nennt seinen Film tatsächlich Happy End, in dem es um eine bourgeoise Familie geht, die in die Wirrungen der Flüchtlingskrise verwickelt wird. Ein Favorit für die goldene Palme, die Haneke heuer zum dritten Mal gewinnen könnte. Gewinnen werden wohl auch die Apotheker von Cannes mit dem Verkauf von jeder Menge Antidepressiva nach dem Film.

3. The Square


Mit seinem bösen Familiendrama Force Majeure wurde der schwedische Regisseur Ruben Östlund auf einen Schlag zum neuen Darling der europäischen Filmszene. In seinem neusten Film geht es um den respektierten Kurator Christian, dessen neustes Kunstwerk die Betrachter daran erinnern soll, wie man sich als anständiger Mensch zu verhalten hat. Doch dann gerät alles ausser Kontrolle, woran auch Christian einen grossen Anteil hat. In Force Majeure feierten unglaublich lustige und unangenehme Szenen eine geniale Koexistenz. Wenn dies Östlund mit The Square wieder gelingen sollte, dann gibt dies äusserst spassige und nachdenkliche 142 Minuten, die man auf keinen Fall verpassen sollte.

2. Top of the Lake: China Girl


Seine 70. Ausgabe feiert Cannes nicht nur das Filmschaffen, sondern auch ausgewählte TV-Produktionen. Neben zwei Folgen Twin Peaks, die drei Tage nach der US-Ausstrahlung der ersten vier (!) gezeigt werden, haben die Cannes-Verantwortlichen auch Palmengewinnerin Jane Campion (The Piano) mit der zweiten Season ihrer hochgelobten australischen/neuseeländischen Serie Top of the Lake eingeladen. In der zweiten Staffel reist Detektiv Robin (Elisabeth Moss) nach den traumatischen Neuseeland-Erlebnissen der ersten Staffel zurück nach Australien, wo sie es erneut mit düsteren Gestalten zu tun bekommt. Als Fans der ersten Staffel können wir es kaum erwarten zu sehen, wie es mit Robin weitergeht, und der erste Trailer lässt erneut sechs sauspannende 60-Minüter erwarten. Im TV werden die Folgen dann im Herbst diesen Jahres ausgestrahlt.

1. The Killing of a Sacred Deer


Giorgos Lanthimos macht abgefuckte Filme. So wurden zum Beispiel in Dogtooth Kinder von der Aussenwelt abgeschottet und ihnen dann absichtlich falsche Begriffe beigebracht. Süsse Kätzchen starben dann auch noch. Es war jedoch The Lobster, der ihn zu einem der momentan angesagtesten Regisseure machte. Einen Film über eine Welt, in der man in einer Beziehung sein musste. Wer dies nicht fertigbringt, wird in ein Tier verwandelt. Herrlich absurd und lustig. Der Film gewann viele Preise und das Drehbuch wurde sogar für den Oscar nominiert. In seinem neusten Film geht es nun um einen Chirurgen, der einen jungen Studenten unter seine Fittiche nimmt und dabei auch schnell mal dessen dysfunktionale Familie kennenlernt. Vor allem das Wort "Chirurg" sollte für den Verlauf des Plots und dessen Figuren besorgniserregend sein. Uns macht dies vor allem neugierig. The Lobster war unser Cannes-Lieblingsfilm von 2015, und da Lanthimos hier erneut mit Colin Farrell zusammengearbeitet hat und zudem noch Nicole Kidman und Alicia Silverstone (!) gewinnen konnte, macht dies die Vorfreude nur umso grösser.

Honorable Mentions

Wie immer bleiben bei einer solchen Auflistung einige Filme auf der Strecke. Liebend gerne hätten wir auch den Thriller Wind River über eine Mordserie in einem Indianer-Reservat hineingenommen. Es ist dies das Regiedebüt von Hell or High Water-Autor Taylor Sheridan und hat die Avengers Jeremy Renner und Elizabeth Olsen in den Hauptrollen. Da der Film jedoch schon am Sundance lief, entschieden wir uns gegen eine Aufnahme in diese Liste. Gleiches gilt auch für Brigsby Bear. Der von den Machern von Popstar: Never Stop Never Stopping und The Lego Movie produzierte Film handelt von einem labilen Mann, der seine Lieblingskindersendung nach dessen Absetzung fertigstellen möchte. Saturday-Night-Live-Star Kyle Mooney spielt die Hauptrolle, in Nebenrollen sind unter anderem Claire Danes, Andy Samberg und Luke Skywalker himself, Mark Hamill, zu sehen. Weiter zeigt Shortbus-Regisseur John Cameron Mitchell seinen Alien-Film How to talk to Girls at Parties, The Artist-Regisseur Michel Hazanavicius bringt das Godard-Biopic Le Redoutable an die Croisette und die OutNow-Love-Hate-Relationship mit Naomi Kawase erhält mit Hikari ein neues Kapitel.

Das Cannes-Filmfestival läuft vom 17. bis zum 28. Mai 2017.

Quelle: OutNow.CH

19.05.2017 17:17 / crs


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